Ich, der Fern­seh­di­rek­tor

SonntagsZeitung - - TIPPS - Andre­as To­bler

Jetzt al­so hat man Nat­ha­lie Wapp­ler die Di­rek­ti­on des Schwei­zer Fern­se­hens über­ant­wor­tet,

weil ich in der frag­li­chen Zeit gera­de in den Fe­ri­en war. An­ders kann ich es mir nicht er­klä­ren, dass man nicht mir den Job gab, wie es doch mit Si­cher­heit vor­ge­se­hen war. Denn schliess­lich ist mein Kon­zept für die Zu­kunft des Fern­se­hens sehr über­zeu­gend – et­wa mein Vor­schlag, das Pro­gramm stark auf­zu­wer­ten, in­dem der Sen­de­be­trieb je­weils je­den Abend um 20 Uhr be­en­det wird – mit der Ein­blen­dung von ei­ni­gen Text­ta­feln: «Le­sen Sie ein gu­tes Buch», «Ha­ben Sie den Mut, sich Ih­res ei­ge­nen Ver­stan­des zu be­die­nen», «Sei­en Sie nett zu Ih­ren Nach­barn».

Ob­wohl ich über­gan­gen wur­de, be­schäf­ti­ge ich mich schon jetzt sehr in­ten­siv

mit der Auf­ga­be, die am strah­len­den Ho­ri­zont mei­ner Zu­kunft auf mich war­tet: Ir­gend­wann um 2033, wenn Nat­ha­lie Wapp­ler 65 ist und als min­des­tens zweit­bes­te Srf-di­rek­to­rin al­ler Zei­ten pen­sio­niert wird, muss ich ran. Aus Ver­ant­wor­tung mir und dem Va­ter­land ge­gen­über. All­zu viel, was die Neu­aus­rich­tung des Pro­gramms an­be­langt, will ich noch nicht ver­ra­ten. Aber selbst­ver­ständ­lich wird es ein «Te­le To­bler» ge­ben, in dem ich täg­lich in ei­ner hal­ben St­un­de die Welt er­klä­re. Auch hof­fe ich, dass Hel­ge Schnei­der in 15 Jah­ren noch fit ge­nug sein wird, dass er die Sen­dung «Stern­stun­de Re­li­gi­on» für mein SRF mo­de­rie­ren kann.

Ich bin mir be­wusst, dass wir uns in ei­nem gros­sen Me­dien­um­bruch be­fin­den.

Es ist al­so gut mög­lich, dass es 2033 kein SRF mehr ge­ben wird. Aber auch da­für ha­be ich be­reits ein bril­lan­tes Kon­zept ent­wi­ckelt: Die Stu­di­ode­kos des Schwei­zer Fern­se­hens wer­den in den Bal­len­berg über­führt, wo die Sen­dun­gen in ei­ner End­los­schlau­fe vor Li­ve­pu­bli­kum wie­der­auf­ge­führt wer­den, da­mit auch kom­men­de Ge­ne­ra­tio­nen Ku­rio­si­tä­ten wie «Glanz & Glo­ria», den Schwei­zer «Tat­ort» und den «Li­te­ra­tur­club» nach­er­le­ben kön­nen. Noch un­klar ist, in­wie­fern mir der Fern­seh­di­rek­to­ren­job beim Er­rei­chen mei­ner Le­bens­zie­le hilf­reich sein könn­te (Ent­rüm­pe­lung mei­nes Kel­ler­ab­teils, Welt­herr­schaft und Ero­be­rung wei­te­rer Pla­ne­ten), von de­nen ich min­des­tens zwei als sehr rea­lis­tisch er­ach­te.

ist de­si­gnier­ter Di­rek­tor des Schwei­zer Fern­se­hens

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.