Um­schwärmt, er­schüt­tert, ver­stummt

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY -

«Man Crush» nen­nen sie es in Über­see, wenn ein Mann über ei­nen an­de­ren so ins Schwär­men ge­rät,

dass es an Ver­liebt­heit grenzt. Rick Nash war ein Spie­ler, der für so man­chen Man Crush sorg­te. Kurz nach sei­nem 18. Ge­burts­tag wähl­te ihn Co­lum­bus an ers­ter Stel­le des Nhl­drafts 2002. «Er ist der Typ, den wir un­be­dingt woll­ten», rühm­te da­mals der Ge­ne­ral Ma­na­ger. Zwei Jah­re spä­ter er­lag Ar­no

Del Cur­to der Ver­su­chung. Vor dem Nhl-lock­out 2004/05 woll­te der Da­vos-trai­ner ei­gent­lich ei­nen Tsche­chen und ei­nen Slo­wa­ken. Dann wur­de ihm Rick Nash an­ge­bo­ten – und er griff zu. Der Stür­mer war mit zwan­zig ja schon bes­ter Tor­schüt­ze der NHL. Welt­büh­ne des Eis­ho­ckeys. Und ei­nen so stil­len Ab­gang auch nicht: Am Frei­tag trat Nash zu­rück, erst 34-jäh­rig. «Un­ge­lös­te Pro­ble­me/sym­pto­me nach ei­ner im März er­lit­te­nen Hir­ner­schüt­te­rung» sei­en der Grund.

Man­ches an die­sem Schritt ist un­ge­wöhn­lich, al­les trau­rig.

Denn es war nicht Nash selbst, der sei­nen Rück­tritt be­kannt gab, son­dern sein Agent via Twit­ter. «Das Ri­si­ko wei­te­rer Hirn­ver­let­zun­gen wä­re viel zu gross, wenn Rick wei­ter­spie­len wür­de», er­klär­te Joe Res­nick den drin­gen­den Rat der Ärz­te, «Rick möch­te al­len dan­ken, die ihm in die­ser schwie­ri­gen Zeit bei­ge­stan­den sind.»

Man kann es durch­aus als schlech­tes Zei­chen wer­ten, dass hier das Vo­ka­bu­lar ei­ner Ab­dan­kung ver­wen­det wird. Es darf ei­nen aber auch wü­tend ma­chen. Denn bei wel­chem Spiel im März er­litt Nash sei­ne – x-te – Hir­ner­schüt­te­rung? Spä­tes­tens am 17.März ge­gen Tam­pa Bay – Es wa­ren die letz­ten Auf­trit­te des einst Um­schwärm­ten. Die Pro­ble­me/sym­pto­me der Hir­ner­schüt­te­rung vom März wa­ren halt doch nicht ge­löst. Sie fin­gen, ganz im Stil­len, erst so rich­tig an.

da­nach kam er in der Re­gu­lar Sea­son nicht mehr zum Ein­satz. Und dann? Dann war er nach ex­akt 26 Ta­gen plötz­lich wie­der ge­sund. Pünkt­lich zum Play­offs­tart. Wie ma­gisch. Wie prak­tisch. Nash spiel­te in al­len zwölf Play­off­par­ti­en der Bos­ton Bru­ins.

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