In­te­gra­ti­on macht glück­lich – ge­nau­so wie der Schwei­zer Pass

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Die Stu­die zur In­te­gra­ti­on von Ju­gend­li­chen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund be­stä­tigt man­ches Vor­ur­teil. Kin­der, die in in­tak­ten Fa­mi­li­en auf­wach­sen kön­nen, kom­men viel öf­ter ins Gy­mi als der Durch­schnitt. Ge­nau­so wie je­ne, de­ren El­tern auch schon ei­nen hö­he­ren Schul­ab­schluss ha­ben. Rund 20 Pro­zent der El­tern von afri­ka­ni­schen und ara­bi­schen Kin­dern ha­ben kei­nen Schul­ab­schluss, aber 40 Pro­zent be­zie­hen So­zi­al­hil­fe. Ra­sche Bes­se­rung ist nicht in Sicht, weil ein Vier­tel der nord­afri­ka­ni­schen Kin­der kei­ne hö­he­re Schu­le und kei­ne Leh­re ma­chen, son­dern nur ei­ne so­ge­nann­te Über­gangs­aus­bil­dung. Rund je­der Zehn­te gibt zu­dem an, er ha­be schon in­ten­siv die Schu­le ge­schwänzt, das heisst an fünf Ta­gen in Fol­ge. Re­kord­hal­ter in die­ser Dis­zi­plin sind die Bra­si­lia­ner, bei de­nen ist es je­der Sechs­te.

«Jun­ge, die sich ein­bür­gern las­sen, sind bes­ser in­te­griert und we­ni­ger kri­mi­nell»

Kin­der von Mi­gran­ten aus Afri­ka und dem Bal­kan ha­ben zu­dem kaum Schwei­zer Freun­de. Kein Wun­der, fühlt sich nur je­der Fünf­te von ih­nen als Schwei­zer, wäh­rend dies 9 von 10 Ös­ter­rei­cher in der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on an­ge­ben. Je­der vier­te Afri­ka­ner und je­der fünf­te Ju­gend­li­che aus dem Bal­kan fühlt sich dis­kri­mi­niert. Sie sind auch je­ne, die ge­ne­rell am we­nigs­ten in­te­griert sind. Die Ab­schot­tung ist min­des­tens teil­wei­se frei­wil­lig. Kin­der aus dem Ko­so­vo und aus Ma­ze­do­ni­en fin­den zehn­mal häu­fi­ger als Deut­sche und Ös­ter­rei­cher, dass man am bes­ten un­ter sich bleibt, un­ter sich hei­ra­tet und an der ei­ge­nen Tra­di­ti­on fest­hält.

Die Fol­gen der feh­len­den In­te­gra­ti­on sind gra­vie­rend. Je schlech­ter die Im­mi­gran­ten­grup­pe in der Schweiz in­te­griert ist, des­to we­ni­ger Ver­trau­en hat sie in die De­mo­kra­tie und in die In­sti­tu­tio­nen und des­to ge­rin­ger ist das In­ter­es­se an der Po­li­tik über­haupt. Zu be­fürch­ten ist, dass sie mit die­ser Ein­stel­lung auch in Zu­kunft zu den­je­ni­gen El­tern ge­hö­ren, die die höchs­te Ra­te an Ar­beits­lo­sen­un­ter­stüt­zung und So­zi­al­hil­fe aus­wei­sen.

Wei­ter lässt sich fol­gern, dass ei­ne bes­se­re In­te­gra­ti­on ei­ner Grup­pe zu ei­ner hö­he­ren Le­bens­zu­frie­den­heit führt. Wäh­rend 60 Pro­zent der jun­gen Schwei­zer mit ih­rem Le­ben sehr zu­frie­den sind, sind das bei den Nord­afri­ka­nern nur ge­ra­de 37 Pro­zent. Die Ös­ter­rei­cher schei­nen hin­ge­gen ei­gent­li­che Froh­na­tu­ren zu sein. Sie sind nicht nur am bes­ten in­te­griert, son­dern mit Ab­stand auch die Glück­lichs­ten: Über 70 Pro­zent sa­gen, sie sei­en mit ih­rem Le­ben sehr zu­frie­den. War­um sie auch die fleis­sigs­ten Can­na­bis­kon­su­men­ten sind, am meis­ten har­te Dro­gen kon­su­mie­ren und sich am häu­figs­ten be­trin­ken, bleibt al­ler­dings un­ge­klärt.

In­ter­es­sant ist, dass der Schwei­zer Pass ei­ne ho­he In­te­gra­ti­ons­wir­kung hat. Ju­gend­li­che, die sich ein­bür­gern las­sen, sind bes­ser in­te­griert und we­ni­ger kri­mi­nell. Das soll­te je­nen zu den­ken ge­ben, die zwar In­te­gra­ti­on for­dern, aber die Hür­den für den Er­werb des Pas­ses im­mer hö­her le­gen wol­len. Das Ge­gen­teil wä­re ziel­füh­rend.

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