Die Schweiz re­vo­lu­tio­nier­te das Bild von HIV und Aids

SonntagsZeitung - - AIDS -

1981 Ers­te Aids­fäl­le Als ka­li­for­ni­sche Ärz­te 1981 ers­te Aids­fäl­le mel­de­ten, wuss­ten sie noch nicht, wo­mit sie es zu tun hat­ten. Die Ärz­te muss­ten zu­se­hen, wie die kör­per­ei­ge­nen Ab­wehr­sys­te­me der Pa­ti­en­ten zer­stört wur­den. Die In­fi­zier­ten star­ben we­gen harm­lo­ser Krank­hei­ten und Tu­mo­ren. Das Phä­no­men be­traf vor al­lem ho­mo­se­xu­el­le Män­ner. Des­halb glaub­ten die Wis­sen­schaft­ler, bei der Krank­heit hand­le es sich um ein Schwu­len­ und Fi­xer­pro­blem – in der Pres­se zir­ku­lier­te das Wort «Schwu­len­seu­che». 1983 Vi­rus ent­deckt For­scher fan­den das Hi-vi­rus im Jahr 1983 – und der Na­me «Hu­ma­nes Im­mun­schwä­che­vi­rus» eta­blier­te sich. Die Angst und Hys­te­rie hielt der­weil an. Es gab neue Fäl­le von Blu­tern, die das Vi­rus über Kon­ser­ven er­hal­ten hat­ten. Plötz­lich fühl­te sich nie­mand mehr si­cher. Der da­ma­li­ge Ge­ne­ral­se­kre­tär der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on sag­te: «Wir ste­hen nackt ei­ner sehr ge­fähr­li­chen Seu­che ge­gen­über. Ich ken­ne kei­nen grös­se­ren Kil­ler als Aids.»

1987 Ei­ne Kam­pa­gne schlägt ein

Das Bund setz­te im Kampf ge­gen Aids auf Auf­klä­rung. 1987 star­te­te er die ers­te Kam­pa­gne. Herz­stück war der Schrift­zug «Stop Aids» – mit ei­nem ro­sa­ro­ten Pa­ri­ser als Buch­sta­ben O. Die Kam­pa­gne war ein vol­ler Er­folg. An­de­re Län­der setz­ten der­weil auf die bis­lang be­währ­ten Mit­tel in der Seu­chen­be­kämp­fung. Schwe­den und Ku­ba rich­te­ten In­ter­nie­rungs­la­ger ein, um be­trof­fe­ne Pa­ti­en­ten zu iso­lie­ren. Und in Deutsch­land dis­ku­tier­ten Me­di­zin­pro­fes­so­ren dar­über, In­fi­zier­te im In­tim­be­reich zu tä­to­wie­ren – das Mal soll­te beim Ge­schlechts­ver­kehr sicht­bar sein und all­fäl­li­ge Se­xu­al­part­ner war­nen. Die Schweiz hielt je­doch an der Auf­klä­rung mit­tels Kam­pa­gnen fest. Im­mer wie­der sorg­ten die­se denn auch für Auf­se­hen. In Er­in­ne­rung ge­blie­ben ist der Slo­gan «Oh­ne Dings kein Bums» von 1997.

1991 Fred­die Mer­cu­ry stirbt an Aids

Er war ein Me­gastar der Mu­sik­sze­ne – und er hielt sei­ne Krank­heit lan­ge ge­heim: Queen­front­mann Fred­die Mer­cu­ry. En­de der 80er­jah­re zog er sich in sei­ne 24­Zim­mer­lu­xus­vil­la in Lon­don zu­rück, ver­liess das Haus, ab­ge­ma­gert, nur noch für Arzt­be­su­che. Die Pres­se spe­ku­lier­te – doch erst am 23. No­vem­ber 1991 schaff­te er Klar­heit und in­for­mier­te die Öf­fent­lich­keit über sei­ne Aids­er­kran­kung. «Die Zeit ist jetzt für mei­ne Freun­de und Fans in al­ler Welt ge­kom­men, um die Wahr­heit zu wis­sen», hiess es dar­in. Tags dar­auf fiel Mer­cu­ry ins Ko­ma – er starb 45­jäh­rig in sei­nem Haus in Lon­don. Der Film «Bo­he­mi­an Rh­ap­so­dy» er­zählt sei­ne Ge­schich­te – er läuft der­zeit in den Ki­nos.

2008 Pro­test­sturm ent­facht

Im Jahr 2008 pu­bli­zier­te die Eid­ge­nös­si­sche Kom­mis­si­on für Aids­fra­gen ein Pa­pier, in dem Schwei­zer Wis­sen­schaft­ler fest­hiel­ten: Wenn ei­ne Hiv­in­fi­zier­te Per­son ei­ne an­ti­re­tro­vi­ra­le The­ra­pie macht und da­durch die Vi­ren­last un­ter die Nach­weis­gren­ze sinkt, ist die­se Per­son nicht mehr in­fek­ti­ös. Über Se­xu­al­kon­tak­te kann sie das Vi­rus al­so nicht mehr wei­ter­ge­ben. Das Pa­pier, spä­ter be­kannt als «Swiss State­ment», war zu­nächst in der Fach­welt hef­tig um­strit­ten. Heu­te sind die Er­kennt­nis­se welt­weit an­er­kannt.

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