Die­se ver­flix­ten Schwe­den

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY - Re­to Kirch­ho­fer

Den Schwei­zern feh­len zwei Mi­nu­ten zum gros­sen Coup. Sie ver­lie­ren den Uni­ho­ckey-wm-halb­fi­nal 4:5 nach Pen­al­tys

10267 Zu­schau­er ste­hen, ju­beln, klat­schen – so­fern sie nicht Gelb tra­gen. So­eben hat Patrick Men­de­lin das 4:3 für die Schweiz er­zielt. Je­ner Men­de­lin, der be­reits vor zehn Jah­ren beim Wm-halb­fi­nal in Prag ge­gen Schwe­den ge­trof­fen hat­te. Da­mals un­ter­lag die Schweiz 2:3 nach Ver­län­ge­rung. Nun führt der Aus­sen­sei­ter kurz vor Ablauf der re­gu­lä­ren Spiel­zeit. Die­ser lang­er­sehn­te Sieg, er lä­ge in der Schnitt­men­ge von «Sen­sa­ti­on» und «rie­si­ge Über­ra­schung», ist zum Grei­fen nah. Es wä­re der be­deu­tends­te in der Ge­schich­te des Schwei­zer Män­ner­uni­ho­ckeys.

Doch der Geg­ner, acht­fa­cher Welt­meis­ter bei elf Aus­tra­gun­gen, re­agiert, gleicht in der 59. Mi­nu­te aus. Die Ver­län­ge­rung en­det oh­ne Tref­fer. Und spä­tes­tens jetzt dürf­te der ei­ne oder an­de­re Zu­schau­er den Bo­gen zum Eis­ho­ckey span­nen.

Fi­schers Bot­schaft und Hof­bau­ers Blick auf die Bank der Schwe­den

Patrick Fi­scher hat das längst ge­tan. Der Eis­ho­ckey-na­tio­nal­trai­ner wünsch­te den Uni­ho­ckeya­nern vor der Par­tie mit­tels Vi­deo­bot­schaft viel Glück, ap­pel­lier­te an de­ren Mut. Fi­schers Aus­wahl ver­lor im Mai in Kopenhagen den Wm-fi­nal ge­gen die Schwe­den nach Pen­al­tys. Die Uni­ho­ckey-na­tio­nal­mann­schaft er­eilt im Halb­fi­nal das glei­che Schick­sal. Cap­tain Mat­thi­as Hof­bau­er ver­sucht in Wor­te zu fas­sen, was schwer fass­bar ist. Er tut dies ru­hig, ab­ge­klärt. In­ner­lich dürf­te es ihn zer­reis­sen. Bei sei­ner zehn­ten und letz­ten Welt­meis­ter­schaft hat es wie­der nicht ge­klappt mit dem Fi­nal­ein­zug. «Der Blick auf die Bank der Schwe­den nach zwei Drit­teln hat al­les aus­ge­sagt», meint Hof­bau­er. «Sie wa­ren ka­putt. Sie konn­ten nicht mehr zu­le­gen. Wenn du die­se Mann­schaft so­weit hast, dann musst du es ein­fach pa­cken.» Die Schweiz hat es nicht ge­packt, ist ein­mal mehr an den Schwe­den ge­schei­tert – die­sen ver­flix­ten Schwe­den! Wenn im Mann­schafts­sport al­les auf das Du­ell Eins-ge­gen-eins re­du­ziert wird, wie­gen in­di­vi­du­el­le Klas­se und Er­fah­rung noch et­was stär­ker, las­sen sich spie­le­ri­sche Nach­tei­le nicht mehr mit Tak­tik, Ein­satz und Lei­den­schaft kom­pen­sie­ren. Dies ge­lang den Schwei­zern in der O2-are­na über wei­te Stre­cken. Die Aus­wahl von Da­vid Jans­son fand ei­ne gu­te Mi­schung aus Kon­trol­le und Ag­gres­si­vi­tät. Das än­der­te sich mit dem ers­ten Tref­fer Ro­bin Nils­berths. Nun wa­ren die Schwe­den im Spiel – und de­mons­trier­ten fort­an ih­re Vor­zü­ge. Mehr­mals ver­pass­ten sie den zwei­ten Tref­fer. Der Schwei­zer Go­a­lie Pas­cal Mei­er pa­rier­te im Start­drit­tel elf Schüs­se. Dank Jan Zauggs Kon­ter­stär­ke kam die Schweiz gar zum Aus­gleich.

Schwe­den re­agier­te mit zwei Tref­fern in­nert 46 Se­kun­den. Mitt­ler­wei­le hat­ten sich bei Jans­sons Spie­lern Fehl­päs­se und über­has­te­te Ab­schlüs­se ge­häuft. Dank Lu­ca Grafs An­schluss­tor (35.) hielt sich der Scha­den nach zwei Drit­teln in Gren­zen. Es folg­te der Auf­tritt Patrick Men­de­lins. Er er­ziel­te zwei To­re, hin­ten hielt Gc-go­a­lie Mei­er dicht. Er stopp­te to­tal 37 Ab­schlüs­se, woll­te par­tout nicht ak­zep­tie­ren, dass die Schwei­zer im 69. Ver­gleich mit den Nord­län­dern zum 61. Mal (bei nur ei­nem Sieg) ver­lie­ren.

Die Schwei­zer ste­hen für das Spiel um Bron­ze vor ei­ner Her­ku­les­auf­ga­be

Und doch ju­bel­ten am En­de die Schwe­den. Wie an der Eis­ho­ckey-wm. Und wie könn­te es ver­ges­sen ge­hen: wie an der Fuss­ball­wm. Die­se ver­flix­ten Schwe­den!

Jans­son und sei­ne Spie­ler ste­hen vor ei­ner Her­ku­les­auf­ga­be. Über Nacht gilt es das Ge­sche­he­ne zu ver­ar­bei­ten. Um 13 Uhr war­ten die Tsche­chen und ihr laut­star­ker An­hang im Spiel um Platz drei. Selbst wenn die Schwei­zer ei­nen Ef­fort leis­ten und die Par­tie ge­win­nen soll­ten: Nach die­sem Halb­fi­nal wä­re Bron­ze für sie nicht mehr als ein Trost­preis.

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