Ein Ski­ge­biet für König Tho­mas

Glücks­pilz Tho­mas Frei darf 999 Per­so­nen zum Ski­fah­ren in die Fi­de­ri­ser Heu­ber­ge ein­la­den

SonntagsZeitung - - GETROFFEN - Chris Win­te­ler (Text) und Urs Jau­das (Foto)

Noch nie in sei­nem 41-jäh­ri­gen Le­ben hat­te Tho­mas Frei an ei­nem Wett­be­werb teil­ge­nom­men, we­der ein Glücks­los ge­kauft noch Lot­to ge­spielt. Gut, an ei­nem Jas­s­tur­nier hat­te er mal ei­nen gros­sen Sa­la­mi ge­won­nen, er lacht, «aus­ge­rech­net ich als Ve­ge­ta­ri­er». Aber das Schick­sal hat­te er noch nie her­aus­ge­for­dert – bis er von sei­ner Schwes­ter En­de Jah­res da­zu auf­ge­for­dert wur­de, an ei­nem Wett­be­werb des Ski­ge­bie­tes Fi­de­ri­ser Heu­ber­ge mit­zu­ma­chen. «Wä­re doch su­per, wenn wir ei­nen gan­zen Berg für uns ge­win­nen wür­den», hat­te sie ge­sagt.

Und so füll­te Tho­mas Frei online sei­nen ers­ten Wett­be­werb aus – und räum­te un­ter 11 000 Mit­strei­tern gleich den Haupt­preis ab: ein gan­zes Ski­ge­biet, 24 St­un­den lang, ex­klu­siv für sich und sei­ne Freun­de. 222 Per­so­nen dür­fen als sei­ne Gäs­te in den Heu­ber­gen über­nach­ten. Am nächs­ten Tag dür­fen wei­te­re 777 Per­so­nen gra­tis auf die Pis­te. Die fro­he Kun­de er­reich­te den Fa­mi­li­en­va­ter und Mar­ke­ting­lei­ter in der Sil­ves­ter­nacht. Heu­te Sonn­tag tritt der ers­te «König der Heu­ber­ge» sei­ne Re­gent­schaft an.

An­bü­geln ge­hört auf den Heu­ber­gen zum Ser­vice

Da­zwi­schen lag ei­ni­ges an Ar­beit. Wie bringt man 999 Leu­te nach Fi­de­ris? Wo über­haupt lie­gen die­se Heu­ber­ge? Heu­te weiss der Zürcher, das Ski­ge­biet liegt im Prät­ti­gau, im Bünd­ner­land, auf 2000 Me­tern über Meer. «Grüa­zi am Berg!» – ein über­schau­ba­res Ge­biet er­war­tet den Tross, klein und per­sön­lich. 15 Ki­lo­me­ter Ski­pis­te, 12Ki­lo­me­ter Schlit­tel­weg, drei Gast­häu­ser, zwei Re­stau­rants, zwei Bars. Man ist stolz auf die drei alt­mo­di­schen, vom Auss­ter­ben be­droh­ten Bü­gel­lif­te, «An­bü­geln durch den Bü­gel­mann ge­hört selbst­ver­ständ­lich zum Ser­vice», sagt Hen­rik Vetsch. Er lei­tet zu­sam­men mit Le­bens­part­ne­rin Sa­ra Wie­send­an­ger (sie hat­te die Idee für die Wer­be­ak­ti­on) die Ge­schäf­te, der Va­ter ist Vr-prä­si­dent und am­tet auch als Park­platz­an­wei­ser.

999 Freun­de al­so durf­te Tho­mas Frei ins Prät­ti­gau ein­la­den. Ganz schön viel. Er lacht. Wirk­lich gu­te Freun­de, die er seit ewig ken­ne, die in der Not für ihn da wä­ren, kön­ne er an ei­ner Hand ab­zäh­len. Aber ganz vie­le Leu­te woll­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen zu sei­nem Freun­des­kreis zäh­len: «Darf ich dein Freund sein?», ha­be manch ei­ner auf Face­book ge­fragt. Was ihn be­son­ders freut: Dank dem Wett­be­werbs­ge­winn ha­be er wie­der ei­nen Draht zu al­ten Be­kann­ten ge­fun­den, die er aus den Au­gen ver­lo­ren hat­te, ehe­ma­li­ge Fc-kol­le­gen zum Bei­spiel. Er hat sie oder sie ha­ben ihn kon­tak­tiert.

120 Leu­te hat er nun über Nacht ein­ge­la­den, so­dass je­der Gast in ei­nem Zim­mer mit ei­nem rich­ti­gen Bett näch­ti­gen kann. Das Ski­ge­biet ver­fügt näm­lich bloss über 290 Schlaf­plät­ze – vie­le da­von im Mas­sen­schlag, auf ei­ner Prit­sche mit Schlaf­sack. Na­tür­lich ha­be er auch sei­ne Schwes­ter, die trei­ben­de Kraft, und den Bru­der in die Ver­ant­wor­tung ge­nom­men. Zu­sam­men ha­ben sie ge­mein­sa­me Freun­de, Be­kann­te, Cou­sins und Tan­ten mo­bi­li­siert.

«Ein Fon­due­plausch mit 120 Men­schen, die mir al­le et­was be­deu­ten», «me­ga-cool» fin­det Tho­mas Frei das heu­ti­ge Abend­pro­gramm. Und dann Schlit­teln oder Nachtski­fah­ren – viel­leicht mit ei­nem, zwei Gläs­chen Bünd­ner Rö­te­li.

Die Ver­ga­be der 777 «roya­len Ski­päs­se» hat ihn al­ler­dings et­was über­for­dert. Wer kennt schon 777 Leu­te, die an ei­nem Mon­tag Zeit für ei­nen Aus­flug in die Ber­ge ha­ben? Gut mög­lich, dass mor­gen über­pro­por­tio­nal vie­le Coif­feu­sen die Heu­ber­ge run­ter­sau­sen wer­den. Tho­mas Frei hat die Gra­tis-ta­ges­kar­ten nicht nur be­triebs­in­tern, son­dern auch in Fri­seur­sa­lons aus­ge­schrie­ben. Die Ca­ri­tas Grau­bün­den hat er eben­falls kon­tak­tiert. Und spon­tan wie er ist, er­greift Frei auch die­se Ge­le­gen­heit: «Le­ser der Sonn­tags­zei­tung kön­nen sich ger­ne un­ter [email protected]­ber­ge.ch mel­den, Co­de: King Tho­mas.»

In Fi­de­ris ist man zu­ver­sicht­lich, dass man König Tho­mas ei­nen pracht­vol­len Auf­ent­halt bie­ten wird. Das Fa­mi­li­en­zim­mer im Berg­haus Arf li­na muss­te al­ler­dings erst kö­nig­lich her­ge­rich­tet wer­den, da­mit es zur an­ge­kün­dig­ten Roy­al Sui­te wur­de. «Die Fi­de­ri­ser Heu­ber­ge samt den 50 Be­diens­te­ten und dem Fuhr­park ste­hen König Tho­mas und sei­nem Hof­staat zur Ver­fü­gung», mel­det Ge­schäfts­füh­rer Vetsch, der ers­te Die­ner.

Zu Hau­se hat die fünf­jäh­ri­ge Prin­zes­sin Ele­ni das Sa­gen

König Tho­mas soll re­gie­ren, über Men­schen und Lif­te herr­schen! «Oje», sagt Frei, «die Rol­le liegt mir nicht.» Er er­he­be kei­ne Macht­an­sprü­che, «bei uns zu Hau­se herrscht die Toch­ter», Ele­ni, fünf Jah­re alt, ha­be das Sa­gen. Wel­che Ver­pflich­tun­gen er­war­ten König Tho­mas? Am Mon­tag müs­se er lo­ka­len Zei­tun­gen oder Fern­seh­sta­tio­nen ei­ne Au­di­enz ge­wäh­ren. Für das Ski­ge­biet ma­che er das gern. Er, der Mar­ke­ting­pro­fi, fin­det die Wer­be­ak­ti­on je­den­falls sehr ori­gi­nell, «man re­det dar­über». Und wis­se nun, wo die Fi­de­ri­ser Heu­ber­ge lie­gen.

Sohn Enea, 8, und Toch­ter Ele­ni fin­den es «me­ga cool», dass der Pa­pi jetzt be­rühmt ist. Als Prinz und Prin­zes­sin wür­den sie lie­bend gern im Fern­se­hen kom­men. Die Ehe­frau hin­ge­gen ha­be mit «no­bler Zu­rück­hal­tung» re­agiert, die Kö­ni­gin steht nicht gern im Ram­pen­licht. Noch wer­de zu Hau­se hef­tig dis­ku­tiert, ob die Kin­der «ge­zeigt wer­den sol­len». Wenn, dann nur mit Ski­bril­le und dick ein­ge­packt – ty­pisch Roy­al Fa­mi­ly halt.

Und wie ze­le­brie­ren sei­ne Ex­zel­lenz sich auf der Pis­te? «Am liebs­ten in der Ho­cke», sagt der be­geis­ter­te, laut ei­ge­ner Aus­sa­ge «nicht be­son­ders gu­te» Ski­fah­rer. Man pas­se sich mit dem Al­ter zwar an, «aber ja, ich mag es schnell». Und bei je­dem Hu­del­wet­ter. Das wird die ge­witz­ten Fi­de­ri­ser be­ru­hi­gen, denn Kai­ser­wet­ter kön­nen selbst sie nicht or­ga­ni­sie­ren.

Tho­mas Frei, 41, ist für ei­nen Tag Herr­scher über 15 Ki­lo­me­ter Ski­pis­ten und 12 Ki­lo­me­ter Schlit­tel­we­ge

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