Macht­kampf ent­schie­den – ers­ter Dämp­fer für neue CDU

Die frisch ge­wähl­te Par­tei­vor­sit­zen­de An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er steht vor gros­sen Her­aus­for­de­run­gen. Ihr Wunsch­kan­di­dat als Ge­ne­ral­se­kre­tär er­zielt schwa­ches Er­geb­nis

SonntagsZeitung - - INTERNATIONAL - Hans-jür­gen Mau­rus

Kaum ge­wählt, er­litt die neue Par­tei­vor­sit­zen­de der CDU An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er (AKK) in Ham­burg auf dem Bun­des­par­tei­tag ei­nen ers­ten Dämp­fer. Ihr Kan­di­dat für das Amt des Ge­ne­ral­se­kre­tärs, Paul Zie­mi­ak, er­hielt le­dig­lich 62,8 Pro­zent der Stim­men, ein aus­ge­spro­chen schwa­ches Er­geb­nis für den bis­he­ri­gen Chef der Jun­gen Uni­on. Ein wei­te­rer Be­weis da­für, wie tief ge­spal­ten die CDU auch nach der Rich­tungs­wahl vom Frei­tag ist und bleibt.

Ein bö­ses Ge­rücht mach­te die Run­de un­ter je­nen De­le­gier­ten, die nach der Nie­der­la­ge von Fried­rich Merz ge­gen AKK bit­ter ent­täuscht sind. Der 33-jäh­ri­ge Zie­mi­ak ha­be schon län­ger von dem Kar­rie­re­sprung ge­wusst und AKK bei der 2. Ab­stim­mungs­run­de am Frei­tag die ent­schei­den­den Stim­men aus dem Spahn-la­ger be­sorgt, mit de­nen sie schliess­lich ih­ren Ge­gen­kan­di­da­ten Fried­rich Merz be­sieg­te. Jens Spahn war als drit­ter Kan­di­dat be­reits in der ers­ten Run­de aus­ge­schie­den. Laut AKK sprach sie aber Zie­mi­ak erst nach ih­rem Wahl­sieg am Frei­tag­abend er­neut an, nach­dem er ihr vor der Wahl ei­nen Korb ge­ge­ben hat­te.

Die Wahl von Zie­mi­ak zielt auf ei­ne Ver­jün­gung der Par­tei ab, er soll laut AKK jün­ge­re Wäh­ler an­spre­chen und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mo­der­ner gestal­ten. Ei­gent­lich war Zie­mi­ak als Frie­dens­an­ge­bot für die Merz-an­hän­ger ge­dacht, doch das schlech­te Wah­l­er­geb­nis zeigt, wie gross das ge­gen­sei­ti­ge Miss­trau­en der bei­den La­ger in der Uni­on ist.

Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel hat ih­re Fa­vo­ri­tin durch­ge­bracht

AKK hat al­so ei­nen schwe­ren Start bei dem Ver­such, die Par­tei zu ei­nen. Ganz an­ders Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, die ih­re fa­vo­ri­sier­te Kan­di­da­tin durch­ge­bracht hat. Ge­gen Bun­des­tags­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­b­le, der sich vor der Ab­stim­mung für Fried­rich Merz aus­ge­spro­chen hat­te. Mer­kels Plan ist da­mit auf­ge­gan­gen, Schäu­b­le als Kö­nigs­ma­cher ge­schei­tert. Ver­lo­ren ha­ben auch je­ne, die ei­nen Wirt­schafts­und Fi­nanz­fach­mann und ei­nen Trans­at­lan­ti­ker wie Merz an der Spit­ze se­hen woll­ten.

Es ist müs­sig, zu spe­ku­lie­ren, wer wen hin­ter den Ku­lis­sen be­ar­bei­tet hat, wie vie­le Man­dats­trä­ger im Block ge­stimmt oder wel­che Seil­schaf­ten AKK den hauch­dün­nen Sieg be­schert ha­ben. Viel wich­ti­ger für die CDU wird es nun sein, dass sie «aus der Kom­fort­zo­ne her­aus» kommt, wie es AKK in ih­rer Be­wer­bungs­re­de for­mu­lier­te. Ri­va­le Merz hat­te in sei­ner An­spra­che die erns­te La­ge der Volks­par­tei klar um­ris­sen. Die SPD liegt ak­tu­ell bei Um­fra­gen un­ter 19 Pro­zent, die CDU un­ter 30 Pro­zent. Ei­ne Af D als gröss­te Op­po­si­ti­ons­par­tei sei ein «un­er­träg­li­cher Zu­stand», hat­te Merz ge­sagt.

Will die CDU punk­ten, muss sie ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Wäh­ler der AFD und der Grü­nen zu­rück­ho­len. Der ers­te Lack­mus­test ist im Mai 2019 mit der Eu­ro­pa­wahl, da­nach fol­gen im Herbst die drei Land­tags­wah­len in Bran­den­burg, Sach­sen und Thü­rin­gen. Kramp-kar­ren­bau­er muss al­so lie­fern, wenn sie als neue Cdu-vor­sit­zen­de er­folg­reich ge­nug sein will, um auch An­ge­la Mer­kel zu be­er­ben und Kanz­le­rin zu wer­den – und viel Zeit bleibt ihr da­für nicht. Da­für sind die Pro­ble­me des Lan­des zu gross. Die Ener­gie­wen­de wird teu­er, die In­fra­struk­tur ist sa­nie­rungs­be­dürf­tig, der di­gi­ta­le Aus­bau harzt, die Bun­des­wehr ist ma­ro­de – vor al­lem aber sind die Fol­gen der Flücht­lings­kri­se noch längst nicht ver­gan­gen.

Wie lan­ge hält der Pakt Mer­kels mit Kramp-kar­ren­bau­er?

Wenn AKK die Kanz­ler­schaft an­strebt, muss sie sich frü­her oder spä­ter von Mer­kel ab­set­zen, um Ei­gen­pro­fil zu ge­win­nen. Wie lan­ge der Pakt Mer­kelakk wirk­lich hält, hängt aber nicht zu­letzt von ex­ter­nen Fak­to­ren ab. Den Wah­l­er­geb­nis­sen 2019 und der Ent­schei­dung des Ko­ali­ti­ons­part­ners SPD, die in ei­ner ei­ge­nen Zer­reiss­pro­be steckt: Soll sie die Gros­se Ko­ali­ti­on fort­set­zen oder aus­stei­gen? Letz­te­res wür­de Neu­wah­len be­deu­ten – oh­ne An­ge­la Mer­kel.

Fo­to: Keystone

Spürt be­reits Ge­gen­wind: Die neue Cdu-che­fin An­ne­gret Kram­pkar­ren­bau­er

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