Die Mess­me­tho­de der Seis­mo­lo­gen

SonntagsZeitung - - SONNTAGSGESPRÄCH -

Je­de Mas­se, egal ob Stimm­ga­bel oder Fels­for­ma­ti­on, schwingt be­vor­zugt mit ei­ner be­stimm­ten Fre­quenz, der so­ge­nann­ten Re­so­nanz­fre­quenz. Die mit Er­be­ben­s­en­so­ren (Seis­mo­me­tern) könn­te ei­ne Mög­lich­keit sein, die Desta­bi­li­sie­rung ei­nes Fel­sens zu ver­fol­gen. So wie ei­ne be­schä­dig­te Stimm­ga­bel an­ders klingt, wür­de auch der Fels an­ders vi­brie­ren, wenn er sich zu­neh­mend de­sta­bi­li­siert. Da­zu nut­zen die Seis­mo­lo­gen vom Schwei­ze­ri­schen Erd­be­ben­dienst der ETH die durch kleins­te Erd­be­ben, die Ge­zei­ten oder durch mensch­li­che Ak­ti­vi­tä­ten aus­ge­lös­ten Die Am­pli­tu­de, mit der die Fels­in­sta­bi­li­tät bei der Re­so­nanz­fre­quenz schwingt, lässt dem­nach Rück­schlüs­se dar­auf zu, wie gut der in­sta­bi­le Fels noch mit dem fes­te­ren Fels der Um­ge­bung ver­bun­den ist, wie stark der Fels mit Was­ser oder Eis ge­füllt ist und bis in wel­che Tie­fe ei­ne tren­nen­de Kluft reicht. Wenn sta­bi­li­sie­ren­de Gesteins­brü­cken auf­bre­chen, kann der Fels frei­er und aus­la­den­der schwin­gen. Die Re­so­nanz­fre­quenz wür­de sin­ken. Ei­ne sich ver­än­dern­de Re­so­nanz­fre­quenz könn­te, so die Hy­po­the­se, dem­nach als die­nen. Auch aus der be­vor­zug­ten Schwin­gungs­rich­tung der klei­nen Bo­den­wel­len – der so­ge­nann­ten Po­la­ri­sa­ti­on – kön­nen die For­scher et­was über die Cha­rak­te­ris­tik der Bruch­zo­ne ab­le­sen. ( jol)

Mes­sung der Re­so­nanz­fre­quenz Vi­bra­tio­nen des Un­ter­grunds. Mass für die In­sta­bi­li­tät ei­nes Berg­sturz­be­reichs

Fels, so die Hy­po­the­se», sagt Häus­ler. «Aber was die Ver­stär­kung der Wel­len, de­ren be­vor­zug­te Schwin­gungs­fre­quenz und die be­vor­zug­te Schwin­gungs­rich­tung ge­nau über die Bo­den­ei­gen­schaf­ten auf der In­sta­bi­li­tät Bri­enz aus­sa­gen, ist im De­tail noch nicht be­kannt.» Das möch­te er im Rah­men sei­ner Dok­tor­ar­beit un­ter­su­chen. Ne­ben dem Bri­en­zer Berg­sturz­ge­biet er­forscht der SED auch an­de­re ak­ti­ve Rutsch- und Berg­sturz­zo­nen in der Schweiz, um de­ren Schwing­ver­hal­ten bes­ser zu ver­ste­hen.

Vor­sich­tig han­geln sich die Seis­mo­lo­gen mit­samt Ruck­sack an ei­nem Seil in die Bruch­zo­ne hin­un­ter. Ziel ist die Mess­sta­ti­on am höchs­ten Punkt der In­sta­bi­li­tät jen­seits des Gr­a­bens. Auf dem Weg da­hin müs­sen sich die For­scher zwi­schen den teil­wei­se wa­cke­li­gen Fel­sen und den Baum­stäm­men hin­durch­schlän­geln. Im­mer wie­der tun sich Klüf­te auf. Ein Gut­ach­ter, be­rich­tet Häus­ler, ha­be sich hier oben zwei­mal das Bein ge­bro­chen. Be­son­ders tü­ckisch sind Ris­se, die sich un­sicht­bar un­ter dem Tep­pich aus Moos und klei­nen Stau­den ge­öff­net ha­ben. Im­mer wie­der deu­tet ein leich­tes Fe­dern des Bo­dens an, dass sich un­ter dem Be­wuchs ein Hohl­raum be­fin­det und der dar­über ge­spann­te Tep­pich das Ge­wicht ei­nes Men­schen vi­el­leicht nicht zu tra­gen ver­mag. Ein oder zwei Schrit­te da­ne­ben fühlt sich der Bo­den meist so­li­der an.

Un­klar ist, wie ge­nau sich die In­sta­bi­li­tät mit dem Wet­ter und im Lau­fe der Jah­res­zei­ten ver­än­dert. Die­sen Som­mer je­den­falls wur­de der Berg­sturz we­gen der Tro­cken­heit stei­fer. Folg­lich stieg

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