An­klä­ger: Trump ord­ne­te il­le­ga­le Zah­lun­gen an

Staats­an­wäl­te und Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler be­las­ten den Prä­si­den­ten so schwer wie noch nie

SonntagsZeitung - - INTERNATIONAL - Mar­tin Su­ter New York

Der 687. Tag von Do­nald Trumps Prä­si­dent­schaft könn­te in die Ge­schich­te ein­ge­hen. Am Frei­tag­nach­mit­tag Orts­zeit lan­de­ten drei Ge­richts­ein­ga­ben auf den Schreib­ti­schen der Us-haupt­stadt – mit ei­nem Knall, der lan­ge nach­hal­len wird: Dar­in brin­gen Bun­des­staats­an­wäl­te zum ers­ten Mal Prä­si­dent Do­nald Trump mit klar be­zeich­ne­ten Ver­bre­chen in Zu­sam­men­hang.

Die Do­ku­men­te sind drei Me­mo­ran­den zur Straf­zu­mes­sung von zwei Trump-ge­treu­en. Ein von Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler ver­fass­tes Me­mo­ran­dum be­zieht sich auf den eins­ti­gen Wahl­kampf­lei­ter Paul Ma­n­a­fort, 69, der sich im Sep­tem­ber schul­dig be­kann­te und mit den Staats­an­wäl­ten ein Ko­ope­ra­ti­ons­ab­kom­men ein­ging.

Zwei an­de­re Me­mo­ran­den be­tref­fen Trumps lang­jäh­ri­gen «Pro­blem­lö­ser» Micha­el Co­hen, 52, der sein Straf­mass kom­men­de Wo­che er­fah­ren wird. In ei­nem Do­ku­ment ver­weist Mu­el­ler dar­auf, dass Co­hen wie­der­holt über Rus­sen­kon­tak­te und ein Bau­pro­jekt in Mos­kau die Un­wahr­heit ge­sagt ha­be. Das an­de­re ist bri­san­ter: Dar­in zeich­nen Bun­des­staats­an­wäl­te in New York nach, dass Co­hen bei Ver­stös­sen ge­gen Ge­set­ze zur Wahl­kampf­fi­nan­zie­rung nach Trumps An­lei­tung ge­han­delt ha­be.

Ex­per­ten hal­ten ei­ne Amts­ent­he­bung für mög­lich

«Ent­las­tet den Prä­si­den­ten to­tal. Dan­ke!», twit­ter­te Trump noch am glei­chen Tag. Pres­se­spre­che­rin Sa­rah San­ders dop­pel­te nach: «Der Co­hen-fall sagt uns nichts Wert­vol­les, das nicht schon be­kannt ist.»

Ex­per­ten be­ur­tei­len die Me­mo­ran­den völ­lig an­ders als das Weis­se Haus. «Die gros­se News heu­te ist nicht über Micha­el Co­hen, nicht über Paul Ma­n­a­fort, sie ist über ei­ne Per­son: Do­nald Trump», sagt der frü­he­ren Ge­ne­ral­an­walt Ne­al Ka­ty­al. «Zum ers­ten Mal sa­gen Bun­des­staats­an­wäl­te im We­sent­li­chen, Do­nald Trump ha­be ein Ver­bre­chen be­gan­gen.»

Ka­ty­als Sicht wird von kon­ser­va­ti­ven Fach­leu­ten ge­teilt, so vom Ko­lum­nis­ten Da­vid French, der die Ein­ga­ben als «omi­nös für Trump» be­zeich­net. Ja­mes De­an, An­walt des Weis­sen Hau­ses un­ter Richard Ni­xon, glaubt: «Das Re­prä­sen­tan­ten­haus wird nun kaum mehr die Wahl ha­ben und ein Im­peach­ment­ver­fah­ren ein­lei­ten.»

De­an weiss, wo­von er spricht. Ni­xon kam sei­ner an­ge­bahn­ten Ab­set­zung nur zu­vor, in­dem er 1974 zum Rück­tritt schritt. Ge­gen Bill Cl­in­ton wur­de das Im­peach­ment 1998 zwar vom Re­prä­sen­tan­ten­haus be­schlos­sen, doch im fol­gen­den Jahr vom Se­nat ver­wor­fen.

So­wohl Ni­xon wie Cl­in­ton be­hin­der­ten die Jus­tiz und dräng­ten an­de­re zu Fal­sch­aus­sa­gen. Ähn­li­ches scheint Mu­el­ler im Au­ge zu ha­ben. In sei­nem Co­hen­me­mo­ran­dum be­tont der Son­der­an­walt, Trumps «Fi­xer» ha­be sei­ne lü­gen­haf­ten Aus­sa­gen schrift­lich ge­macht und mit an­de­ren Re­gie­rungs­mit­glie­dern ab­ge­spro­chen. Das stellt die Fra­ge in den Raum: Hielt Trump Co­hen zum Lü­gen an?

Trump steht un­ter Druck – und er­setzt sei­nen St­abs­chef

Die New Yor­ker Staats­an­wäl­te ge­hen noch wei­ter. Ne­ben frü­he­ren Straf­ta­ten Co­hens be­trifft ihr Me­mo­ran­dum Schwei­ge­gel­der an zwei Frau­en, mit de­nen Trump Af­fä­ren hat­te. Um das Play­boy-mo­del Ka­ren Mac­dou­gal mund­tot zu ma­chen, ver­kauf­te Co­hen ih­re Rech­te im Som­mer des Wahl­jahrs an ei­nen Zeit­schrif­ten­ver­lag, der die Sto­ry in der Schub­la­de ver­schwin­den liess. Im Herbst zahl­te Co­hen der Por­no-darstel­le­rin Stor­my Da­ni­els 130 000 Dol­lar. «Bei bei­den Zah­lun­gen», be­haup­ten die An­klä­ger, «han­del­te Co­hen mit der Ab­sicht, die Prä­si­dent­schafts­wah­len von 2016 zu be­ein­flus­sen.» So in­ter­pre­tiert, stell­ten die Zah­lun­gen ei­nen kri­mi­nel­len Ge­set­zes­bruch dar. Ex­pli­zit fü­gen die Staats­an­wäl­te hin­zu: «Co­hen han­del­te un­ter Ab­spra­che mit und nach An­wei­sung vom In­di­vi­du­um 1», wie Trump in der Schrift ge­nannt wird.

An­geb­lich hat Co­hen sei­ne Un­ter­hal­tun­gen im Weis­sen Haus auf­ge­zeich­net. Trump könn­te es schwer­fal­len, ei­ne harm­lo­se­re Deu­tung der Zah­lun­gen glaub­haft zu ma­chen. So als wis­se er das, feu­er­te Trump am Frei­tag­mor­gen ei­ne Twit­ter-ti­ra­de ab und liess kom­men­de Per­so­nal­wech­sel in sei­ner Re­gie­rung durch­si­ckern. Ges­tern Sams­tag gab er schliess­lich be­kannt, dass St­abs­chef John Kel­ly zum Jah­res­wech­sel hin das Weis­se Haus ver­las­sen wer­de. Ein Nach­fol­ger soll be­reits mor­gen Mon­tag no­mi­niert wer­den.

Trumps Wahl­kampf­hel­fer Ro­ger Sto­ne glaubt, dass es dem Prä­si­den­ten däm­mert, dass die Mu­el­ler-un­ter­su­chung ent­ge­gen den Be­teue­run­gen sei­ner Ver­tei­di­ger nicht vor­bei­ge­hen wird. «Er hat end­lich her­aus­ge­fun­den, dass sie sich um ihn dreht.»

Fo­to: Du­kas

Der Prä­si­dent und sein ehe­ma­li­ger «Pro­blem­lö­ser»: Do­nald Trump 2011 mit An­walt Micha­el Co­hen (rechts)

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