Der ers­te Tref­fer ent­schei­det

Der EV Zug stürzt mit dem 3:0-Aus­wärts­sieg Bern vom Le­a­der­thron

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY - Adrian Ruch

In der Na­tio­nal Le­ague gibt es der­zeit nur ein Du­ell, wel­ches das Eti­kett «Spit­zen­kampf» ver­dient: SC Bern ­ EV Zug. Die bei­den Clubs sind der Kon­kur­renz ent­rückt, al­le an­de­ren kämp­fen ent­we­der ge­gen den Ab­stieg oder um die Play­off­teil­nah­me. Gut be­setz­te Rän­ge, kein Druck durch die Ta­bel­le – op­ti­ma­le Be­din­gun­gen für ein Spek­ta­kel, könn­te man mei­nen. Tem­po und In­ten­si­tät sind denn auch hoch. Doch ein Tor fällt lan­ge nicht, und das kommt nicht von un­ge­fähr. Fragt man Ue­li Schwarz, ehe­mals Chef Leis­tungs­sport beim Ver­band und der­zeit un­ter an­de­rem Ex­per­te bei My­sports, nach den Stär­ken der Kon­tra­hen­ten, er­wähnt er zu­erst die Go­alies: «Leo­nar­do Ge­no­ni und To­bi­as Ste­phan spie­len un­glaub­lich gut, Ste­phan viel­leicht bes­ser denn je.» Die Ein­schät­zung von Schwarz wird durch die Sta­tis­tik be­stä­tigt: Ge­no­ni ist von den Stamm­tor­hü­tern be­züg­lich Ge­gen­torDurch­schnitt so­wie Ab­wehr­quo­te die Num­mer 1, Ste­phan die Num­mer 2.

Bei­de sind hin­ten stark und im Po­wer­play in­ef­fi­zi­ent

In den zehn Par­ti­en vor dem Show­down hat­te Bern nur ein­mal mehr als ei­nen Ge­gen­tref­fer zu­ge­las­sen. «Bern ist de­fen­siv ein­ge­stellt, al­le Blö­cke sind kompakt, je­der ar­bei­tet ge­gen hin­ten», ur­teilt Schwarz. Der Un­ter­hal­tungs­wert bei Bern sei nicht rie­sig, un­ter Ka­ri Ja­lo­nen ge­he es ein­zig ums Ge­win­nen. Die Zu­ger agier­ten et­was of­fe­ner, sei­en aber de­fen­siv den­noch her­vor­ra­gend or­ga­ni­siert. Die Qua­li­tä­ten des Le­a­ders und des ers­ten Ver­fol­gers sind auch im Du­ell of­fen­sicht­lich. Ob­wohl im ers­ten Drit­tel Bern vier und Zug fünf Mi­nu­ten in Über­zahl agie­ren kön­nen, müs­sen die Kee­per nur je sie­ben­mal ein­grei­fen.

Beim Po­wer­play sieht Schwarz denn beim SCB auch noch er­heb­li­ches Stei­ge­rungs­po­ten­zi­al. «Die Ber­ner spie­len in Über­zahl nicht schlecht, aber oh­ne No­reau und Un­ter­san­der an der blau­en Li­nie sind sie we­ni­ger ge­fähr­lich als vor ei­nem Jahr.» No­reau trägt nun das Zsc­tri­kot, Un­ter­san­der ist dau­er­ver­letzt. Zugs Er­folgs­quo­te im Po­wer­play ist so­gar noch et­was tie­fer, aber Schwarz hält fest, mit den so­ge­nann­ten Ad­van­ced Sta­tis­tics las­se sich be­le­gen, dass die Zu­ger von al­len Teams am meis­ten Tor­ge­fahr kre­ierten.

Bril­lant vor dem ei­ge­nen Tor, mäs­sig er­folg­reich im Po­wer­play. In­so­fern kann es nicht über­ra­schen, steht es 35 Mi­nu­ten lang 0:0. Es muss viel zu­sam­ men­kom­men, da­mit der ers­te Tref­fer fällt: Scb­ka­na­di­er Zach Boy­chuk kas­siert ei­ne har­te Stra­fe, Cap­tain Si­mon Mo­ser ver­liert in Un­ter­zahl den Stock, und Evz­flü­gel Da­rio Si­mi­on lenkt die Schei­be glück­haft mit dem Bein ins Tor.

Haas trifft – aber in das ei­ge­ne, von Ge­no­ni ver­las­se­ne Tor

Im letz­ten Drit­tel setzt sich die Ten­denz fort, dass der SCB in die­ser Sai­son Mü­he hat, auf ei­nen Rück­stand zu re­agie­ren. Im An­griff sind die Zu­ger brei­ter ab­ge­stützt, die Ber­ner stark von den Aus­län­dern und den Na­tio­nal­stür­mern Mo­ser, Haas und Scherw­ey ab­hän­gig. Tref­fen die­se nicht, darf der SCB kaum ein Tor zu­las­sen, sonst ge­winnt er nicht. Dies­mal trifft zwar Gaë­tan Haas, aber zum 0:3 ins ver­las­se­ne ei­ge­ne Tor. Dank dem Aus­wärts­sieg ist nun Zug Le­a­der und Bern der ers­te Ver­fol­ger.

Foto: P. Klaun­zer/keystone

Da­rio Si­mi­on, Schüt­ze des 1:0, setzt Berns Ab­wehr und Go­a­lie Ge­no­ni un­ter Stress

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