Shut­down: Me­di­en ge­hen Trump auf den Leim

Be­am­te oh­ne Lohn ver­kau­fen Mö­bel und star­ten Crowd­fun­ding-ak­ti­on

SonntagsZeitung - - INTERNATIONAL - Mar­tin Su­ter New York

Jim Acos­ta blickt gern in Ka­me­ra­lin­sen. Der «Chief Whi­te Hou­se Cor­re­spon­dent» von CNN ist be­rühmt für die oft selbst­ver­lieb­te Wei­se, wie er sich an Pres­se­kon­fe­ren­zen von Prä­si­dent Do­nald Trump in Sze­ne setzt. Ver­gan­ge­ne Wo­che wur­de er al­ler­dings das Op­fer sei­ner selbst.

Im Prä­si­den­ten­jet war Acos­ta mit nach Mcal­len in Te­xas ge­flo­gen, um über Trumps Be­such der Gren­ze zu Me­xi­ko zu be­rich­ten. In ei­ner frei­en Mi­nu­te in­spi­zier­te der CNN-MANN dort den aus Stahl und Be­ton ge­fer­tig­ten Grenz­zaun. «Hier sind die Stahl­lat­ten, von de­nen der Prä­si­dent spricht», sag­te Acos­ta, das Han­dy im Sel­fie-griff. «Doch wenn wir hier ent­lang­ge­hen, se­hen wir kein An­zei­chen ei­ner un­mit­tel­ba­ren Ge­fahr.» Die Ge­gend, füg­te er hin­zu, sei «ziem­lich ru­hig».

Es war ein klas­si­sches Ei­gen­tor: Acos­ta woll­te sei­ne Auf­fas­sung be­stä­ti­gen, wo­nach die von Trump be­haup­te­te Ein­wan­de­rungs­kri­se an der Us-süd­gren­ze künst­lich her­bei­ge­re­det sei. Oh­ne zu wol­len, be­leg­te er je­doch Trumps The­se, wo­nach Mau­ern funk­tio­nie­ren.

Trump und sei­ne Ge­sin­nungs­freun­de re­agier­ten mit ent­spre­chen­der Hä­me. Ein­mal mehr hat­te der Prä­si­dent Ame­ri­kas Me­di­en­welt ge­spal­ten und de­ren Ver­tre­ter als Mit­läu­fer des ei­nen oder an­de­ren La­gers ent­larvt. Un­re­flek­tier­ten Trump-kri­ti­kern ste­hen eben­so fa­na­ti­sche Trump-adep­ten ge­gen­über. Der Mo­de­ra­tor Se­an Han­ni­ty von Fox News zum Bei­spiel rief Trump in ei­nem Interview ge­ra­de­zu auf, den Not­stand zu er­klä­ren, um sei­ne Mau­er oh­ne Be­wil­li­gung des Kon­gres­ses bau­en zu kön­nen.

Flug­lot­sen rei­chen ei­ne Zi­vil­kla­ge ge­gen die Re­gie­rung ein

Am 21. Tag des nun­mehr längs­ten Shut­down der ame­ri­ka­ni­schen Ge­schich­te ging Trump in­des eher auf Dis­tanz zu die­ser Ra­di­kal­lö­sung. Der­zeit den­ke er nicht dar­an, die Teil­schlies­sung der Us­ver­wal­tung mit ei­ner Not­stands­er­klä­rung zu be­en­den, sag­te er am Frei­tag. Er weiss, dass Mau­er­geg­ner ei­nen sol­chen Schritt so­fort vor Ge­richt an­fech­ten, was das Bau­pro­jekt auf un­be­stimm­te Zeit ver­zö­gern wür­de. Ges­tern rief er via Twit­ter die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten auf, aus dem Wo­che­n­end­ur­laub nach Washington zu­rück­zu­keh­ren und über ein En­de des Shut­down und die «schreck­li­che hu­ma­ni­tä­re Kri­se an der Süd­gren­ze» zu ver­han­deln.

Dass die De­mo­kra­ten ein­len­ken könn­ten, ist je­doch eben­so we­nig vor­stell­bar wie ein Knie­fall Trumps. Der Prä­si­dent be­hält sich da­her die ver­fas­sungs­recht­lich hoch um­strit­te­ne Not­stands­op­ti­on aus­drück­lich vor. Ku­rio­ser­wei­se hält sie der Rechts­ex­per­te von CNN für le­gal, wäh­rend je­ner von Fox News ih­re Recht­mäs­sig­keit ver­neint.

Das Patt und Trumps Zu­war­ten ver­spre­chen nichts Gu­tes für die rund 800000 vom Shut­down be­trof­fe­nen Staats­an­ge­stell­ten, die am Frei­tag erst­mals ih­ren Halb­mo­nats­lohn nicht aus­be­zahlt er­hiel­ten. Be­rich­tet wird von Be­am­ten, die ih­re Mö­bel online zu ver­hö­kern be­gin­nen. An­de­re star­ten Bet­tel­ak­tio­nen auf Crowd­fun­ding-web­sites, um bei der Mie­te, Hy­po­thek oder Kran­ken­ver­si­che­rung nicht in Ver­zug zu ge­ra­ten.

Die Flug­lots­en­ge­werk­schaft reich­te am Frei­tag ei­ne Zi­vil­kla­ge ge­gen die Re­gie­rung ein we­gen Über­zeit und feh­len­der Be­zah­lung. In Mia­mi ha­ben sich die ers­ten der 51 000 An­ge­stell­ten der Flug­si­cher­heits­be­hör­de TSA krank­schrei­ben las­sen, um an­der­wei­tig zu job­ben. Als Vor­sichts­mass­nah­me liess der Flug­ha­fen für das Wo­che­n­en­de ei­ne sei­ner Ab­flug­hal­len schlies­sen.

Erst wenn beim Flug­ver­kehr oder an­ders­wo ein we­sent­li­cher Teil der ame­ri­ka­ni­schen Be­völ­ke­rung den Shut­down spürt, wird das Prä­si­dent Do­nald Trump und die De­mo­kra­ten zum Han­deln zwin­gen.

Grenz­be­fes­ti­gung bei Ti­jua­na: Trump rief die De­mo­kra­ten per Twit­ter auf, so­fort für Ver­hand­lun­gen nach Washington zu kom­men

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.