Ei­ne ver­ges­se­ne Hoch­kul­tur

SonntagsZeitung - - WISSEN -

Die Him­mels­schei­be von Ne­bra lag Jahr­tau­sen­de im Bo­den, bis Raub­grä­ber sie im Jahr 1999 na­he der Stadt Ne­bra im Os­ten Deutsch­lands fan­den. In ei­ner aben­teu­er­li­chen Ak­ti­on ge­lang es dem Archäo­lo­gen Ha­rald Mel­ler, die Schei­be 2002 an sich zu brin­gen. Seit­her er­forscht er das rät­sel­haf­te Ob­jekt und prä­sen­tiert sei­ne Er­geb­nis­se jetzt in ei­nem gut zu le­sen­den Buch, das sich an ein brei­tes Pu­bli­kum wen­det. Die Him­mels­schei­be ist rund

3800 Jah­re alt und stammt von ei­ner kaum be­kann­ten Kul­tur: Die Men­schen der früh­bron­ze­zeit­li­chen Aun­je­tit­zer-kul­tur leb­ten in Mit­tel­deutsch­land und be­schäf­tig­ten sich, wie die Schei­be aus Bron­ze und Gold zeigt, be­reits mit Astronomie. Mel­ler und der Jour­na­list

Kai Mi­chel fas­sen im Buch nicht nur die In­ter­pre­ta­tio­nen zur

Be­deu­tung der Schei­be zu­sam­men, son­dern ma­chen die Le­ser mit ei­ner Epo­che der mit­tel­eu­ro­päi­schen Ge­schich­te ver­traut, die, weil schrift­li­che Qu­el­len feh­len, bis­her we­nig Be­ach­tung fand. Im ers­ten Teil er­zählt das Duo von der spek­ta­ku­lä­ren Ret­tung der Him­mels­schei­be. Interessanter noch ist der zwei­te Teil, in dem die Au­to­ren ei­nen Blick in das drit­te Jahr­tau­send vor Chris­tus wer­fen. Ei­ni­ges ist da­bei Spe­ku­la­ti­on, weil die Da­ten­la­ge dünn ist, span­nend zu le­sen ist es trotz­dem.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.