Plötz­lich Na­tio­nal­trai­ner

Win­ter­thur-coach Mi­chel Zei­ter steht tem­po­rär als As­sis­tent im Ein­satz – und fühlt sich sicht­lich wohl

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY - Phil­ipp Muschg

Der Kit­tel mit dem Schwei­zer Kreuz auf der Brust ist ein paar Num­mern zu gross. Wohl auch, weil Mi­chel Zei­ter aus­sieht, als kön­ne er noch im­mer fürs Na­tio­nal­team stür­men. «Der Doc hat es mir aus­ge­lie­hen», er­klärt der Schwei­zer As­sis­tenz­coach. Das tex­ti­le Leih­ge­schäft wur­de nö­tig, weil Zei­ter nor­ma­ler­wei­se Trai­ner des EHC Win­ter­thur ist. Er springt in Kre­feld und nächs­ten Mo­nat in Luzern nur ein, weil Chris­ti­an Wohl­wend die U-20 be­treut. «Ei­ne ge­freu­te Sa­che» sei es, hier an der Ban­de zu ste­hen, fin­det der lang­jäh­ri­ge Zsc-cen­ter, «es macht wirk­lich Spass».

Und ein we­nig ist es auch ei­ne Rei­se in die Ver­gan­gen­heit. Zei­ter war mehr­mals am Deutsch­lan­dcup, als der noch nicht in Kre­feld statt­fand. «Ich ha­be ihn schon ge­won­nen», er­in­nert er sich. Auch der Mann mit dem Kit­tel war da­mals schon da­bei, Tea­m­arzt Je­an-clau­de Küt­tel. Zei­ter hat sich im Kreis der Eli­te so­fort wie­der wohl­ge­fühlt – auch wenn der Kon­trast zum All­tag be­trächt­lich ist.

«Man kann auf ei­nem ganz an­de­ren Le­vel ar­bei­ten», lobt der 44-Jäh­ri­ge die Trai­nings. «Du kannst ir­gend­et­was sa­gen, und es wird so­fort um­ge­setzt.» Oder die Schei­ben­an­nah­me: «Hier geht man da­von aus, dass al­les Ta­pe-to­tape ist.» Ide­en und Spiel­sys­tem sei­en gar nicht an­ders als in der Swiss Le­ague, «aber die Qua­li­tät macht den gros­sen Un­ter­schied».

«Et­was für die ei­ge­ne Mann­schaft mit­neh­men»

In Kre­feld ist Zei­ter für die Stür­mer zu­stän­dig, Tom­my Al­be­lin für die Ver­tei­di­ger, Patrick Fi­scher fürs Ge­samt­bild. Er kön­ne viel von den Kol­le­gen pro­fi­tie­ren, sagt Zei­ter, viel re­flek­tie­ren auch und et­was mit­neh­men für die ei­ge­ne Mann­schaft. Er stockt und er­gänzt: «Da muss man na­tür­lich auch die Mann­schaft da­für ha­ben.»

Wäh­rend al­so in Win­ter­thur Ma­nu­el Brug­ger und Ze­si Zehn­der sei­ne Mann­schaft auf den Di­ens­tags­match in Ol­ten vor­be­rei­ten, tritt Zei­ter noch ein­mal auf je­ner Büh­ne auf, die einst sei­ne Hei­mat war: die gros­se. Und es stellt sich die Fra­ge: Gibt es für ihn ei­ne Fort­set­zung beim Na­tio­nal­team nach dem De­zem­ber?

Die Ant­wort ver­rät den frü­he­ren Spie­ler. «Ich schaue nicht zu weit in die Zu­kunft», sagt der Aus­hilfs-na­tio­nal­trai­ner. Doch das Leuch­ten in sei­nen Au­gen sagt viel mehr. Viel­leicht gibt es das nächs­te Mal so­gar ei­nen pas­sen­den Kit­tel.

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