Die SBB ha­ben am Bo­den ge­nug zu tun

Bahn­chef Andre­as Mey­er muss den Schie­nen­ver­kehr si­cher­stel­len. Für Flug­ta­xi-uto­pi­en wird er nicht be­zahlt, sagt De­nis von Burg

SonntagsZeitung - - STANDPUNKTE - Lei­ter Bun­des­haus­re­dak­ti­on

Ei­ne Kri­sen­bahn wie die Deut­sche Bahn sind die SBB nicht. Ei­ne Pro­blem­bahn al­le­weil. Die vor fast zehn Jah­ren in Auf­trag ge­ge­be­ne Be­schaf­fung der neu­en Dop­pel­stock­zü­ge ist ein De­ba­kel. Der von Bahn­chef Andre­as Mey­er aus­er­ko­re­ne Lie­fe­rant Bom­bar­dier lie­fer­te erst mit fünf Jah­ren Ver­spä­tung. Und jetzt, da sie fah­ren, wer­den die Zü­ge von ei­ner Pan­nen­se­rie heim­ge­sucht. Nun hat sich so­gar die Po­li­tik ein­ge­mischt, weil man be­fürch­tet, das De­ba­kel könn­te Steu­er­gel­der kos­ten.

Pan­nen, Ver­spä­tun­gen, Zu­g­aus­fäl­le sind an der Ta­ges­ord­nung. Ge­mäss im De­zem­ber von der Sonn­tags­zei­tung ver­öf­fent­lich­ten Zah­len wird es künf­tig nicht bes­ser: Im letz­ten Fahr­plan­jahr er­folg­ten 83,9 Pro­zent der An­künf­te auf den Fern­stre­cken mit we­ni­ger als 3 Mi­nu­ten Ver­spä­tung. Ein Jahr zu­vor wa­ren noch 85,6 Pro­zent so pünkt­lich – 1,7 Pro­zent mehr.

Auch der Gü­ter­ver­kehr ist ein Pro­blem­fall: Trotz im­mer neu­er Um­struk­tu­rie­run­gen schrei­ben die SBB Jahr für Jahr ro­te Zah­len. Die Ver­la­ge­rung der Gü­ter auf die Bahn, wo­für die sub­ven­tio­nier­ten SBB sor­gen müss­ten, ist bis jetzt un­er­füll­te Hoff­nung ge­blie­ben.

Die Bun­des­bah­nen – auch wenn wir sie im­mer noch lie­ben, wie wohl kein an­de­res Land ih­re Bahn – hat gros­se struk­tu­rel­le Pro­ble­me. Die Prei­se sind hoch. Trotz­dem ren­tie­ren nur we­ni­ge Pa­ra­de­stre­cken. Und Bes­se­rung ist nicht in Sicht. Der Aus­bau des Bahn­ver­kehrs ver­teu­ert die Bahn, ob­wohl mehr Pas­sa­gie­re trans­por­tiert wer­den. Im Zei­t­raum von 2025 bis 2035 sei­en Ta­rif­er­hö­hun­gen von 3 bis 5 Pro­zent not­wen­dig, um die SBB zu fi­nan­zie­ren, er­klär­te kürz­lich der Bund. Die Bun­des­bah­nen sind schlicht nicht ef­fi­zi­ent ge­nug.

Da ist es rich­tig und zwin­gend, dass sich Bahn­chef Andre­as Mey­er Ge­dan­ken über die Her­aus­for­de­run­gen durch die Mo­bi­li­tät der Zu­kunft und über die Di­gi­ta­li­sie­rung in der Mo­bi­li­tät macht. Doch er soll­te sei­ne Ge­dan­ken auf die Schie­ne und nicht in die Luft rich­ten. Un­ten auf der Er­de gibt es ge­nug zu tun. Flug­ta­xi-pro­jek­te sind nicht nur eher uto­pisch, sie lö­sen die Pro­ble­me des Mas­sen-öv, für den Mey­er ver­ant­wort­lich ist, nicht. Zu­dem sind Pro­jek­te wie das ge­plan­te Flug­ta­xi ord­nungs­po­li­tisch frag­wür­dig.

Die SBB sind ein Ser­vice-pu­b­lic-un­ter­neh­men, das den Schie­nen­ver­kehr in der Schweiz si­cher­stel­len soll. Da­für er­hält es von der öf­fent­li­chen Hand jähr­lich über drei Mil­li­ar­den Fran­ken. Die­ses Geld ha­ben die SBB in die Ver­bes­se­rung des Bahn­ver­kehrs zu in­ves­tie­ren und nicht in luf­ti­ge Flug­ta­xi­pro­jek­te. Wenn es ei­nes Ta­ges tat­säch­lich ei­nen Markt für Luft­ta­xis ge­ben soll­te, ist die­ser von ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men zu be­die­nen. Und so­lan­ge es da­für kei­nen po­li­ti­schen Auf­trag gibt, muss dies ein pri­va­tes und nicht ein staat­li­ches Un­ter­neh­men sein. Geht Sbb-mey­er in die Luft, läuft er bloss von sei­nen Pro­ble­men am Bo­den da­von.

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