Gebt uns Sau­res

Zi­trus­früch­te reg­ten einst die Sam­mel­lei­den­schaft der Ade­li­gen an. Heu­te be­flü­geln sie die Fan­ta­sie von Spit­zen- und Hob­by­kö­chen.

SonntagsZeitung - - GESELLSCHAFT -

Spit­zen­kochs den Zi­tro­nen­ku­chen de­kon­stru­iert vor­ge­setzt.

Die Po­pu­la­ri­tät der Zi­trus­früch­te hat aber auch mit ih­rer be­son­de­ren Ge­schich­te zu tun.

Ur­sprüng­lich stam­men Zi­tro­nen und Oran­gen wohl aus dem Nor­den In­di­ens. Wie und wann ge­nau die Zi­tro­ne nach Eu­ro­pa kam, ist selbst un­ter Ex­per­ten um­strit­ten. For­sche­rin­nen fan­den aber in Pom­peii sechs Zi­tro­nen­ker­ne aus dem 2. Jahr­hun­dert vor Chris­tus. Die Bit­teror­an­ge wur­de von Kreuz­rit­tern nach Eu­ro­pa ge­bracht, die süs­se Oran­ge im 15. Jahr­hun­dert nach Ita­li­en ein­ge­führt. Und dann, im 16. Jahr­hun­dert, be­gann die Zi­t­ro­ma­nie. Ade­li­ge in ganz Eu­ro­pa fin­gen an, sich ei­nen Wett­streit um die schöns­te, gröss­te, aus­ser­ge­wöhn­lichs­te Zi­trus-samm­lung zu lie­fern. Die Hö­fe ver­such­ten, sich ge­gen­sei­tig zu über­trump­fen. Wis­sen­schaft­ler forsch­ten auf ih­ren Rei­sen nach neu­en Va­rie­tä­ten, mit de­nen sie die Samm­lun­gen der Ade­li­gen be­stück­ten.

Vor­nehm nann­te man die Sam­mel­wut Zi­trus­kul­tur. Im 17. Jahr­hun­dert gab es na­he­zu kei­ne Adels­fa­mi­lie, die nicht we­nigs­tens ei­nen Zi­tro­nen­baum vor­zu­wei­sen hat­te. Denn Zi­trus­früch- te gal­ten als Zei­chen von Wohl­stand. No­blen Gäs­ten wur­den sie als kost­ba­re Ge­schen­ke ge­reicht, Künst­ler mal­ten die Früch­te. Be­son­ders auf­se­hen­er­re­gend war die Kol­lek­ti­on der Fa­mi­lie Me­di­ci in Flo­renz. Sie um­fass­te be­son­ders aus­ge­fal­le­ne und sel­te­ne Früch­te. Im Ers­ten Welt­krieg muss­te die Me­di­ci-samm­lung zwar schwe­re Schä­den hin­neh­men, weil die «Li­mo­naia», wo die Pflan­zen sonst vor der Käl­te ge­schützt wa­ren, als Mi­li­tär­hos­piz ge­nutzt wur­de und man die Ge­wäch­se meh­re­re Win­ter im Frei­en ste­hen liess. Trotz­dem gilt die Zi­trus-kol- lek­ti­on im Gar­ten der Vil­la Me- di­ci di Ca­s­tel­lo und im Bo­bo­liGar­ten in Flo­renz heu­te noch als um­fang­reichs­te und be­deu­tends­te der Welt. Spe­zia­li­sier­te Gärt­ner küm­mern sich um die sel­te­nen Ge­wäch­se – auch wenn in den letz­ten Jah­ren das Geld für die Zi­trus-pf le­ge im­mer knap­per ge­wor­den ist. 30 Mi­nu­ten Ge­übt

Foto: Na­ta­ša Man­dić

2017 wur­den 25 452 Ton­nen Zi­tro­nen in die Schweiz ein­ge­führt. er­gibt 3 Glä­ser à 1 dl 250 g Cle­men­ti­nen, ge­schält ge­wo­gen½ Li­met­te1 Va­nil­le­scho­te150 g Ge­lier­zu­cker 2:1 2 Stern­anis3 Eier1 TL Mais­stär­ke100 g But­terCle­men­ti­nen schä­len und in Schnit­ze tren­nen. Li­met­te aus­pres­sen. Cle­men­ti­nen mit Li­met­ten­saft pü­rie­ren. Va­nil­le­scho­te längs auf­schnei­den. Mark her­aus­krat­zen. Cle­men­ti­nen­pü­ree, Zu­cker, Va­nil­le­scho­te, Mark und Anis in ei­ner Pfan­ne mi­schen. Auf­ko­chen und ca. 8 Mi­nu­ten spru­delnd ko­chen. Cle­men­ti­nen­mas­se durch ein Sieb in ei­ne Pfan­ne strei­chen. Eier und Mais­stär­ke ver­rüh­ren und da­zu­ge­ben. Mas­se bei klei­ner Hit­ze un­ter stän­di­gem Rüh­ren lang­sam er­hit­zen, bis die Mas­se bin­det. Vor­sicht: nicht mehr ko­chen! Pfan­ne vom Herd zie­hen. But­ter in Wür­fel un­ter­rüh­ren. In heiss aus­ge­spül­te Glä­ser ab­fül­len und ver­schlies­sen.Zum Ser­vie­ren Din­kel-frisch­ei­waf­feln im To­as­ter oder im Ofen kurz rös­ten. Waf­feln und et­was Cle­men­ti­nen-curd zu­sam­men ser­vie­ren. Nach Be­lie­ben mit Cle­men­ti­nen­schei­ben de­ko­rie­ren.

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