Ju-air-pi­lo­ten müs­sen Kur­se ab­sol­vie­ren

Das Bun­des­amt für Zi­vil­luft­fahrt stellt die Be­triebs­be­wil­li­gung der Ju-air in­fra­ge. Es ver­langt ein stren­ge­res War­tungs­pro­gramm

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Pia Wert­hei­mer

Bern Nächs­ten Früh­ling will Juair-chef Kurt Wald­mei­er mit sei­nen Flie­gern wie­der ab­he­ben. Ob es so weit kom­men wird, ist al­ler­dings frag­lich. Das Bun­des­amt für Zi­vil­luft­fahrt will, dass die Ju-pi­lo­ten zu­vor ei­nen Auf­fri­schungs­kurs ab­sol­vie­ren. Die Old­ti­mer sol­len zu­dem künf­tig je­des Jahr statt nur al­le zwei Jah­re auf ih­re Luft­tüch­tig­keit über­prüft wer­den. Wie sich die von der Un­ter­su­chung ent­deck­ten Schä­den und der Ab­sturz auf die Flug­be­wil­li­gung aus­wir­ken, ist un­ge­wiss.

Düben­dorf Ju-air-chef Kurt Wald­mei­er ist wild ent­schlos­sen: Sei­ne Ju-52 sol­len im kom­men­den Früh­ling wie­der Pas­sa­gie­re mit in die Luft neh­men. Doch da­hin­ter stellt das Bun­des­amt für Zi­vil­luft­fahrt (Bazl) ein Fra­ge­zei­chen. Die Auf­sichts­be­hör­de stellt der Ju-air – wie 20 an­de­ren Air­lines in der Schweiz – das Luft­ver­kehrs­be­trei­ber­zeug­nis aus und lässt ih­ren Be­trieb zu. Wie sich der Ab­sturz ei­ner Ju im Au­gust und die jüngs­ten Er­kennt­nis­se der Schwei­ze­ri­schen Si­cher­heits­un­ter­su­chungs­stel­le (Sust) dar­auf aus­wir­ken, ist of­fen: «Die­se Fra­ge kön­nen wir noch nicht be­ant­wor­ten», sagt Bazl-spre­cher Urs Hol­de­reg­ger.

Die Ex­per­ten der Sust ha­ben am Wrack der Ju-52, die am Piz Seg­nas zer­schell­te, Al­ters­er­schei­nun­gen kon­sta­tiert, die be­reits vor dem Crash vor­han­den wa­ren. Zwar hat­ten die Ris­se, der Rost und die Al­ters­schä­den an Treib­stoff­schläu­chen nicht zum Un­glück ge­führt, sie lies­sen aber Zwei­fel an der War­tung der Ma­schi­nen der Ju-air auf­kom­men. Das Bazl er­teil­te des­halb den bei­den üb­rig ge­blie­be­nen Ma­schi­nen der Ju-air nicht nur ein so­for­ti­ges Flug­ver­bot. Es hat auch an­ge­kün­digt, die Kon­trol­len der Old­ti­mer künf­tig zu ver­dop­peln: Sie wer­den in Zu­kunft je­des Jahr auf ih­re Luft­tüch­tig­keit über­prüft und nicht mehr wie bis­her al­le zwei Jah­re.

Laut Hol­de­reg­ger müs­se die Juair aber erst ein­mal nach­wei­sen, dass ih­re bei­den in der Schweiz zu­ge­las­se­nen Ma­schi­nen nicht die­sel­ben Schä­den auf­wei­sen wie die Un­glücks­ma­schi­ne. Und falls doch, dass sie die­se be­ho­ben hat. «Wir wer­den uns die Ma­schi­nen an­schau­en und de­ren Zu­stand mit­tels In­spek­tio­nen über­prü­fen.»

Zu­dem schickt das Bazl die Pi­lo­ten der Ju-air in Auf­fri­schungs­kur­se, erst da­nach dür­fen sie ih­re «Tan­te Ju» wie­der flie­gen. Da­bei ste­hen un­ter an­de­rem Sicht­flü­ge im 2-Mann-cock­pit so­wie der Be­trieb mit zwei Ka­pi­tä­nen im Fo­kus so­wie die da­zu­ge­hö­ren­de Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ko­ope­ra­ti­on, die si­tua­ti­ve Auf­merk­sam­keit, aber auch die Ent­schei­dungs­fin­dung der Cr­ew.

Der Zwi­schen­be­richt der Sust hat aber auch ein Ri­si­ko in den Fo­kus ge­rückt, das schlei­chend ent­steht und mit je­dem Jahr wächst: die Al­ters­schwä­che von Flug­zeu­gen. Das ha­ben die in­ter­na­tio­na­len Luft­fahrt­be­hör­den be­reits um die Jahr­tau­send­wen­de er­kannt. So ging et­wa das aus­tra­li­sche Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um in ei­ner Stu­die der Fra­ge nach: «Wie alt ist zu alt?» Es kam zum Schluss: Sind sie nicht ge­wis­sen­haft ge­war­tet, stel­len die in die Jah­re ge­ra­te­nen Ma­schi­nen ein Si­cher­heits­ri­si­ko dar, und ord­ne­te vor mehr als zehn Jah­ren an­ge­pass­te In­stand­hal­tungs­ver­fah­ren an. Seit 2011 ent­wi­ckelt auch das Bazl ein «Aging Air­craft Pro­gram». Ein be­son­de­res Au­gen­merk gilt da­bei klas­si­schen Old­ti­mern wie der Ju52, weil de­ren Her­stel­ler­be­trie­be nicht mehr exis­tie­ren. Bei jün­ge­ren Flie­gern stel­len die­se si­cher, dass In­spek­ti­ons­ab­läu­fe ge­währ­leis­tet sind und re­gel­mäs­sig Män­gel aus­ge­merzt wer­den. Im Fall von Old­ti­mern sol­len dies in der Schweiz künf­tig spe­zi­fi­sche Son­der­kon­troll­pro­gram­me si­cher­stel­len – aus­ge­ar­bei­tet von den je­wei­li­gen Be­trei­bern, ab­ge­seg­net durch das Bun­des­amt. «Ziel ist, ge­si­cher­te Er­kennt­nis­se dar­über zu er­hal­ten, ob und un­ter wel­chen Be­din­gun­gen his­to­ri­sche Flug­zeu­ge wei­ter be­trie­ben wer­den kön­nen», sagt Bazl-spre­cher Hol­de­reg­ger. Die Be­trei­ber müss­ten nach­wei­sen, dass sie die Son­der­kon­troll­pro­gram­me durch­ge­führt ha­ben. «Was wir mit­tels In­spek­tio­nen über­prü­fen.»

Son­der­pro­gramm der Ab­sturz­ma­schi­ne war in Ar­beit

Bei der Ju-air in Düben­dorf be­schäf­tig­te man sich seit 2016 da­mit. Wie es beim Bazl heisst, wur­de für die am Piz Seg­nas ab­ge­stürz­te Ma­schi­ne schon vor dem Un­glück ein Son­der­kon­troll­pro­gramm auf­ge­gleist. «Die­ses war zur Zeit des Un­falls noch in Be­ar­bei­tung bei Ju-air», sagt Hol­de­reg­ger. Das Bazl ver­langt nun von den Ver­ant­wort­li­chen, dass sie ein ent­spre­chen­des Pro­gramm noch die­sen Win­ter vor­le­gen.

Fo­to: Keysto­ne

Bleibt vor­erst am Bo­den: Ei­ne der zwei Ma­schi­nen der Ju-air

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