Ein Zei­chen ge­gen die Trink­kul­tur

Ski­ge­bie­te buh­len mit ih­rem Après-ski-an­ge­bot um Kund­schaft. Das ist ge­fähr­lich – und schreit nach ent­spre­chen­den Prä­ven­ti­ons­be­mü­hun­gen, fin­det Do­mi­nik Bal­mer

SonntagsZeitung - - STANDPUNKTE - Do­mi­nik Bal­mer, Nach­rich­ten­re­dak­tor

Die Trink­kul­tur der Schwei­zer ist in kei­ner Sport­art fes­ter ver­an­kert als beim Ski­fah­ren. Un­ge­niert wer­ben Ski­ge­bie­te mit Sät­zen wie «Après-ski ge­hört zu ei­nem Tag auf der Pis­te da­zu. Oder ist es um­ge­kehrt?» Wal­lis Tou­ris­mus bie­tet den Gäs­ten so­gar ei­ne Lis­te mit aus­ge­such­ten Après-ski-bars. Da­zu hal­ten die Pr-leu­te fest: Gera­de wenn es ge­gen den Früh­ling zu­ge­he, «wird das Après-ski-pro­gramm zu ei­nem star­ken Ar­gu­ment für die Wahl des ei­nen oder an­de­ren Ski­ge­biets».

Un­vor­stell­bar, dass bei­spiels­wei­se ein Schwimm­bad so um Gäs­te buhlt. Wie der Slo­gan wohl lau­ten wür­de: «Ba­den Sie bei uns, wir ha­ben das ex­klu­sivs­te Whis­ky­sor­ti­ment»?

Der Al­ko­hol­kon­sum auf der Pis­te soll nicht ver­teu­felt wer­den. Doch es mu­tet trotz­dem selt­sam an, dass Fach­stel­len wie die Be­ra­tungs­stel­le für Un­fall­ver­hü­tung und die Su­va kei­nen Prä­ven­ti­ons­fo­kus auf den Al­ko­hol­kon­sum le­gen – gera­de im Zu­sam­men­hang mit Un­fäl­len. Schliess­lich trübt Al­ko­hol die Sin­ne enorm, die Re­ak­ti­ons­fä­hig­keit sinkt und die Selbst­über­schät­zung steigt.

Tat­säch­lich gibt es ge­nü­gend Stu­di­en, die eben­die­sen Zu­sam­men­hang be­le­gen. Zu­dem kann der Al­ko­hol auch in­di­rekt zu mehr Un­fäl­len bei­tra­gen: Zum Bei­spiel, wenn ver­ka­ter­te Ski­fah­rer am nächs­ten Tag nur mit hal­ber Kraft auf der Pis­te rum­kur­ven – und das Aus­weich­ma­nö­ver im letz­ten Mo­ment eben nicht mehr ge­lingt.

Be­denk­lich ist die Zu­rück­hal­tung auch, weil Pis­ten und Ma­te­ri­al im­mer bes­ser wer­den, und die Ski­fah­rer so ra­s­an­ter fah­ren. Kol­li­sio­nen und Stür­ze ha­ben ten­den­zi­ell gra­vie­ren­de­re Fol­gen.

Letzt­lich wä­re ein En­ga­ge­ment der Fach­stel­len auch ein Zei­chen ge­gen die ver­brei­te­te Trink­kul­tur auf den Pis­ten, wo man sich man­cher­orts zu­wei­len auf Mallor­ca wähnt. Die­ses Bal­ler­mann-ge­döns hat in den Ber­gen nun wirk­lich nichts ver­lo­ren.

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