Kampf um Fran­chi­sen er­öff­net

Spar­po­ten­zi­al bei hö­he­rem Selbst­be­halt ist un­klar

SonntagsZeitung - - SCHWEIZ - Fa­bi­en­ne Rik­lin

Jähr­lich stei­gen die Ge­sund­heits­kos­ten und Kran­ken­kas­sen­prä­mi­en. Gleich meh­re­re Vor­stös­se zur Dämp­fung des Kos­ten­wachs­tums dis­ku­tie­ren die bei­den Rä­te. Den Auf­takt macht nächs­te Wo­che die Kom­mis­si­on für so­zia­le Si­cher­heit und Ge­sund­heit des Stän­de­rats mit dem Vor­schlag des Bun­des­rats. Die­ser sieht vor, die Fran­chise an die Kos­ten­ent­wick­lung der ob­li­ga­to­ri­schen Kran­ken­pfle­ge­ver­si­che­rung an­zu­pas­sen.

Kon­kret wür­de das be­deu­ten, dass rund al­le vier Jah­re sämt­li­che Fran­chi­sen zwi­schen 300 und 2500 Fran­ken um 50 Fran­ken er­höht wür­den. Da­durch wür­den sich die Prä­mi­en für sämt­li­che Ver­si­cher­te um min­des­tens 430 Mil­lio­nen Fran­ken oder 1,7 Pro­zent sen­ken.

Ei­ne un­ver­öf­fent­lich­te Un­ter­su­chung des Ge­werk­schafts­bun­des (SGB) zeigt nun aber: Die Ein­spa­run­gen dürf­ten wenn über­haupt deut­lich ge­rin­ger sein. Le­dig­lich 300 Mil­lio­nen oder 1,2 Pro­zent. Sgb-zen­tral­se­kre­tär Re­to Wyss: «In den letz­ten 22 Jah­ren wur­den die Fran­chi­sen zwei­mal er­höht, 1998 und 2004. Al­ler­dings sind die Prä­mi­en in die­sen Jah­ren nicht we­ni­ger stark ge­stie­gen. War­um soll­te dies jetzt an­ders sein?»

Be­reits heu­te be­zah­le die Be­völ­ke­rung 30 Pro­zent an den ge­sam­ten Ge­sund­heits­aus­ga­ben aus der ei­ge­nen Ta­sche, sagt Wyss. Zum Ver­gleich: In den Nie­der­lan­den, die ei­ne ähn­li­che Ver­sor­gung be­tref­fend Qua­li­tät und Zu­gang hät­ten, be­tra­ge die Be­tei­li­gung le­dig­lich 11 Pro­zent.

Wyss ist über­zeugt: «Es gibt im Schwei­zer Ge­sund­heits­we­sen Spar­po­ten­zi­al, et­wa bei den Me­di­ka­men­ten­prei­sen oder den Zu­satz­ver­si­che­run­gen.» Statt dort an­zu­set­zen, wäl­ze man die Kos­ten auf die Be­völ­ke­rung ab. «Das ist stos­send. Gera­de ei­ne Er­hö­hung der Gr­und­fran­chise be­trifft al­te und chro­nisch kran­ke Ver­si­cher­te.»

Bür­ger­li­che er­hof­fen sich kos­ten­be­wuss­te­res Ver­hal­ten

Im Na­tio­nal­rat hat ei­ne gros­se Mehr­heit dem Vor­schlag des Bun­des­rats zu­ge­stimmt. Und die Kom­mis­si­on für so­zia­le Si­cher­heit und Ge­sund­heit des Na­tio­nal­rats will so­gar noch wei­ter­ge­hen. In ei­ner Mo­ti­on be­an­tragt sie, die Mi­ni­mal­fran­chise von 300 auf 500 Fran­ken zu er­hö­hen. Da­mit soll bei den Ver­si­cher­ten ein kos­ten­be­wuss­tes Ver­hal­ten ge­schaf­fen und un­nö­ti­ge Spi­tal- und Arzt­kon­sul­ta­tio­nen ver­hin­dert wer­den.

Der Ge­sund­heits­ex­per­te von Com­pa­ris, Fe­lix Sch­neuw­ly, sagt: «Da­mit die Fran­chi­sen ih­re Wir­kung nicht ver­lie­ren, soll­ten sie pe­ri­odisch der Kos­ten­ent­wick­lung an­ge­passt wer­den.» Auch könn­te er sich ei­ne ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Kos­ten­be­tei­li­gung vor­stel­len, um chro­nisch Kran­ke mit we­nig Geld zu ent­las­ten.

Sch­neuw­ly gibt aber der Kri­tik des SGB teil­wei­se recht. «Die Wir­kung der Kos­ten­be­tei­li­gung von Ver­si­cher­ten auf die Ge­samt­kos­ten wird über­schätzt.» Klar, es ge­be Leu­te mit tie­fer Fran­chise, die zu früh und zu oft zum Arzt gin­gen und da­mit un­nö­ti­ge Kos­ten zu­las­ten der All­ge­mein­heit ver­ur­sach­ten. «Es gibt aber auch Leu­te, die zu spät zum Arzt ge­hen.» Lei­der ge­be es in der Schweiz vie­le Mut­mas­sun­gen über fal­sche me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung, al­so über zu viel und zu we­nig Me­di­zin, aber kei­ne wirk­lich zu­ver­läs­si­gen Da­ten, sagt Sch­neuw­ly.

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