La Mon­tan­a­ra noch lau­ter

Am­bri be­stä­tigt mit dem 3:1 ge­gen Lu­ga­no die tem­po­rä­re Kan­tons­vor­herr­schaft

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY - Mar­co Kel­ler

Hät­te sie ei­ne See­le, sie hät­te spä­tes­tens jetzt mit­ge­ju­belt. Die Hin­ter­tor­ka­me­ra auf der Sei­te der Am­bri-kur­ve, sie, die es schon ver­schie­dent­lich nur der Schutz­vor­rich­tung zu ver­dan­ken hat­te, dass sie nicht aus den An­geln ge­ho­ben wurde. Sie konn­te nun im Takt mit­wip­pen, nach­dem Dominic Zwer­ger mit ei­nem So­lo 111 Se­kun­den vor Spie­len­de das al­les ent­schei­den­de 3:1 er­zielt hat­te. Dem Vor­arl­ber­ger war schon das ver­meint­li­che 2:1 an­nul­liert wor­den, es blieb letzt­lich oh­ne Kon­se­quen­zen. Und so er­tön­te die Mon­tan­a­ra noch et­was lau­ter als sonst. «Wun­der­bar, ein­fach wun­der­bar», kom­men­tier­te Am­bris Bryan Lerg. 20 Mi­nu­ten nach Spie­len­de hat­te noch kaum ein Fan das Sta­di­on ver­las­sen.

Arm ge­gen reich, Land ge­gen Stadt, die Kli­schees, sie sind hin­läng­lich be­kannt. Wer ges­tern ei­nem Orts­un­kun­di­gen die Unterschiede zwi­schen Lu­ga­no und Am­bri er­klä­ren woll­te, tat dies am besten mit ei­ner knapp ein­stün­di­gen Au­to­fahrt zwi­schen den bei­den Or­ten. Im Süd­tes­sin war auf der Piaz­za bei Tem­pe­ra­tu­ren im deut­lich zwei­stel­li­gen Plus­be­reich die Son­nen­bril­le das ge­frag­tes­te Uten­sil, in der Leven­ti­na wa­ren eher lan­ge Bein­wär­mer en vo­gue. Leich­ter Schnee­fall, ge­fühl­te Tem­pe­ra­tu­ren im Mi­nus­be­reich. Idea­les Wet­ter al­so für das zwei­te Der­by in­nert 24 St­un­den.

Um die kan­to­na­le Vor­herr­schaft und die Dis­kus­si­ons­ho­heit an den Stamm­ti­schen geht es bei Am­bri ge­gen Lu­ga­no im­mer, um die na­tio­na­le Vor­macht­stel­lung nur sel­ten. Schon gar nicht im re­la­tiv fort­ge­schrit­te­nen Meis­ter­schafts­sta­di­um: In den letz­ten vier Jah­ren war der Vor­sprung der Lu­ga­ne­si bei Hälf­te der Re­gu­lar Sea­son meist zwei­stel­lig, zwi­schen 4 und 27 Punk­ten ge­nau. 2013 war Am­bri bes­ser und schaff­te es dann auch ins bis­her letz­te Play­off.

Grund zur Eu­pho­rie be­steht nun auch nicht, im Vor­jahr war man nach 25 Spie­len ei­nen Punkt über dem Trenn­strich, am Schluss fehl­ten 14 Punk­te zum Play­off. Seit­her ist die Mann­schaft aber deut­lich sta­bi­ler ge­wor­den, Nie­der­la­gen­se­ri­en schei­nen un­wahr­schein­lich. Die gu­te Ar­beit wird ho­no­riert: Der Zu­schau­er­durch­schnitt ist ge­gen­über der Vor­sai­son um knapp 700 auf 5400 an­ge­stie­gen. Und ob ges­tern «nur» 6500 Fans in der aus­ver­kauf­ten Va­lascia wa­ren, wird sich nicht klä­ren las­sen.

Grund zum Ju­bel wird es in die­sem Jahr min­des­tens noch ein­mal ge­ben. Am 22. De­zem­ber, St­un­den vor dem letz­ten Heim­spiel des Jahres ge­gen Bern, er­folgt der Spa­ten­stich für die neue 50 Mil­lio­nen teu­re Are­na. Lan­ge hats ge­dau­ert, nun soll die Am­pel end­gül­tig auf grün ste­hen, auch wenn im Com­mu­ni­qué steht, der Spa­ten­stich er­fol­ge nur, wenn es «kei­ne un­vor­her­ge­se­he­nen Hin­der­nis­se ge­be.. «Die Er­leich­te­rung ist gross, und das ist ein schö­nes Weih­nachts­ge­schenk», sagt Prä­si­dent Fil­ip­po Lom­bar­di. 2021 soll um­ge­zo­gen wer­den.

Lu­ga­no ver­pass­te es, durch ei­nen zwei­ten Sieg et­was ru­hi­ger in die Na­tio­nal­mann­schafts­pau­se ge­hen. So wird die Kri­tik nicht ver­eb­ben: Ein Her­um­tur­nen am Strich oder so­gar dar­un­ter ent­spricht nicht den An­sprü­chen des Fi­na­lis­ten des Vor­sai­son, zu­dem ver­lei­ten die Markt­ent­wick­lun­gen nicht zu Op­ti­mis­mus. Gré­go­ry Hof­mann (Zug) war der be­reits vier­te ge­wich­ti­ge Ab­gang in­nert ei­nem Ka­len­der­jahr nach Phil­ip­pe Fur­rer, Da­mi­en Brun­ner und Merz­li­k­ins (Nord­ame­ri­ka).

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