Ski­fah­rer bu­chen lie­ber on­line

Im­mer mehr Berg­bah­nen ha­ben fle­xi­ble Prei­se – Ski­päs­se wer­den nun häu­fi­ger im In­ter­net ge­kauft

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Ernst Meier

An­der­matt UR Im­mer mehr Ski­ge­bie­te ma­chen es Air­lines und Ho­tels nach und set­zen auf Dy­na­mic Pri­cing, bei dem die Prei­se für Ski­ti­ckets ab­hän­gig von Fak­to­ren wie Bu­chungs­zeit­punkt, Wo­chen­tag oder Wet­ter va­ri­ie­ren. Das Er­geb­nis: Ski­fah­rer bu­chen vor al­lem mehr on­line. An­der­matt-se­drun zum Bei­spiel führ­te letz­te Sai­son ein fle­xi­bles Preis­mo­dell ein. Bis­he­ri­ges Fa­zit: 2017/18 leg­te die Zahl der Gäs­te, die on­line ein Ti­cket kauf­ten, ge­gen­über der Vor­sai­son um 700 Pro­zent zu, wie Spre­cher Stefan Kern sagt. «In der lau­fen­den Sai­son hat sich die Zahl ver­dop­pelt.»

Die Ner­vo­si­tät in den Win­ter­sport­or­ten ist in die­sen Ta­gen be­son­ders gross. Der Grund: Im­mer mehr Berg­bah­nen pro­bie­ren neue Preis­mo­del­le aus. Fle­xi­ble Preis­ge­stal­tung heisst das Zau­ber­wort. Ers­te Rück­mel­dun­gen aus den Ski­ge­bie­ten zei­gen, dass die­se vor al­lem zwei Din­ge be­wir­ken: Ti­ckets wer­den ver­stärkt on­line und frü­her ge­kauft.

In Laax GR kön­nen Ski­fah­rer ei­ne Ta­ges­kar­te güns­ti­ger er­wer­ben, wenn sie über die ei­ge­ne Smart­pho­ne-app Ta­ge im Vor­aus bu­chen. Vom letz­ten No­vem­ber bis zum 2. Ja­nu­ar sei der mit der App ge­ne­rier­te Um­satz ge­gen­über der Vor­jah­res­pe­ri­ode um 50 Pro­zent ge­stie­gen, heisst es dort. An­der­matt-se­drun führ­te letz­te Sai­son ein fle­xi­bles Preis­mo­dell ein. Wer früh on­line bucht, spart Geld. Bis­he­ri­ges Fa­zit: 2017/18 stieg die Zahl der Gäs­te, die on­line ein Ti­cket kauf­ten, laut Stefan Kern von An­der­matt Swiss Alps ge­gen­über der Vor­sai­son um 700 Pro­zent. «In der lau­fen­den Sai­son ver­dop­pel­te sich die Zahl noch ein­mal.»

Auch an­de­re Ski­ge­bie­te, die auf f le­xi­ble On­line­preis­sys­te­me set­zen – et­wa Bell­wald VS, Pi­zol SG oder Aro­sa-len­zer­hei­de GR – spre­chen von ei­ner po­si­ti­ven Re­so­nanz. «Vie­le Gäs­te sind sich On­li­ne­käu­fe aus dem All­tag ge­wohnt», sagt Da­vid Wys­sen, Ge­schäfts­füh­rer Bell­wald Sport­bah­nen. Er hat auf die­se Sai­son hin ein neu­es Preis­mo­dell ein­ge­führt, das Früh­bu­cher belohnt. Der Ti­cket­preis hängt aber auch von der Nach­fra­ge und der Wet­ter­pro­gno­se ab. Wys­sen zieht be­reits ei­ne ers­te po­si­ti­ve Bi­lanz: Im De­zem­ber sei­en rund 20 Pro­zent der Ti­ckets über den neu­en Web­shop ge­kauft wor­den, was über dem Bran­chen­durch­schnitt lie­ge. Wys­sen sieht noch ei­nen an­de­ren Ge­winn für die Berg­bah­nen: «Wir ler­nen den Kun­den und sein Ver­hal­ten bes­ser ken­nen.» In Bell­wald will man das Preis­mo­dell wei­ter op­ti­mie­ren und mit in­di­vi­du­el­len An­ge­bo­ten aus­bau­en. «Wir über­le­gen uns, künf­tig Viel­fah­rer mit ei­nem Gut­schein oder ei­ner Ra­batt­ak­ti­on zu be­loh­nen.»

On­li­ne­käu­fe ha­ben ei­nen ent­schei­den­den Vor­teil. «Das An­ste­hen an den Ta­ges­kas­sen kann mas­siv re­du­ziert wer­den», sagt Li­sa Ler­chi von den Berg­bah­nen in Laax. Be­dien­te Ti­cket­schal­ter zu schlies­sen, sei aber nicht ge­plant. Es ge­be im­mer noch vie­le Gäs­te, die den Schal­ter auf­such­ten. «Wir kön­nen dank der Ent­las­tung durch On­li­ne­bu­chun­gen je­doch die per­so­nel­len Res­sour­cen ge­ziel­ter für Be­ra­tun­gen ein­set­zen.»

Die Ta­ges­kar­te wird ein Vier­tel teu­rer

Wie sich die Preis­mo­del­le lang­fris­tig auf die Ein­nah­men der Berg­bah­nen aus­wir­ken, muss sich erst noch zei­gen. «Der Vor­teil f le­xi­bler Prei­se ist, dass die Bah­nen Ta­ge mit er­war­tungs­ge­mäss schwä­che­rer Nach­fra­ge ge­zielt för­dern kön­nen», sagt Andre­as Kel­ler vom Bran­chen­ver­band Seil­bah­nen Schweiz. An­bie­ter wie die Pi­zol­bah­nen oder Bell­wald lo­cken denn auch mit tie­fe­ren Prei­sen bei schlech­tem Wet­ter. Gleich­zei­tig ge­hen sie wäh­rend der stark fre­quen­tier­ten Ta­ge nicht über den re­gu­lä­ren Ta­ges­kar­ten­preis hin­aus. Das funk­tio­niert nur, wenn die tie­fe­ren Prei­se auch zu mehr Gäs­ten füh­ren, denn der Fix­kos­ten­block bei den Berg­bah­nen bleibt et­wa gleich hoch.

In Pi­zol ging die Rech­nung bis­her auf. Laut ei­ner Stu­die der Fach­hoch­schu­le St. Gal­len brach­ten die wet­ter­ab­hän­gi­gen Ta­ges­kar­ten rund 34 Pro­zent neue Gäs­te auf den Berg. Je­der zwei­te Win­ter­sport­ler sag­te, er sei nur we­gen des Preis­mo­dells ge­kom­men.

Ein Wag­nis ge­hen die Berg­bah­nen im Obe­r­en­ga­din ein. Gäs­te, die bis 15 Ta­ge im Vor­aus bu­chen, zah­len 30 Pro­zent we­ni­ger. Die Berg­bah­nen ver­teu­ern je­doch den Schnee­spass für Kurz­ent­schlos­se­ne. Die Ta­ges­kar­te, die im letz­ten Win­ter noch 79 Franken kos­te­te, kann neu mit 101 Franken zu Bu­che schla­gen. «Für mich ist klar, dass ich sol­che Ski­ge­bie­te mei­de», schreibt ein Le­ser ge­nervt im On­line­fo­rum von «20 Mi­nu­ten». In St. Mo­ritz ver­tei­digt man die Preis­po­li­tik. «Ein Drit­tel al­ler Gäs­te bucht mitt­ler­wei­le früh­zei­tig, ins­be­son­de­re Fa­mi­li­en kom­men zu so güns­ti­gen Prei­sen wie noch nie», sagt Tho­mas Rech­ber­ger von den Obe­r­en­ga­di­ner Berg­bah­nen.

Tou­ris­mus­ex­per­te Thors­ten Merk­le von der HTW Chur rech­net mit wei­te­ren Ski­ge­bie­ten, die in den nächs­ten Jah­ren fle­xi­ble Preis­sys­te­me an­bie­ten. Die Bran­che sei un­ter Druck, seit ers­te Bah­nen ih­re Prei­se senk­ten. «Die Di­gi­ta­li­sie­rung er­öff­net neue Mög­lich­kei­ten. Die Air­line-in­dus­trie oder die Ho­tel­le­rie nut­zen der­ar­ti­ge Sys­te­me be­reits seit län­ge­rem.»

Wie sich die Mo­del­le nach­hal­tig auf die Ti­cket­prei­se aus­wir­ken, lässt sich der­zeit noch nicht sa­gen. Laut Seil­bah­nen Schweiz stieg der Preis für die Ta­ges­kar­te der zehn gröss­ten Ski­ge­bie­te in den letz­ten zehn Jah­ren im Schnitt von 60 auf rund 74 Franken.

Fo­to: Keystone

Früh­bu­cher pro­fi­tie­ren ver­stärkt von Ra­bat­ten: Ski­ge­biet in den Waadt­län­der Al­pen

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