«Die elek­tri­sche Gi­tar­re ist der Töff»

SonntagsZeitung - - KULTUR - Be­ne­dikt Sar­t­ori­us

Leo Leo­ni, Sie lie­ben die elek­tri­sche Gi­tar­re, den Hard­rock. War­um ent­schie­den Sie sich dann, wie­der ei­ne akus­ti­sche Gott­hard-plat­te zu ver­öf­fent­li­chen?

Ich ha­be ja nun auch noch ei­ne an­de­re Band – Co­re­leo­ni –, mit der ich laut spie­len kann. Und mit Gott­hard fühlt es sich rich­tig an, 21 Jah­re nach «D-frosted» ein zwei­tes akus­ti­sches Al­bum zu ver­öf­fent­li­chen.

War­um?

Wir plan­ten ei­gent­lich be­reits 2010, ei­ne «D-frosted»-fort­set­zung zu ma­chen. Aber dann ging Ste­ve in die Fe­ri­en – und kam nie zu­rück. Mitt­ler­wei­le ha­ben wir be­reits drei Al­ben mit Nic Ma­eder am Mi­kro­fon ver­öf­fent­licht, von dem her ha­ben wir nun auch ge­nü­gend neue Songs, die wir akus­tisch ar­ran­gie­ren konn­ten.

«D-frosted» war da­mals Ihr gröss­ter Er­folg. Sie wirk­ten aber in je­ner Pha­se frus­triert, wie im Film «Gott­hard – One Li­fe, One Soul» zu se­hen ist. wur­de zu je­ner Zeit ei­ne Poprock­band. Was ist an­ders, wenn Sie akus­ti­sche Gi­tar­re spie­len?

Die elek­tri­sche Gi­tar­re ist der Töff, die akus­ti­sche ein Ve­lo, et­wa so. Kurz, es ist al­les an­ders – die Ar­ran­ge­ments, die Art zu spie­len –, aber ich lie­be auch das Spiel mit der akus­ti­schen Gi­tar­re.

Sie sind der­zeit mit Co­re­leo­ni auf Tour – mit der sie die här­te­ren Songs der ers­ten drei Gott­hard-plat­ten spie­len. Gleich­zei­tig ver­öf­fent­li­chen Sie «De­frosted 2». Wie geht das zu­sam­men?

Es sind ei­gent­lich «the good and the bad», oder bes­ser: bei­de Sei­ten von mir. Co­re­leo­ni ist «old school», Gott­hard ist mei­ne Haupt­band, mein Le­bens­werk.

Das Akus­ti­sche ist «bad»?

Nein, nein, bei­de mei­ner Sei­ten sind gut. Bei­des kommt von Her­zen. Aber vi­el­leicht ist es eher wie die Fra­ge von frü­her: Gehst du die Beat­les schau­en? Oder die Rol­ling Sto­nes? Na­tür­lich sind Laut­stär­ke und Lärm auch Schil­der, mit de­nen sich die Mu­si­ker schüt­zen kön­nen und hin­ter de­nen sie sich und ih­re Sen­si­bi­li­tä­ten ver­ste­cken. Kurt Co­bain war ein sol­cher Mu­si­ker, der mit sei­ner Band Nir­va­na den Rock mit Noi­se, Soun­des­ka­pa­den und mes­ser­schar­fen Songs noch­mals ent­grenz­te. Und phä­no­me­na­ler­wei­se auf die­se Art Mil­lio­nen von Plat­ten ver­kauf­te.

Nir­va­na woll­ten kei­ne Ge­müt­lich­keit si­mu­lie­ren

Wie sen­si­bel die­se Mu­sik aber ei­gent­lich war, wur­de der Welt erst of­fen­bar, als sie vor 25 Jah­ren ihr Mtv-un­plug­ged-kon­zert auf­zeich­ne­ten. An­ders als vie­le ih­rer Zeit­ge­nos­sen pump­ten Nir­va­na ih­re Hits nicht ein­fach zu akus­tisch ar­ran­gier­ten Po­wer­songs auf – sie spiel­ten in ih­rem Set zur Ver­zweif­lung der Sen­dungs­ver­ant­wort­li­chen ja auch fast kei­ne da­von: Ei­ne der lau­tes­ten Bands der Zeit woll­te trotz den akus­ti­schen In­stru­men­ten kei­ne Ge­müt­lich­keit, kei­ne La­ger­feu­er­mu­sik si­mu­lie­ren. Schon gar nicht Kurt Co­bain, der sich fünf Mo­na­te spä­ter er­schies­sen soll­te.

Die Mu­sik, die Nir­va­na an je­nem No­vem­be­r­a­bend in New York Ci­ty spiel­ten, war al­les: atem­rau­bend, auf­rüt­telnd, be­rüh­rend. Nur nicht lei­se.

Fo­to: Mar­tin Häus­ler

Leo Leo­ni (l.) mit Nic Ma­eder und Sta­tus-quo­le­gen­de Fran­cis Ros­si, der auf «De­frosted 2» als Gast zu hö­ren ist

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