Ris­se in ei­ner Bil­der­buch­kar­rie­re

Die Rol­le des St­ar­chir­urgs Max Ae­bi im Im­plan­ta­teskan­dal gibt Rät­sel auf

SonntagsZeitung - - IMPLANT FILES - Barna­by Skin­ner, Ca­the­ri­ne Boss

Ob­wohl die Pro­the­sen­tests an Af­fen nicht gut ge­lau­fen wa­ren, be­fand der Ber­ner Chir­urg Max Ae­bi, Tests am Men­schen sei­en ethisch ver­tret­bar. Das Re­cher­che­desk von Ta­me­dia hat im Rah­men der Im­plant Fi­les An­fang Wo­che über den Fall be­rich­tet.

Ae­bi ist in der Bran­che nicht ir­gend­wer, son­dern Zieh­sohn des bes­ten Or­tho­pä­den, den die Schweiz je hat­te: des im Jahr 2009 ver­stor­be­nen Mau­rice E. Mül­ler. Im Jahr 1958 grün­de­te Mül­ler in ei­nem Da­vo­ser Ho­tel die Ar­beits­ge­mein­schaft für Os­teo­syn­the­se­fra­gen. De­ren Ar­bei­ten prä­gen die Or­tho­pä­die bis heu­te.

Ae­bi lern­te Mül­ler als 19-Jäh­ri­ger in Bern ken­nen. Der Mann mach­te ihm Ein­druck. Im Jahr 1975 schloss Ae­bi sein ei­ge­nes Me­di­zin­stu­di­um ab. Seit­her hat er un­ter an­de­rem die ers­te or­tho­pä­di­sche Ab­tei­lung im Ber­ner Hirs­lan­den-sa­lem-spi­tal mit auf­ge­baut. Das­sel­be tat er nach dem Erd­be­ben 2006 in Is­la­ma­bad, Pa­kis­tan, oder in Ka­na­da an der Mcgill Uni­ver­si­ty.

Rechts­streit zwi­schen der Uni Bern und Syn­thes

Ne­ben­bei heims­te Ae­bi rei­hen­wei­se För­der­gel­der ein. Sei­nem 132-sei­ti­gen (!) Le­bens­lauf sind 43 Pro­jek­te zu ent­neh­men, die mit Be­trä­gen von to­tal 4,6 Mil­lio­nen Fran­ken fi­nan­ziert sind. Die meis­ten mit Schwei­zer Staats­gel­dern. Ei­ne von Ae­bis gröss­ten Er­run­gen­schaf­ten ist die Mit­ar­beit am Schwei­ze­ri­schen Im­plan­tat-re­gis­ter (Si­ris). Rund 90 Pro­zent al­ler Hüft- und Knie-pro­the­sen, die seit 2012 ope­riert wur­den, sind dar­in auf­ge­führt. So kann die Qua­li­tät von Spi­tä­lern und Im­plan­ta­ten kon­trol­liert wer­den. Ae­bi ist Prä­si­dent des Stif­tungs­rats.

And­reas Misch­ler, Ge­schäfts­füh­rer von Si­ris, sagt: «Max Ae­bi hat im­mer für ei­ne bes­se­re Kon­trol­le von Pro­the­sen ge­kämpft.» War­um Ae­bi trotz un­ge­nü­gen­den Af­fen­tests die Band­schei­ben­pro­the­sen am Men­schen gut­hiess? Es bleibt schwer nach­zu­voll­zie­hen.

Tat­säch­lich aber gibt es ei­nen wei­te­ren Riss in der Bil­der­buch­kar­rie­re des St­ar­chir­ur­gen. Im Jahr 2005 brach zwi­schen der Uni­ver­si­tät und der Fir­ma Syn­thes ein Rechts­streit aus. Syn­thes ist der Mil­li­ar­den­kon­zern des Ber­ner Un­ter­neh­mers Hans­jörg Wyss. Es ging um Tech­no­lo­gie-pa­ten­te, die teils von der Uni­ver­si­tät be­an­sprucht wur­den.

Im Jahr 2012 wies das St. Gal­ler Pa­tent­ge­richt die Be­schwer­de der Hoch­schu­le ab. Mit ein Grund für den Ent­scheid war ein Do­ku­ment, das oh­ne Wis­sen der Uni­ver­si­tät von Max Ae­bi un­ter­zeich­net wor­den war. Das Pa­pier be­stä­tig­te, dass al­le Rech­te im Be­sitz der Fir­ma Syn­thes sei­en. Die Uni­ver­si­tät ging leer aus.

Zieh­sohn des bes­ten Or­tho­pä­den: Chir­urg Max Ae­bi

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