Sieht mein Hin­tern dick . . .

SonntagsZeitung - - GESELLSCHAFT -

ta­te der Neu­zeit: Die Sand­uhr­fi­gur kommt in der Rea­li­tät ge­nau­so we­nig vor wie Ama­zo­nen mit rie­si­gen, tor­pe­do­ar­ti­gen Brüs­ten – es schei­tert schlicht an bio­lo­gi­schen Ge­setz­mäs­sig­kei­ten: Schlan­ke Frau­en ha­ben meist we­ni­ger Fett und da­her meist auch klei­ne­re Brüs­te. Mo­del­mas­se plus ei­ne gros­se Ober­wei­te sind des­halb ge­nau­so ei­ne Fan­ta­sie wie jetzt Kar­da­shi­ans Rie­sen­hin­tern in Kom­bi­na­ti­on mit ih­rer We­spen­tail­le.

Den­noch wird die­ses ar­ti­fi­zi­el­le Ex­trem mitt­ler­wei­le als schön emp­fun­den. Als schön galt bis­lang Ma­ri­lyn Mon­roes oder So­phia Lo­rens Tail­le-hüft-ver­hält­nis von 0,7 – Kim Kar­da­shi­ans WHR (waisthip ra­tio) be­trägt 0,61. Selbst der Main­stream be­trach­tet das in­zwi­schen als er­stre­bens­wert. So sehr, dass sich die ent­spre­chen­den ope­ra­ti­ven Ein­grif­fe in­ner­halb von drei Jah­ren bei­na­he ver­dop­pelt ha­ben. Die jähr­li­che Sta­tis­tik der In­ter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gung der plas­ti­schen Chir­ur­gie (Is­aps) zeigt, dass die Ver­grös­se­rung des Hin­ter­teils mit­tels Im­plan­ta­ten oder Un­ter­sprit­zung mit Ei­gen­fett so ra­sant zu­nimmt wie kaum ein an­de­rer Ein­griff: von 220 000 im Jahr 2014 auf 416 000 im Jahr 2017. Für die Schweiz lie­gen kei­ne kon­kre­ten Zah­len vor, aber Mark Nuss­ber­ger, Prä­si­dent der Schwei­ze­ri­schen Ge­sell­schaft für Äs­the­ti­sche Chir­ur­gie, be­stä­tigt, dass «die Nach­fra­ge dies­be­züg­lich in den letz­ten Jah­ren ge­stie­gen ist». Er geht da­von aus, «dass auch in der gan­zen Schweiz der Trend der Ge­säss­ver­grös­se­rung mit den Un­ter­su­chun­gen der Is­aps über­ein­stimmt».

Zu viel Fett aufs Mal kann Ge­fäs­se ver­stop­fen

Da­bei ist der Ein­griff nicht un­ge­fähr­lich. Oder viel­mehr: Er ist über­aus ge­fähr­lich. Bei kei­ner an­de­ren Schön­heits­ope­ra­ti­on ist das Ri­si­ko grös­ser, an Kom­pli­ka­tio­nen zu ster­ben. Die Pa­ti­en­tin­nen er­lei­den im schlimms­ten Fall ei­ne Em­bo­lie, wenn zu viel Fett aufs Mal mit ho­hem Druck in­ji­ziert wird und die­ses dann Ge­fäs­se in Lun­ge oder Herz ver­stopft. Cyn­thia Wol­fens­ber­ger, plas­ti­sche Chir­ur­gin mit ei­ge­ner Pra­xis in Zü­rich, macht den Ein­griff nicht ger­ne, mit Im­plan­ta­ten ar­bei­tet sie gar nicht: «Die Naht da­für ver­läuft in der Ge­säss­spal­te. Wenn da bei der Wund­hei­lung et­was nicht gut läuft, dann gu­te Nacht.»

Wenn über­haupt, spritzt sie Ei­gen­fett, aber ver­teilt über meh­re­re Be­hand­lun­gen, was die Kos­ten er­höht und ein Grund ist, wes­halb, gera­de im Aus­land, zu viel aufs Mal in nur ei­ner Sit­zung in­ji­ziert wird. Und na­tür­lich wün­schen sich vie­le Pa­ti­en­tin­nen – ge­nau wie da­mals bei den Brüs­ten – grös­se­re Vo­lu­mi­na, als aus me­di­zi­ni­scher Sicht gut­ge­heis­sen wer­den

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