Wer hat hier die Macht?

SonntagsZeitung - - KULTUR -

– auf sei­nem Platz in der ers­ten Rei­he sicht­lich un­wohl zu sein. Denn hier wehr­te sich ein Mu­si­ker mit den Waf­fen, die ihm zur Ver­fü­gung ste­hen: mit sei­ner Gi­tar­re, sei­nen Tex­ten, sei­ner Aus­strah­lung. Das Cha­ris­ma und die Prä­senz des Stars, die Ni­xon nut­zen woll­te, über­strahl­ten den Us­prä­si­den­ten.

Das Spiel zwi­schen Po­li­tik und Pop kann al­so auch zu­guns­ten der Mu­si­ker aus­ge­hen, die in der nar­ren­ähn­li­chen Rol­le mehr sa­gen kön­nen als Nor­mal­sterb­li­che. Und es hängt auch da­mit zu­sam­men, dass man hin­ter die Fas­sa­den von Stars nicht wirk­lich bli­cken kann, et­wa hin­ter je­ne von Tay­lor Swift, die vor ih­rer Par­tei­nah­me für die De­mo­kra­ten als Trump-an­hän­ge­rin ver­däch­tigt wur­de.

Trump-wäh­ler hö­ren «An­ti-trump-mu­sik»

Kommt da­zu, dass Pop­songs so vie­le Les­ar­ten zu­las­sen – und da­mit An­lass für Miss­ver­ständ­nis­se bie­ten. Vor den Mid­term-wah­len in den USA wehr­ten sich zwei Schwer­ge­wich­te des Show­busi­ness ge­gen die Ver­ein­nah­mung ih­rer Hits: Ri­han­na un­ter­sag­te es Prä­si­dent Trump, ih­re Songs bei Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen wei­ter zu spie­len. Und Axl Ro­se at­ta­ckier­te via Twit­ter die Re­pu­bli­ka­ner, als er sich über Trump-wäh­ler, die im Wahl­kampf die «An­ti-trump-mu­sik» sei­ner Band Guns N’ Ro­ses hör­ten, amü­sier­te: «Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass vie­le von ih­nen das ver­ste­hen.» Was Er­in­ne­run­gen an die Rea­gan-ära weckt, als Bru­ce Springs­teens «Born in the USA» – ein Ab­ge­sang auf den Ame­ri­can Dream – als Hel­den­hym­ne be­nützt wur­de.

Na­tür­lich set­zen Pop­stars die Po­li­ti­ker auch für ih­re ei­ge­ne Mes­sa­ge ein. So, wie das Beyon­cé in ei­nem Ins­ta­gram-post mach­te, für den sie sich als Sup­por­te­rin des De­mo­kra­ten Be­to O’rour­ke ab­lich­ten liess. Und wie das Bob Mar­ley ze­le­brier­te, als er 1978 noch ein­mal nach Ja­mai­ka zu­rück­kehr­te – und im Rah­men des One Lo­ve Pe­ace Con­cert die po­li­ti­schen Wi­der­sa­cher Ed­ward Sea­ga und Micha­el Man­ley auf die Büh­ne nö­tig­te – ähn­lich, wie die Po­li­ti­ker ihn zwei Jah­re zu­vor über­rum­pel­ten. Er zwang sie zu ei­ner Ges­te der Ver­söh­nung und des Frie­dens, der für die­sen kur­zen Mo­ment mög­lich schien.

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