Pro­zess­of­fen­si­ve ge­plant

Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen wol­len mit ei­ner neu­en Ser­vice­stel­le die Grund­rech­te vor dem Strass­bur­ger Ge­richts­hof durch­set­zen

SonntagsZeitung - - SCHWEIZ - De­nis von Burg, Mischa Ae­bi

Nach dem Sieg in der Ab­stim­mung über die Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve der SVP pla­nen die Ge­win­ner ei­ne Pro­zess­of­fen­si­ve zur Durch­set­zung von Grund­rech­ten vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te in Strassburg. Initi­an­ten sind die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Hu­m­an­rights.ch und die Kam­pa­gnen­or­ga­ni­sa­ti­on Schutz­fak­tor M.

Sie ge­hen zu­sam­men und grün­den ei­ne «Ser­vice­stel­le für die Men­schen­rech­te». Die­se soll ei­ner­seits selbst Pro­zes­se in wich­ti­gen Grund­rechts­fra­gen füh­ren und an­de­rer­seits An­wäl­te, Pri­va­te und Or­ga­ni­sa­tio­nen be­ra­ten oder fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen, wenn die­se Grund­rech­te vor Ge­richt durch­set­zen wol­len.

Mit­in­iti­an­tin und Schutz­fak­t­or­ge­schäfts­füh­re­rin Andrea Hu­ber sieht ein gros­ses Be­dürf­nis nach ei­ner här­te­ren und brei­te­ren Durch­set­zung von Grund­rech­ten. «In der Zeit der Ab­stim­mungs­kam­pa­gne ha­ben sich vie­le Men­schen ge­mel­det, die ih­re Grund­rech­te ver­letzt sa­hen und Be­ra­tung und Un­ter­stüt­zung such­ten», sagt Hu­ber. Zu vie­le wür­den aber den Gang an na­tio­na­le Ge­rich­te oder gar an den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te nicht wa­gen. Die Men­schen­rech­te sei­en zwar recht­lich ge­si­chert, doch in ih­rer Durch­set­zung wür­den Lü­cken be­ste­hen.

Das soll sich nun än­dern: Die Ser­vice­stel­le soll spä­tes­tens am Men­schen­rechts­tag, am 10. De­zem­ber, ih­ren Be­trieb auf­neh­men. Ge­plant sind zwei bis drei Voll­zeit­stel­len. Ei­ne Ar­beits­grup­pe mit An­wäl­ten, Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Ngo-ver­tre­tern be­müht sich der­zeit um die nö­ti­gen fi­nan­zi­el­len Mit­tel und be­glei­tet den Auf­bau die­ses für die Schweiz neu­en Pro­jekts. Für die Pi­lot­pha­se von zwei Jah­ren sind rund 500 000 Fran­ken vor­ge­se­hen.

Im Fo­kus ste­hen et­wa Fra­gen zur Gleich­stel­lung

«Ge­gen­wär­tig wei­sen nur we­ni­ge An­wäl­te ei­ne Spe­zia­li­sie­rung im Be­reich der Grund- und Men­schen­rech­te auf, und auch die Eu­ro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on wird zu we­nig ge­nutzt», sagt Hu­ber. In der Tat tritt der Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te auf 97 Pro­zent der Be­schwer­den gar nicht ein. Grund sind oft­mals for­ma­le Feh­ler.

Und aus Ka­pa­zi­täts- und Kos­ten­grün­den schre­cken ge­mäss Hu­ber vie­le An­wäl­te über­haupt vor sol­chen Kla­gen zu­rück. Dar­um will die Ser­vice­stel­le fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung bie­ten für Be­trof­fe­ne so­wie ei­nen Pool mit ver­sier­ten An­wäl­tin­nen und An­wäl­ten schaf­fen und so ei­ne Pro­zess­of­fen­si­ve er­mög­li­chen.

Dar­über hin­aus soll die neue Stel­le zu­sam­men mit Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen ei­ge­ne stra­te­gi­sche Men­schen­rechts­pro­zes­se füh­ren, um so Lü­cken im Grund­rechts­schutz zu schlies­sen. Als Bei­spie­le nennt Ma­ri­an­ne Ae­ber­hard, Ge­schäfts­füh­re­rin von Hu­m­an­rights.ch, die Rech­te von In­haf­tier­ten, Über­wa­chungs­mass­nah­men, die Gleich­stel­lung von Mann und Frau oder von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen so­wie das Asyl- und Aus­län­der­recht. Zur An­zahl der Fäl­le, die un­ter­stützt wer­den könn­ten, will sie in die­sem frü­hen Sta­di­um der Pro­jekt­ent­wick­lung noch kei­ne Aus­sa­ge ma­chen.

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