Ver­pas­sen ist die neue Acht­sam­keit

SonntagsZeitung - - GESELLSCHAFT -

Er­in­nern Sie sich noch an letz­te Wo­che, mei­ne Da­men und Her­ren?

Als wir an die­ser Stel­le ein paar Phä­no­me­ne auf­ge­lis­tet ha­ben, die wir in die­sem Jahr ge­trost ver­pas­sen kön­nen? Je­den­falls: Jah­re nach­dem ich an die­ser Stel­le für den Se­gen des Ver­pas­sens be­reits das Akro­nym Jo­mo (= Joy of Mis­sing Out) ge­prägt ha­be, ist es nun ei­ne gros­se Freu­de für mich, dass ein dä­ni­scher Psy­cho­lo­gie­pro­fes­sor na­mens Svend Brinkmann ein Buch auf den Markt bringt mit dem Ti­tel: «The Joy of Mis­sing Out». Dies je­den­falls mel­det die «Fi­nan­ci­al Ti­mes». Te­nor des Werks: Eman­zi­pa­ti­on vom hy­per­ak­ti­ven, über­sti­mu­lier­ten, spät­di­gi­ta­len Le­ben un­se­rer Ta­ge – durch den Rück­griff auf die al­ten Idea­le der Zu­rück­hal­tung und Mäs­si­gung. Da­zu ein paar Hand­rei­chun­gen:

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Statt die Heer­scha­ren von An­ge­stell­ten (und Uni­ver­si­täts­do­zen­ten) zu ver­grös­sern, die sich «car­pe diem» über die Schul­ter­blät­ter tä­to­wie­ren las­sen, ent­schei­den Sie sich für: «Mor­gen ist auch noch ein Tag.» Da­für brau­chen

Statt neu­ro­ti­scher Über­ak­ti­vi­tät kann es schliess­lich auch als Zei­chen ge­lin­gen­den Le­bens durch­ge­hen, wie früh man zu Bet­te geht. Oder ge­nau­er: wie selbst­be­stimmt. Sie et­was brei­te­re Schul­tern, aber so ist das eben. re­la­tiv ein­fach mit Nein­sa­gen be­wäl­ti­gen. (= Fe­ar of Mis­sing Out) heisst Fo­bo (= Fe­ar of Bet­ter Op­ti­ons). Die in un­se­ren Ta­gen all­zu ge­läu­fi­ge Mul­ti­op­ti­ons­läh­mung an­ge­sichts der wahr­ge­nom­me­nen Viel­zahl at­trak­ti­ver Mög­lich­kei­ten löst sich al­ler­dings in nichts auf,

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