Auf dem Weg der Stadt­er­wei­te­rung

Was eben noch zer­stü­ckelt und un­zu­gäng­lich war, kann man sich nun auf ei­nem Spa­zier­gang er­schlies­sen. Der preis­ge­krön­te Burg­fel­den­park in Ba­sel zeigt, wie in Zei­ten der Ver­dich­tung Raum ge­won­nen wer­den kann

SonntagsZeitung - - ARCHITEKTUR - Clau­dia Schmid

Am An­fang stand die Neu­ge­stal­tung ei­ner Vor­fahrt vor ei­nem der Pa­vil­lons der Uni­ver­si­tä­ren Psych­ia­tri­schen Kli­ni­ken (UPK). Bryum, das Bas­ler «Bü­ro für ur­ba­ne In­ter­ven­tio­nen und Land­schafts­ar­chi­tek­tur», hat­te 2008 den Wett­be­werb für die­se Neu­ge­stal­tung ge­won­nen. Da­bei er­kann­ten die Land­schafts­ar­chi­tek­ten, dass die ver­schie­de­nen Häu­ser und die Gär­ten der UPK mit dem aus­ser­or­dent­li­chen Baum­be­stand Teil ei­nes Gan­zen wa­ren: ei­nes Are­als na­he dem Eu­ro-air­port am Nor­d­rand von Ba­sel im äus­sers­ten Zip­fel der Schweiz.

Es ist ei­ne Flä­che auf fran­zö­si­schem und schwei­ze­ri­schem Bo­den, auf der sich nicht nur die «Psychi», son­dern auch das Ca­si­no, ver­schie­de­ne Spi­tä­ler, ein Strei­chel­zoo, ei­ne Vo­gel­vo­lie­re, Schre­ber­gär­ten, ein He­li­ko­pter­lan­de­platz, oder das Sport­zen­trum Pfaf­fen­holz, ein Früh­werk von Her­zog & de Meu­ron, aus­brei­ten.

Das Bü­ro Bryum be­gann, die wun­der­ba­re Park­an­la­ge der Psych­ia­tri­schen Kli­ni­ken, die ei­ne trei­ben­de Kraft des Pro­jekts wa­ren, mit den Grund­stü­cken an­de­rer In­sti­tu­tio­nen, die auf dem 56 Hekt­aren um­fas­sen­den Are­al an­ge­sie­delt sind, zu ver­bin­den und da­für sprich­wört­lich Gren­zen auf­zu­lö­sen. Klingt ein­fach, wars aber nicht.

Zwar war die Bau­tä­tig­keit mi­ni­mal, da es grund­sätz­lich nicht dar­um ging, neue Pär­ke an­zu­le­gen, Brun­nen zu gestal­ten und Bäu­me zu pflan­zen. Auch vie­le Spa­zier- und Ver­bin­dungs­we­ge wa­ren be­reits vor­han­den. «Viel­mehr ging es ums Ver­bin­den und Öff­nen von Be­ste­hen­dem», sagt Da­ni­el Baur von Bryum. Die Land­schafts­ar­chi­tek­ten schlos­sen das Are­al, das teil­wei­se in die el­säs­si­sche Ge­mein­de St-lou­is über­geht, al­so zu ei­ner neu­en Ein­heit zu­sam­men, die seit ei­nem gu­ten Jahr als si­gna­li­sier­ter Spa­zier­weg da­her­kommt. Ei­ne Web­site und Falt­plä­ne in­for­mie­ren die Be­su­cher aus­führ­lich dar­über.

Da­ne­ben grün­de­ten die Rau­m­ar­chi­tek­ten mit den Are­al­be­nut­zern ei­ne In­ter­es­sen­ge­mein­schaft (IG), de­ren Mit­glie­der sich re­gel­mäs­sig tref­fen und aus­tau­schen. Für die Wie­der­be­le­bung ei­nes ver­ges­se­nen Quar­tiers am Ran­de Ba­sels wurde Bryum die­se Wo­che bei der Preis­ver­lei­hung «Die Besten» der Zeit­schrift Hoch­par­terre mit dem ers­ten Preis in der Sek­ti­on Land­schafts­ar­chi­tek­tur prä­miert. Nur we­ni­ge Wo­chen zu­vor gab es für den Spa­zier­weg auch die «Aus­zeich­nung gu­ter Bau­ten» der Kan­to­ne Ba­sel-stadt und Ba­sel-land.

Dass Bryum oh­ne gros­se Bau­tä­tig­keit jüngst gleich zwei Ar­chi­tek­tur­prei­se ge­won­nen ha­ben, zeigt, das die Ju­rys ei­nen neu­en Weg an­er­ken­nen, den die Land­schafts­ar­chi­tek­tur lang­fris­tig ein­schla­gen könn­te. Denn wenn es wie in der Schweiz im­mer we­ni­ger Land­schaft gibt, wird es zu­neh­mend dar­um ge­hen, in der Dich­te be­reits vor­han­de­nen Raum zu ver­net­zen, zu ku­ra­tie­ren oder op­tisch zu schär­fen.

Es galt, das Gärt­chen­den­ken auf­zu­bre­chen

Im Fal­le des Spa­zier­wegs nah­men die Land­schafts­ar­chi­tek­ten Rol­len ein, die teil­wei­se an je­ne von Mo­de­ra­to­ren oder So­zi­al­ar­bei­ter er­in­nern. Schliess­lich ging es dar­um, die Schlüs­sel­per­so­nen der am Are­al be­tei­lig­ten In­sti­tu­tio­nen zu­sam­men­zu­brin­gen und de­ren Be­dürf­nis­se zu klä­ren. Tat­säch­lich ar­bei­ten 8000 An­ge­stell­te im oder um den Burg­fel­den­park; da­zu ka­men Be­hör­den aus zwei Län­dern und Kul­tu­ren. So galt es et­wa, die Fran­zo­sen da­zu zu be­we­gen, al­te Grenz­zäu­ne ab­zu­bau­en. Ein Mast mit Vi­deo­ka­me­ras und ein Grenz­stein im Wes­ten des Are­als zeugt von der ehe­ma­li­gen Tei­lung des Parks. Vie­le Gespräche brauch­te es mit dem Ver­ein des Fa­mi­li­en­gar­ten­are­als Milch­sup­pe. Jah­re­lang wa­ren die Ein­gän­ge zu den Gar­ten­par­zel­len – wich­ti­ge und gros­se Ver­bin­dungs­strän­ge zwi­schen ver­schie­de­nen Stü­cken des Are­als – ab­ge­schlos­sen. Das Team von Bryum wünsch­te sich aber ei­ne Öff­nung die­ser Grün­flä­chen. So kann man jetzt be­quem durch das Fa­mi­li­en­gar­ten­are­al hin­durch­schlen­dern, statt um es her­um­lau­fen zu müs­sen.

Für Bryum ist das Pro­jekt noch lan­ge nicht ab­ge­schlos­sen. So ste­hen nicht nur re­gel­mäs­sig Ig-sit­zun­gen an, auch ein Be­leuch­tungs­sys­tem oder ein neu­er Spiel­platz sind ge­plant. Nächs­tes Jahr wird zu­dem ein Wett­be­werb für die Si­gnaletik des Er­leb­nis­wegs aus­ge­schrie­ben, da­mit die­ser ei­nen noch kla­re­ren Auf­tritt er­hält.

Bei der Tramsta­ti­on Burg­fel­der Hof be­ginnt der Spa­zier­weg Burg­fel­den­park: Von hier aus lässt sich das neu zu­sam­men­ge­fass­te Stadt­ge­biet er­kun­den

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