«Mit dem Sla­lom ist es wie nach ei­ner Zwangs­hei­rat»

Als Fah­rer gab es bei ihm nur die Ein­stel­lung: Sieg oder Sarg. Als Trai­ner zieht er sei­ne Ath­le­ten auch mal auf dem Trot­ti­nett hin­ter dem Au­to her. Und als Fern­seh-ex­per­te ist Di­dier Pla­s­chy vor kur­zem fast durch­ge­dreht

SonntagsZeitung - - SKI ALPIN - Phil­ipp Rind­lis­ba­cher

Übun­gen zu kre­ieren, oh­ne da­bei vie­le Wor­te zu ver­lie­ren.

Spielt es ei­ne Rol­le, ob Sie mit Pro­fis oder Junioren ar­bei­ten?

Nein. Der Krug geht zum Brun­nen, bis er bricht. Ich will her­aus­fin­den, wel­cher Krug der stärks­te ist. Die Fra­ge ist: Was ist ein Ath­let be­reit zu in­ves­tie­ren? Die Dis­zi­plin Sla­lom führt über den Fleiss. Es braucht viel we­ni­ger Ge­fühl als auf der Ab­fahrt. Man muss im Sla­lom kein Ski-ge­nie sein wie Beat Feuz.

Und Zen­häu­sern war der Fleis­sigs­te?

Er ist ein Ar­beits­tier, ein in­tel­li­gen­tes Ar­beits­tier. Sieht er in ei­ner Übung kei­nen Sinn, ver­wei­gert er sie. Steht er da­hin­ter, trai­niert er bis zum Kol­laps. Vie­le an­de­re dach­ten: «Ach, wie­der so ei­ne Pla­s­chy-übung.» In­ter­es­san­ter­wei­se ha­ben auch Da­ni­el Yu­le und Loïc Meil­lard ei­ni­ge Übun­gen bis zum Schluss mit­ge­macht – wenn auch zäh­ne­knir­schend…

Von was für Übun­gen spre­chen Sie?

Die ty­pi­sche Ski­fah­rer-be­we­gung ist die Knie­beu­ge. Das Pro­blem ist: Man macht die­se Knie­beu­gung bei ho­hen Tem­pi, bei stän­dig wech­seln­dem Ge­län­de. Dar­auf muss man ei­nen Ath­le­ten vor­be­rei­ten – zum Bei­spiel mit Ber­gab­lau­fen, Tram­po­lin­sprin­gen. Ra­mon ist über zwei Me­ter gross, er muss­te erst ler­nen, sei­nen Kör­per zu kon­trol­lie­ren. Mit ihm ging ich Kick­bo­xen, Sur­fen, Schlitt­schuh­lau­fen, liess ihn Rol­ler­blades fah­ren. Und wir trai­nier­ten auf ei­nem Tep­pich, ei­ner Art Lauf­band, auf dem man Ski­fah­ren kann.

Hät­te er es oh­ne Ih­re Hil­fe an die Welt­spit­ze ge­schafft?

Ich weiss es nicht. Er war mein Ver­suchs­ka­nin­chen. Manch­mal dach­te ich: Hey, was ma­chen wir hier ei­gent­lich? Ein­mal stell­te ich ihn auf zwei mit­ein­an­der ver­schraub­te Trot­ti­netts und zog ihn mit ei­nem Seil hin­ter dem Au­to her. Aus Schutz trug er ei­ne kom­plet­te Eis­ho­ckey­aus­rüs­tung. Mir ging es dar­um, die Be­we­gung bei ho­hem Tem­po zu si­mu­lie­ren. Ra­mon fand es span­nend, ich sag­te: Das war Quatsch. Aber nur so lernt man als Coach; man muss et­was wa­gen, Feh­ler ein­se­hen und die Kon­se­quen­zen dar­aus zie­hen.

Ver­mis­sen Sie die Ex­pe­ri­men­tier­freu­dig­keit bei ge­wis­sen Trai­ner­kol­le­gen?

Trai­ner soll­ten sich auch mal ex­po­nie­ren, ih­re Idee ver­tre­ten. In der Schwei­zer Trai­ner­land­schaft fehlt ein we­nig die Kri­tik­kul­tur.

Das Schwei­zer Sla­lom­team ist so stark be­setzt wie nie zu­vor. Was trau­en Sie der Equi­pe zu?

Al­les! Wm-ti­tel, Olym­pia­sieg, klei­ne Kris­tall­ku­gel. Aber es gibt Hir­scher, Kristof­fer­sen wird noch lan­ge fah­ren, der Fran­zo­se No­ël ist ein Ge­nie, das sich selbst im Weg steht. Wir müs­sen noch mehr in­ves­tie­ren.

Wie fällt Ih­re ers­te Bi­lanz als Srf-ex­per­te aus?

In Ma­don­na di Cam­piglio hör­te ich mich im ers­ten Lauf mit zwei Se­kun­den Ver­zö­ge­rung, da dreh­te ich fast durch, fühl­te mich mi­se­ra­bel. Der zwei­te Lauf war rich­tig gut, es half, hat Yu­le ge­won­nen.

Ist Bern­hard Rus­si Ihr Vor­bild?

Vor­bild? (Über­legt) Rus­si war 31 Jah­re Ex­per­te. Er ist ei­ne Iko­ne.

Foto: Pe­dro Ro­d­ri­gues

Als Fah­rer ha­be er vie­les falsch ge­macht, sagt Di­dier Pla­s­chy, 45

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