Heut geh ich zu Ikea!

SonntagsZeitung - - KULINARIK - Auf dem Ta­blett. Da­ni­el Bö­ni­ger

Viel­leicht scha­det das jetzt mei­nem Ruf als Gastro­kri­ti­ker,

aber ich ge­be zu: Der ve­ge­ta­ri­sche Hot­dog, den es für ei­nen Fran­ken bei Ikea gibt, hat ge­schmeckt. Das Ge­mü­se­würst­chen hat schö­ne Brata­ro­men, ein­ge­leg­te ge­raf­fel­te Ran­de sorgt fürs aro­ma­ti­sche Ex­tra und Röst­z­wie­beln für ein an­ge­neh­mes Knus­pern. Dass zum Gan­zen auch ein labb­ri­ges, all­zu süs­ses Bröt­chen ge­hört, wie bei Schnell­ver­pfle­gung üb­lich, kann man an­ge­sichts des Prei­ses aus­ser Acht las­sen. Und statt­des­sen den süss-sau­ren Senf er­wäh­nen, von dem man so viel auf den Snack kle­ckern darf, wie man möch­te. Nun gut, so schmack­haft, dass ich al­le Zu­ta­ten ex­tra ein­ge­kauft hät­te, um das Er­leb­nis zu Hau­se zu wie­der­ho­len, wars dann doch nicht.

Ne­ben dem Hot­dog-stand gibt es bei Ikea

auch ein «rich­ti­ges Re­stau­rant», ge­fühl­te zwan­zig Wohn- und Schlaf­zim­mer nach dem Ein­gang, un­ge­fähr in der Mit­te des Ein­kaufs­la­by­rinths. Dort ge­nies­sen Fa­mi­li­en für nicht ein­mal neun Fran­ken et­wa die le­gen­dä­ren Fleisch­bäll­chen Kött­bullar mit brau­ner Sau­ce, Kar­tof­fel­stock und Prei­sel­bee­ren. Das Ge­richt ist gut ge­sal­zen, gut ge­süsst auch, vor al­lem aber macht der Kar­tof­fel­stock dem Mö­bel­haus al­le

Eh­re. Mei­ne Kin­der je­den­falls, sonst nur bes­ten, selbst ge­mach­ten Stock nach Va­ters Mach­art ge­wohnt, ver­ge­ben ho­he No­ten.

Ich selbst ha­be ein Ent­recôte «Ca­fé de Pa­ris»

Es wird à la mi­nu­te zu­be­rei­tet und ist wie ge­wünscht «me­di­um» ge­bra­ten – aber rich­tig zart lei­der nicht. Die Würz­but­ter geht in Ord­nung; er­freu­lich sind vor al­lem die auf­fal­lend knusp­ri­gen Pom­mes fri­tes. Auch im Re­stau­rant darf man als Gast so viel Ketch­up und Mayon­nai­se drauf­pap­pen, wie man möch­te.

Ein paar der Spei­sen im An­ge­bot sind nicht zu emp­feh­len.

Wer abends um sechs im Ikea­re­stau­rant ein­kehrt, der fin­det nur noch Knob­lauch­brot, das eher an tro­cke­ne Zie­gel er­in­nert. Auch pro­ble­ma­tisch: Co­le­s­law, der in der Kühl­vi­tri­ne den Ge­ruch des Gra­ved-lach­ses ne­ben­an an­ge­nom­men hat. Der Nüss­li­sa­lat mit Ei? Die Blät­ter sind abends schon recht labb­rig. Man spülts run­ter mit hel­lem oder dunk­lem Haus­bier, das süf­fig ist. Bloss:

Den Fla­schen­öff­ner su­che ich erst ver­ge­bens. «Die Leu­te hier», so ver­rät ei­ne Kas­sie­re­rin hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand, «die neh­men ein­fach al­les mit nach Hau­se, das nicht niet- und na­gel­fest ist.» Und die grei­fen dann halt oft auch zu, wenn es Hot­dogs für bloss ei­nen Fran­ken gibt.

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