Die Ka­tar-con­nec­tion des Fi­fa-chefs

In­fan­ti­nos Be­zie­hung zu ei­nem Ka­ta­rer ma­chen sei­ne Tref­fen mit Bun­des­an­walt Lau­ber noch heik­ler

SonntagsZeitung - - SCHWEIZ - Oli­ver Zihl­mann und Chris­ti­an Brön­ni­mann

«Nö­tig», «er­for­der­lich», ja so­gar «es­sen­zi­ell». So be­schrieb Bun­des­an­walt Mi­cha­el Lau­ber an ei­ner ei­gens an­be­raum­ten Pres­se­kon­fe­renz die­sen Mitt­woch sei­ne Tref­fen mit Fi­fa-prä­si­dent Gianni In­fan­ti­no.

Der obers­te Schwei­zer Er­mitt­ler führt seit 2015 rund 25 Straf­ver­fah­ren im Zu­sam­men­hang mit der Fi­fa und Fuss­ball­funk­tio­nä­ren. Im Fe­bru­ar 2016 kam In­fan­ti­no an die Spit­ze des Welt­ver­ban­des und ver­sprach, auf­zu­räu­men. Die Tref­fen im März und im April 2016 zwi­schen dem neu­en Fi­fa-prä­si­dent und dem Che­f­er­mitt­ler er­schei­nen auf den ers­ten Blick al­so durch­aus ver­nünf­tig. Nur: In­fan­ti­no war schon da­mals kei­nes­falls ein un­ab­hän­gi­ger Auf­räu­mer. Er war be­reits in ei­ner gan­zen Rei­he von Punk­ten mit Lau­bers Fuss­ball­ver­fah­ren ver­bun­den. Zum Bei­spiel über ei­nen Mann na­mens Nas­ser Al-khe­lai­fi.

Der Ka­ta­rer Al-khe­lai­fi ist ein schwer­rei­cher Ge­schäfts­mann im Be­reich von Sport­rech­ten und seit lan­ger Zeit ei­ner der wich­tigs­ten Män­ner in der Sport­welt Ka­tars. Das Land am Per­si­schen Golf er­hielt 2008 in ei­ner höchst um­strit­te­nen Wahl den Zu­schlag für die Aus­tra­gung der Fuss­ball-welt­meis­ter­schaft 2022. Die Bun­des­an­walt­schaft er­mit­telt heu­te we­gen Geld­wä­sche­rei und un­ge­treu­er Ge­schäfts­füh­rung. Der Ver­dacht: Die Ver­ga­be die­ser WM war ge­schmiert. Tat­säch­lich wur­den seit­her die Hälf­te der 22 Fi­fa-män­ner, die da­mals über den Zu­schlag für Ka­tar be­fan­den, we­gen Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fen ver­ur­teilt, ver­klagt, sus­pen­diert oder be­schul­digt.

Letz­tes Jahr ge­riet auch Al-khe­lai­fi in den Stru­del. Die Bun­des­an­walt­schaft er­öff­ne­te ein Straf­ver­fah­ren ge­gen den Ka­ta­rer we­gen Be­ste­chung. Er soll ei­nem Fi­fa­mann «nicht ge­büh­ren­de Vor­tei­le» ver­schafft ha­ben, was Al-khe­lai­fi be­strei­tet.

In­fan­ti­no knick­te vor Psg-prä­si­dent Al Khe­lai­fi ein

Die Ver­ga­be an Ka­tar und ins­be­son­de­re die Per­son Al-khe­lai­fi sind wich­ti­ge Be­stand­tei­le der Er­mitt­lun­gen der Bun­des­an­walt­schaft. Das Pro­blem: Al-khe­lai­fi und In­fan­ti­no ver­bin­det seit 2014 ei­ne pro­ble­ma­ti­sche Be­zie­hung. Das zei­gen ge­hei­me Mails aus dem Da­ten­leck Foot­ball Leaks. Das Ma­te­ri­al aus dem In­ners­ten der Ue­fa und der Fi­fa ge­lang­te zu­nächst an den «Spie­gel» und wur­de vom Jour­na­lis­ten-netz­werk EIC und vom Re­cher­che­desk von Ta­me­dia aus­ge­wer­tet.

In­fan­ti­no war vor sei­ner Er­nen­nung zum Fi­fa-prä­si­den­ten Ge­ne­ral­se­kre­tär der Ue­fa. Im Früh­ling 2014 ver­such­te er in die­ser Funk­ti­on mit al­len Mit­teln, dem Club Pa­ris Saint-ger­main ei­ne Stra­fe zu er­spa­ren. Der Prä­si­dent des Clubs heisst Nas­ser Al Khe­lai­fi.

Am 27. Fe­bru­ar 2014 sa­hen sich In­fan­ti­no, Al-khe­lai­fi und an­de­re an ei­nem Ge­heim­tref­fen. Der Ka­ta­rer und der Schwei­zer dis­ku­tier­ten dort zwie­lich­ti­ge Mass­nah­men, wie man Ue­fa-stra­fen für den Ver­ein von Al-khe­lai­fi um­ge­hen könn­te. Der Psg-prä­si­dent und sein Stell­ver­tre­ter ba­ten In­fan­ti­no ex­pli­zit, die zu­stän­di­gen Stel­len in der Ue­fa zu um­ge­hen. E-mails zeu­gen von gros­ser Ver­traut­heit. Als die Ver­hand­lun­gen im April stock­ten, schrieb Al-khe­lai­fi an sei­ne Leu­te: «You need to tell Gianni.» Im Mai schick­te der Ka­ta­rer dann sel­ber noch mal ei­ne di­rek­te Auf­for­de­rung an In­fan­ti­no. Die­ser sol­le sei­ne Po­si­ti­on nun ak­zep­tie­ren: «This is our deal», schrieb er. Schliess­lich brach­te Al-khe­lai­fi In­fan­ti­no in ei­nem Te­le­fon­ge­spräch da­zu, die ent­schei­den­den Kon­zes­sio­nen für sei­nen Club ab­zu­seg­nen.

Die­se Epi­so­de zeigt, wie der künf­ti­ge Fi­fa-prä­si­dent vor dem künf­ti­gen Be­schul­dig­ten in ei­nem der Fi­fa-ver­fah­ren der Bun­des­an­walt­schaft ein­knickt. Wie In­fan­ti­no Al-khe­lai­fi meh­re­re Ge­fal­len tut, die mit den Re­geln der Ue­fa kaum in Ein­klang zu brin­gen sind. Wie der Wal­li­ser al­so für den Ka­ta­rer sei­nen Job ris­kiert. Und aus­ge­rech­net mit In­fan­ti­no traf sich nun Lau­ber 2016, um über die Fi­fa-ver­fah­ren zu spre­chen? Ver­fah­ren, in wel­chen Ka­tar und spä­ter auch Al-khe­lai­fi so ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len?

Dass die Ue­fa und In­fan­ti­no dem Pa­ri­ser Club 2014 ge­hol­fen ha­ben, war be­kannt, als es zu dem Gip­fel­tref­fen zwi­schen Lau­ber und In­fan­ti­no kam. Kommt hin­zu, dass Lau­ber vor dem Tref­fen auch schon In­fan­ti­nos ehe­ma­li­gen Chef bei der Ue­fa, Mi­chel Pla­ti­ni, ein­ver­nom­men hat­te. Und oben­drauf hat­te die Bun­des­an­walt­schaft kurz vor dem zwei­ten Tref­fen ein Ver­fah­ren rund um ei­nen frag­wür­di­gen, von In­fan­ti­no un­ter­zeich­ne­ten Tv-rech­te-deal der Ue­fa ein­ge­lei­tet, in­klu­si­ve Raz­zia im Ue­fa­haupt­quar­tier in Nyon.

Aus die­ser Op­tik er­scheint In­fan­ti­no we­nig ge­eig­net für ein Ge­spräch über die «stra­te­gi­sche Steue­rung des Ver­fah­rens», wie das Lau­ber letz­ten Mitt­woch be­zeich­ne­te. Noch da­zu in ei­nem Tref­fen, das ein be­freun­de­ter Staats­an­walt von In­fan­ti­no ein­fä­del­te und das nicht ein­mal pro­to­kol­liert wur­de. «Die­ses Vor­ge­hen ist schlicht un­pro­fes­sio­nell» sagt Straf­rechts­pro­fes­sor Mark Pieth. «Der Bun­des­an­walt hat sich mit die­sen Tref­fen wo­mög­lich in gröss­te Schwie­rig­kei­ten ge­bracht.»

Zu­ge­ständ­nis­se für Pa­ri­ser Club: Fi­fa-prä­si­dent Gianni In­fan­ti­no

Ver­trau­ter Um­gang mit In­fan­ti­no: Psg-prä­si­dent Nas­ser Al-khe­lai­fi

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