Ei­ne Beiz, die den Gast läch­seln lässt

SonntagsZeitung - - KULINARIK - Aus­ge­rech­net Lachs!

Wir ken­nen aus den USA ja Lo­ka­le, die spe­zia­li­siert sind ein­zig auf Pou­lets. Oder sol­che, die aus­schliess­lich Do­nuts ver­kau­fen. Und es leuch­tet ein, dass die Piz­za im­mer dann am bes­ten schmeckt, wenn ei­ne Beiz nichts an­de­res auf­tischt. Trotz­dem ha­ben wir nicht schlecht ge­staunt, als wir vor kur­zem hör­ten, dass es in Win­ter­thur seit bald ei­nem Jahr ein Re­stau­rant gibt, das prak­tisch nur Rauchlachs ver­kauft.

Weil wir zu den­je­ni­gen ge­hö­ren,

die wäh­rend der Fei­er­ta­ge nicht zu viel von der De­li­ka­tes­se ver­putzt ha­ben, be­su­chen wir al­so in der ers­ten Ja­nu­ar­wo­che das

Frisk Fisk. Und be­gin­nen das Abend­es­sen gleich mit – na, was wohl? – drei Sor­ten Lachs: ein­mal kalt ge­räu­chert, ein­mal ge­beizt, ein­mal mit Ran­de ver­fei­nert und ent­spre­chend vio­lett leuch­tend. Ser­viert wer­den die­se Fisch­tran­chen mit haus­ge­mach­tem Brot, (lei­der et­was lieb­los ge­schäl­ten und ge­schnit­te­nen) ro­ten Zwie­beln, Senf- und Meer­ret­tich­sau­ce. Der fet­ti­ge Fisch, so sind wir uns bald ei­nig, schmeckt hier köst­lich und über­haupt nicht tra­nig. Was will man mehr? Dass für fai­re zehn Fran­ken pro Glas of­fe­ner Fran­ci­a­cor­ta, al­so edels­ter ita­lie­ni­scher Schaum­wein, an­ge­bo­ten wird, macht uns rich­tig gu­te Lau­ne.

Als Haupt­spei­se be­schlies­sen wir,

so­gleich – na, was wohl? – Lachs zu be­stel­len. Zum Bei­spiel als Ta­tar mit ro­hem Wach­te­lei – sehr grad­li­nig, bloss gibt es da­zu nur un­ge­rös­te­tes Brot. Zum Bei­spiel als Ran­den­lachs-sa­shi­mi, was we­gen der asia­tisch an­ge­hauch­ten Vi­n­ai­gret­te be­son­ders raf­fi­niert wirkt. Aber auch war­men Rauchlachs, mit ei­nem schön durch­ge­gar­ten, faust­gros­sen Ba­ked Po­ta­to so­wie Crè­me fraîche, Schnitt­lauch und Lachs­fo­rel­len­ka­vi­ar – auch dies ei­ne fei­ne Sa­che. Wenn­gleich un­se­rer Mei­nung nach die ho­he Qua­li­tät des Lach­ses vom nor­we­gi­schen Räu­che­rer Fre­drik Møl­ler An­der­sen für die­se Dar­rei­chungs­form fast zu scha­de ist. An­ders aus­ge­drückt: We­gen uns muss nächs­tes Mal die

In­zwi­schen trin­ken wir of­fe­nes Bier

aus dem ver­schla­fe­nen Dorf Weisslingen, gut ei­ne hal­be St­un­de von Win­ter­thur ent­fernt: herr­li­ches Pa­le Ale von der Braue­rei Im Berg. Es er­gänzt die Fisch­spe­zia­li­tä­ten im Frisk Fisk grad so her­vor­ra­gend wie zu­vor der Schaum­wein. Und es sorgt da­für, dass wir bald satt sind. Falls doch noch je­mand Hun­ger hät­te, könn­ten wir uns, so das Kon­zept, noch et­was über die Gas­se ein­pa­cken las­sen. Na, was wohl? Da­ni­el Bö­ni­ger

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