P.S. This is the End

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Pe­ter Schnei­der

Im März 2020 ist fer­tig mit der «Lin­den­stras­se». An­geb­lich sol­len Mut­ter Bei­mer und Ga­bi Zen­ker in der letz­ten Fol­ge

von ei­nem ge­mein­sa­men Kom­man­do von IS und AFD nach Gu­an­tá­na­mo ent­führt wer­den, An­dy Zen­ker ver­liert sei­ne Ta­xi-li­zenz, und Dr. Dress­ler sprengt sich, sei­nen Roll­stuhl und mit die­sem auch die ge­sam­te Lin­den­stras­se in die Luft, um ein Zei­chen ge­gen die dis­rup­ti­ve Lo­gik der Uber-öko­no­mie zu set­zen. Ein­zig der Schöp­fer und Pro­du­zent der Se­rie, Hans W. Geis­sen­dör­fer, 77, über­lebt und ist schon jetzt, ge­lin­de ge­sagt, über die Ent­schei­dung der ARD ent­setzt: «Die ‹Lin­den­stras­se› steht für po­li­ti­sches und so­zia­les En­ga­ge­ment, für Mei­nungs­frei­heit, De­mo­kra­tie, glei­che Rech­te für al­le und In­te­gra­ti­on, was in Zei­ten von Rechts­ruck und Aus­län­der­feind­lich­keit wich­ti­ger ist denn je.»

Schuld am Mas­sa­ker ist das Pu­bli­kum, das sich im­mer we­ni­ger für glei­che Rech­te, De­mo­kra­tie,

po­li­ti­sches und so­zia­les En­ga­ge­ment, Mei­nungs­frei­heit, In­te­gra­ti­on, kurz: die «Lin­den­stras­se» in­ter­es­siert. Ein ähn­li­ches Phä­no­men ist lei­der auch in der Schweiz zu be­ob­ach­ten. Stich­wort: Re­play. Die hue­re neo­li­be­ra­len Fern­seh­zu­schau­er schau­en Fern­se­hen näm­lich im­mer öf­ter zeit­ver­setzt und über­spu­len da­bei die Wer­bung. Das sind wahr­schein­lich ge­nau die­sel­ben Men­schen, die auch bei der «Lin­den­stras­se» kalt­schnäu­zig weg­schau­en und ihr kurz­fris­ti­ges pri­va­tes Ver­gnü­gen über die lang­fris­ti­gen In­ter­es­sen der De­mo­kra­tie, der Mei­nungs­frei­heit und der In­te­gra­ti­on stel­len.

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