Us-se­nio­ren brau­chen Me­dien­trai­ning

SonntagsZeitung - - WISSEN - Alexandra Bröhm

Im Wahl­kampf 2016 teil­ten sie viel häu­fi­ger Fa­ke News als Jun­ge

In den letz­ten Jah­ren war es im­mer wie­der The­ma, dass Kin­der und Ju­gend­li­che heut­zu­ta­ge ei­ne gu­te Me­dien­er­zie­hung brau­chen. Sie sol­len ler­nen, wie sie in der di­gi­ta­len Welt mit Wahr- und Un­wahr­hei­ten um­ge­hen. Ei­ne neue Stu­die von Us-for­schern zeigt nun: Ei­ne an­de­re Al­ters­grup­pe hät­te die­ses Trai­ning min­des­tens so drin­gend nö­tig. Wäh­rend des Wahl­kamp­fes für die ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len im Jahr 2016 wa­ren es vor al­lem Ame­ri­ka­ner über 65 Jah­ren, die auf Face­book Fa­ke News oder er­fun­de­ne Nach­rich­ten teil­ten. Die über 65-Jäh­ri­gen teil­ten fal­sche Nach­rich­ten sie­ben­mal häu­fi­ger als die jüngs­te Al­ters­grup­pe, die viel mehr Me­di­en­kom­pe­tenz be­wies. Ob die Se­nio­ren da­bei wuss­ten, dass sie Fa­ke News wei­ter­ver­brei­te­ten, ist nicht klar. Die über 65-Jäh­ri­gen ga­ben die ge­fälsch­ten Nach­rich­ten mehr als dop­pelt so häu­fig wei­ter wie die zweit­äl­tes­te Al­ters­grup­pe der 45- bis 65-Jäh­ri­gen.

Am meis­ten Me­di­en­kom­pe­tenz be­wie­sen die 18- bis 29-Jäh­ri­gen, die kaum er­fun­de­ne Nach­rich­ten­ar­ti­kel an ih­re Freun­de wei­ter­lei­te­ten. War­um es vor al­lem die Se­nio­ren wa­ren, dar­über kön­nen die Au­to­ren nur spe­ku­lie­ren. So­zio­lo­gi­sche Stu­di­en hät­ten be­reits ge­zeigt, dass die Se­nio­ren beim Ver­ständ­nis, wie die di­gi­ta­le Me­di­en­welt funk­tio­nie­re, noch stark hin­ter­her­hink­ten. Gleich­zei­tig sei gera­de die­se Al­ters­grup­pe mit ih­rer Me­di­en­nut­zung noch viel zu we­nig er­forscht. Aus die­sem Grund for­dern die Au­to­ren drin­gend mehr Stu­di­en dar­über, wie sich Se­nio­ren im Netz, das sie erst in fort­ge­schrit­te­nem Al­ter ken­nen ge­lernt ha­ben, fort­be­we­gen.

Kon­ser­va­ti­ve Wäh­ler sind bei der Ver­brei­tung von Fa­ke News deut­lich in der Über­zahl

Ins­ge­samt war es ei­ne klei­ne Grup­pe von Nut­zern, die über­haupt ge­fälsch­te Nach­rich­ten wei­ter­lei­te­te. Wäh­ler mit ei­ner re­pu­bli­ka­ni­schen Ge­sin­nung wa­ren da­bei in der Über­zahl. 18 Pro­zent der Re­pu­bli­ka­ner teil­ten Fa­ke News, wäh­rend es bei den De­mo­kra­ten nur 3,5 Pro­zent wa­ren. Bei der Selbst­ein­schät­zung der Ge­sin­nung fiel das Re­sul­tat noch ein­deu­ti­ger aus: Wäh­ler, die sich als kon­ser­va­tiv oder sehr kon­ser­va­tiv ein­schätz­ten, wa­ren bei den Fa­ke News deut­lich in der Über­zahl. Für ih­re Stu­die wer­te­ten die For­scher ei­ne On­li­n­eum­fra­ge mit 3500 Teil­neh­mern aus. Aus­ser­dem ga­ben ih­nen mehr als 1300 der Um­fra­ge­teil­neh­mer Zu­gang zu ih­ren Face­book-pro­fi­len, auf de­nen er­sicht­lich wur­de, wer was wann ge­teilt hat­te. Mit ih­rer Stu­die woll­ten die Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler auch her­aus­fin­den, wie sich Wäh­ler wäh­rend ei­nes Wahl­kampfs po­li­tisch in­for­mie­ren.

Mög­lich wä­re zu­dem, dass bei kon­ser­va­ti­ven Wäh­lern grund­sätz­lich mehr Fa­ke News in ih­rem Face­book-news­feed auf­tauch­ten, schrei­ben die For­scher. In­zwi­schen ist klar, dass fal­sche News­ge­schich­ten auf Face­book wäh­rend des Wahl­kampfs ge­zielt ge­streut wur­den, um Wäh­ler­stim­men für Do­nald Trump zu ge­ne­rie­ren.

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