Für die Op­fer und de­ren Fa­mi­li­en ein Hohn

Nad­ja Pa­s­te­ga über den Kin­der­schän­der Wil­li­am W., bei des­sen Fall sämt­li­che In­stan­zen ver­sagt ha­ben

SonntagsZeitung - - STANDPUNKTE - Nad­ja Pa­s­te­ga,

Wil­li­am W., sechs­fa­cher Kin­der­schän­der, wur­de er­neut ver­haf­tet. Ei­ne Un­ter­su­chung ist er­öff­net. Wie­der geht es um se­xu­el­le Hand­lun­gen mit ei­nem Kind, wie­der soll sich der 45-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Ko­lum­bia­ner an ei­nem wehr­lo­sen Op­fer ver­gan­gen ha­ben. Es wä­re be­reits das sieb­te Kind. Der Fall macht Op­fer und An­ge­hö­ri­ge fas­sungs­los. Und nicht nur sie. Es ist kaum zu glau­ben, dass ein se­xu­el­ler Se­ri­en­tä­ter wie Wil­li­am W. im­mer wie­der frei­kommt und nicht hin­ter Git­tern bleibt.

Im­mer wie­der warn­ten The­ra­peu­ten und fo­ren­si­sche Psych­ia­ter vor der Rück­fall­ge­fahr bei Wil­li­am W. Bei Se­xu­al­straf­tä­tern lie­ge die Rück­fall­quo­te ge­ne­rell bei rund 50 Pro­zent, zu­dem sei Pä­do­phi­lie schwie­rig zu the­ra­pie­ren. Kom­me ei­ne Per­sön­lich­keits­stö­rung hin­zu, wie bei Wil­li­am W., er­hö­he das die Rück­fall­ge­fahr zu­sätz­lich. Dass der mehr­fach vor­be­straf­te Sex­tä­ter den­noch auf frei­en Fuss kam, aus­ge­rüs­tet mit ei­ner elek­tro­ni­schen Fuss­fes­sel, die von den Be­hör­den als «eng­ma­schi­ge Über­wa­chung» an­ge­prie­sen wur­de, mu­tet ge­ra­de­zu na­iv an. Als ob so ein Trieb­tä­ter ge­stoppt wer­den könn­te.

Der Se­ri­en­ver­ge­wal­ti­ger Mar­kus W. über­fiel zwei wei­te­re Frau­en, nach­dem man ihn mit ei­ner Fuss­fes­sel aus der ge­schlos­se­nen An­stalt ent­las­sen hat­te. Der Mör­der von Pfar­rers­toch­ter Ma­rie trug ei­ne Fuss­fes­sel, als er die 19-Jäh­ri­ge in ei­nem Wald­stück bei Châ­ton­naye FR er­dros­sel­te. Bei Fuss­fes­sel­trä­ger Wil­li­am W. er­mit­telt nun die Staats­an­walt­schaft we­gen se­xu­el­ler Hand­lun­gen mit ei­nem acht­jäh­ri­gen Bu­ben.

Der Fall von Wil­li­am W. zeugt nicht nur von ge­fähr­li­cher Nai­vi­tät, son­dern auch von Jus­tiz­ver­sa­gen. 1999 wur­de Wil­li­am W. ein ers­tes Mal ver­ur­teilt. Er hat­te fünf Kin­der miss­braucht. Sein jüngs­tes Op­fer war im Vor­schul­al­ter. W. kam glimpf­lich da­von: mit ei­ner be­ding­ten Frei­heits­stra­fe von 18 Mo­na­ten. Zu­dem wur­de ei­ne am­bu­lan­te The­ra­pie an­ge­ord­net. Die­se er­wies sich als kaum durch­führ­bar, weil W. je­de Ko­ope­ra­ti­on ver­wei­ger­te.

2006 schlug er er­neut zu. In ei­ner Bau­ba­ra­cke in Starr­kirch-wil SO miss­brauch­te er die da­mals acht­jäh­ri­ge Se­li­na schwer. Das Ge­richt

«Er ver­wei­ger­te re­ni­tent je­de The­ra­pie. Da­für wur­de er so­gar be­lohnt – mit 52 000 Fran­ken»

ver­ur­teil­te ihn we­gen ver­such­ter Ver­ge­wal­ti­gung, se­xu­el­ler Hand­lun­gen mit ei­nem Kind und se­xu­el­ler Nö­ti­gung zu ei­ner fünf­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe. Dies­mal wur­de ei­ne sta­tio­nä­re The­ra­pie in ei­ner ge­schlos­se­nen An­stalt an­ge­ord­net. Und wie­der narr­te Wil­li­am W. die Jus­tiz. Er ver­wei­ger­te re­ni­tent je­de The­ra­pie. Da­für wur­de er so­gar be­lohnt: Laut Straf­ge­setz muss ei­ne Mass­nah­me ab­ge­bro­chen wer­den, wenn sie aus­sichts­los ist – statt­des­sen hät­ten die Be­hör­den die Ver­wah­rung be­an­tra­gen müs­sen, was un­ter­blieb. W. kam En­de 2016 auf frei­en Fuss – und be­kam vom Staat so­gar ei­ne Ent­schä­di­gung von 52 000 Fran­ken.

Den an­ge­setz­ten Pro­zess für ei­ne nach­träg­li­che Ver­wah­rung hat die So­lo­thur­ner Staats­an­walt­schaft vor über ei­nem Jahr aus­ge­setzt. W. sei «kein Kern­pä­do­phi­ler». Jetzt ist die Staats­an­walt­schaft wie­der mal am Er­mit­teln, und Wil­li­am W. sitzt wie­der in U-haft. Für das mut­mass­li­che acht­jäh­ri­ge Op­fer und des­sen Fa­mi­lie ein Hohn.

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