Ei­gen­wil­lig und elo­quent

SonntagsZeitung - - SKI ALPIN - Prä­zi­sie­ren Sie.

1999 sieg­te Di­dier Pla­s­chy in Vail und Kran­js­ka Go­ra, mehr als zwei Sla­loms hat kein Schwei­zer ge­won­nen. Be­reits 2001, mit 27, trat der elo­quen­te und ei­gen­wil­li­ge Wal­li­ser zu­rück. Vier Jah­re spä­ter gab er ein Come­back, ge­wann vier Fis­ren­nen, riss sich das Kreuz­band und wur­de Trai­ner. Bei Swiss-ski be­treu­te er Ra­mon Zen­häu­sern, Loïc Meil­lard und Da­ni­el Yu­le. Der Fa­mi­li­en­va­ter (45) ist Co-di­rek­tor von Ski Va­lais und Tv-ex­per­te. (phr)

Was ra­ten Sie Fah­rern wie dem Schwei­zer Marc Rochat, der oft­mals gut un­ter­wegs ist, aber kaum ei­nen Lauf ins Ziel bringt?

Sie müs­sen ver­ges­sen kön­nen. Ich konn­te zehn­mal aus­schei­den, glaub­te im elf­ten Ren­nen den­noch an den Sieg. Da­ve Ry­ding lag letz­te Sai­son in Le­vi auf Sie­ges­kurs, er fiel aus und hat dies bis heu­te nicht ver­kraf­tet. Ein ex­tro­ver­tier­ter Typ, ein Drauf­gän­ger wie Rochat darf den Cha­rak­ter nicht än­dern, sonst be­raubt er sich sei­ner Qua­li­tät – der Lo­cker­heit. Aber er muss an sich ar­bei­ten. Hier liegt die Schwie­rig­keit: Die in­di­vi­du­el­le Be­treu­ung im Trai­ning wie im Ren­nen.

Was für ein Typ ist der Sla­lom­fah­rer?

Er ist ein akri­bi­scher, pe­dan­ti­scher Ar­bei­ter. Mit dem Sla­lom ist es wie nach ei­ner Zwangs­hei­rat: Du weisst nicht, was die Braut mit dir vor­hat, ob sie zu dir passt. Es ist gut mög­lich, dass du be­reits nach ein paar Se­kun­den ei­ne Ohr­fei­ge oder ei­nen Tritt zwi­schen die Bei­ne kriegst. Der Sla­lom­fah­rer ist Stan­ge für Stan­ge fünf Zen­ti­me­ter von ei­nem Ein­fäd­ler ent­fernt, es ist ein stän­di­ger Kampf mit der Prä­zi­si­on.

Sie ha­ben die Be­deu­tung der in­di­vi­du­el­len Be­treu­ung an­ge­spro­chen. Ist es sinn­voll, sich vom Ver­band los­zu­lö­sen?

Der in­di­vi­du­el­le Weg ist ein Muss. Der Ver­band aber ist ein sinn­vol­les Kon­strukt, vor al­lem was die Mög­lich­kei­ten in der Ver­mark­tung be­trifft, auch be­züg­lich In­fra­struk­tur. Den Dis­zi­pli­nen­chef se­he ich al­ler­dings eher als All­ge­mein­me­di­zi­ner, der ge­wis­se Dia­gno­sen sel­ber stel­len und ei­ni­ge Bo­bos hei­len kann, bei grös­se­ren Pro­ble­men aber Spe­zia­lis­ten hin­zu­zie­hen muss.

Wie of­fen ist Swiss-ski für den in­di­vi­du­el­len Weg? Mit Ra­mon Zen­häu­sern sol­len Sie im Ver­bor­ge­nen trai­niert ha­ben …

...Ra­mon mag mei­ne Phi­lo­so­phie. Man könn­te sa­gen: Er isst ger­ne ei­ne Pla­s­chy-bir­ne. Es ist ja nicht ver­bo­ten, Früch­te zu es­sen (lacht).

Es gibt aber kaum Aus­tausch zwi­schen Ih­nen und Swiss-ski.

Ei­gent­lich sind wir ei­ne gros­se Fa­mi­lie. Und in ei­ner Fa­mi­lie muss es nicht im­mer har­mo­nisch zu und her ge­hen. Wich­tig ist, dass ein Schwei­zer vor­ne klas­siert ist. Egal ob er aus Zer­matt oder Kem­me­ri­bo­den­bad kommt. (Über­legt) Ich weiss, dass ich po­la­ri­sie­re, dass mich ei­ni­ge mö­gen, ei­ni­ge has­sen.

Was für ein Coach sind Sie?

Ich bin sehr for­dernd, ein Fan von Ar­no Del Cur­to. Die De­vi­se lau­tet «drill and prac­tise», die em­pa­thi­schen Fä­hig­kei­ten sind nicht mei­ne Stär­ke. Ich kon­zen­trie­re mich eher auf Be­we­gungs­auf­ga­ben als auf Wor­te und ver­su­che die bes­ten

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