Der Len­ker­hof kennt kei­nen Still­stand

Im laut Ei­gen­wer­bung «ju­gend­lichs­ten Lu­xus­ho­tel der Schweiz» geht der Chef mit gu­ter Lau­ne vor­an – und plant Grosses

SonntagsZeitung - - WINTER - Chris­toph Am­mann

Die Kund­schaft auf der Ter­ras­se im Re­stau­rant mit dem Zun­gen­bre­cher­na­men «Oh de Vie» freut sich über die gu­te Spät­herbst­lau­ne der Gast­ge­ber: Die Len­ker­hof-cr­ew hat sich zum Fo­to­ter­min ver­sam­melt. Grup­pen­bild mit über hun­dert An­ge­stell­ten. Man scherzt und lacht, und nach ei­ner hal­ben St­un­de räumt der Fo­to­graf sein Equip­ment zu­frie­den ab.

Jan Stil­ler löst sich aus dem Pulk und sagt: «Es be­rei­tet Spass, mit die­sen Leu­ten zu ar­bei­ten und die­ses Ho­tel zu lei­ten.» Stil­ler, 40 Jah­re alt, steckt mit sei­ner fast bu­ben­haf­ten Be­geis­te­rung an, und man glaubt ihm, wenn er rhe­to­risch fragt: «Wel­cher Ge­ne­ral Ma­na­ger in der Schwei­zer Lu­xus­ho­tel­le­rie hat schon die Chan­ce, ein Haus nach sei­nem Gus­to zu füh­ren?» Der ge­bür­ti­ge Len­ker kehr­te 2010 mit Part­ne­rin Hei­ke Schmidt aus dem Un­ter­land ins Simm­en­tal zu­rück. Er hat das Pro­fil der ein­zi­gen No­bel­her­ber­ge weit und breit noch­mals ge­schärft. Das Len­ker­hof Gourmet Spa Re­sort po­si­tio­niert sich als «ju­gend­lichs­tes Fünf­stern­su­pe­ri­or-ho­tel der Schweiz».

Die Ge­schich­te des Ho­tels geht auf das 17. Jahr­hun­dert zu­rück. Bis in die 90er-jah­re fris­te­te es das un­schein­ba­re Da­sein ei­nes Kur­hau­ses mit ei­ge­nem Heil­was­ser, be­vor das An­we­sen bei der Tal­sta­ti­on der Be­tel­berg­bahn 2001 vom Ber­ner Un­ter­neh­mer Jürg Opp­recht und Voll­blut­ho­te­lier Phil­ip­pe Fru­ti­ger (heu­te Gi­ar­di­no Group) dem Dorn­rös­chen­schlaf ent­ris­sen wur­de.

Von aus­sen ist der Len­ker­hof im­mer noch kei­ne Be­au­ty, aber im In­nern birgt er ne­ben zau­ber­haf­ten Zim­mern und Sui­ten ei­ne über 2000 Qua­drat­me­ter gros­se Well­ness­zo­ne mit Schwe­fel­grot­te und Frau­en­dampf­bad.

Zu­dem hat «Gault Mil­lau» die bei­den Re­stau­rants ge­adelt – das Spetta­co­lo mit 16, das «Oh de Vie» neu mit 13 Punk­ten. Im To­plo­kal be­rei­tet die Mann­schaft des jun­gen Kü­chen­chefs Ste­fan Lün­se pro Abend 16 Ge­rich­te zu, die sich kom­bi­nie­ren und ku­mu­lie­ren las­sen. «Auch die Be­völ­ke­rung im Tal ist stolz auf un­se­re bei­den Gour­met­tem­pel», glaubt Jan Stil­ler. Der Ho­te­lier wan­delt das Haus nicht nur sanft zum Ganz­jah­res­ziel um («Ok­to­ber und No­vem­ber sind für uns sehr gu­te Mo­na­te»), Stil­ler holt auch neue Kun­den­seg­men­te an die Lenk: «Wir be­grüs­sen im­mer mehr Ro­man­ds.»

Die Ak­qui­si­ti­on jen­seits des Rös­ti­gra­bens zei­tigt un­ge­ahn­te Fol­gen. «Un­se­re Kü­che muss­te ler­nen, die Gar­stu­fen an­ders zu in­ter­pre­tie­ren», plau­dert der Len­ker­hof-boss aus dem Näh­käst­chen. «Wenn ein wel­scher Gast das Fleisch me­di­um be­stellt, so meint er sai­gnant, und sai­gnant heisst für ihn bleu.» Aber auch die Wein­de­gus­ta­ti­on, die im Len­ker­hof täg­lich um 18 Uhr an­steht, wird von den Ro­man­ds eif­rig fre­quen­tiert.

Mit der fran­ko­fo­nen Le­bens­art freun­det er sich ge­ra­de an. Der Ber­ner Ober­län­der ist näm­lich seit April Chef der Schwei­zer De­le­ga­ti­on von Re­lais & Châ­teaux. Er pflegt ei­nen en­gen Kon­takt zur Zen­tra­le in Pa­ris, nimmt häu­fig an glo­ba­len Te­le­fon­kon­fe­ren­zen teil und flog kürz­lich nach Ka­na­da zum Jah­res­mee­ting der re­nom­mier­ten Ho­tel­ver­ei­ni­gung.

In Pla­nung sind De­pen­dan­cen mit 17 Ap­par­te­ments

Der hel­ve­ti­sche Vor­mann möch­te wei­te­re in­di­vi­du­ell ge­führ­te Ho­tels und ge­ho­be­ne Gastro­be­trie­be zu Re­lais & Châ­teaux ho­len und die weis­sen Fle­cken auf der na­tio­na­len Kar­te aus­ra­die­ren. Der Len­ker­hof mit 80 Zim­mern und Sui­ten ist der zweit­gröss­te Be­trieb der 26 Mit­glie­der zäh­len­den Schwei­zer Re­lais-&-châ­teaux-rie­ge. Al­le pro­fi­tie­ren vom in­ter­na­tio­na­len Netz­werk und dem gu­ten Ruf der Ver­ei­ni­gung, be­son­ders in Über­see und Frank­reich. «Dank Schwei­zer Gäs­ten bleibt der zwei­te Teil der Wo­che im Len­ker­hof zwar stark ge­bucht», räumt Jan Stil­ler ein, «zwi­schen Sonn­tag und Mitt­woch wür­den wir die frei­en Bet­ten aber gern mit zu­sätz­li­cher in­ter­na­tio­na­ler Kund­schaft fül­len.»

Still­stand gibt es nicht. Am 1. April schliesst das Lu­xus­ho­tel für ei­ni­ge Wo­chen. Dann wer­den wei­te­re Zim­mer re­no­viert, und Ar­bei­ten hin­ter den Ku­lis­sen ste­hen an. «Wir müs­sen die Be­triebs­ab­läu­fe wei­ter op­ti­mie­ren», sagt der Chef. Bei­spiel: Das al­te Ga­ra­gen­tor schliesst und öff­net sich sehr lang­sam. «Zählt man die Zeit zu­sam­men, in der Ho­tel­mit­ar­bei­ter vor der Pfor­te ta­ten­los war­ten, kommt man über die Jah­re hin­weg auf ei­ne un­glaub­li­che St­un­den­zahl», nennt Stil­ler ein Bei­spiel fürs Spar­po­ten­zi­al. Wenn al­les funk­tio­niert, star­tet mit­tel­fris­tig die Ex­pan­si­on des Len­ker­hofs: In Pla­nung sind et­wa drei Dé­pen­dan­cen mit 17 Ser­viced Ap­par­te­ments, die an Pri­va­te ver­kauft wer­den. Und nach ei­ner Er­wei­te­rung um 1500 Qua­drat­me­ter soll der «7 Sour­ces Spa» de­fi­ni­tiv in die Top­li­ga der Well­nes­s­oa­sen auf­stei­gen.

Hei­ke Schmidt und Jan Stil­ler wer­den die neue Ent­wick­lung steu­ern und be­glei­ten. «Als wir an der Lenk be­gan­nen, dach­ten wir, fünf Jah­re zu blei­ben», schmun­zelt Stil­ler. «Jetzt ist ein En­de noch lan­ge nicht ab­zu­se­hen.»

Über 2000 Qua­drat­me­ter gros­se Well­ness­zo­ne im ehe­ma­li­gen Kur­haus: Der Len­ker­hof ge­hört mit sei­nen bei­den Gour­met­re­stau­rants und der per­fek­ten In­fra­struk­tur zu den bes­ten Fünf­stern-win­ter­ho­tels der Schweiz

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