Zer­knit­tert durch die Nacht

Tipp der Wo­che: Der Ber­ner King Pe­pe treibts nun elek­tro­nisch

SonntagsZeitung - - TIPPS - Be­ne­dikt Sar­t­ori­us King Pe­pe: Kar­ma OK (Der ge­sun­de Men­schen­ver­sand)

Von Zeit zu Zeit muss man sich fra­gen, wer man ist. Ei­ner sol­chen Selbst­ana­ly­se stellt sich King Pe­pe gleich im ers­ten, steck­brie­far­ti­gen Song sei­nes neu­en Al­bums. «Stand­ort­be­stim­mung» heisst die­ser, und die Hö­rer er­fah­ren, dass man da ei­nem 40-jäh­ri­gen, re­for­mier­ten, pri­vi­le­gier­ten, weis­sen Mann zu­hört, der das Le­ben ei­gent­lich «no guet» fin­det und doch auch sei­ne Pro­ble­me kennt. Und man spürt schnell: Es ist nicht al­les okay im Da­sein von King Pe­pe, der sich in sei­nen Songs zer­knit­tert gibt und im rich­ti­gen Le­ben Si­mon Ha­ri heisst. Auf sei­nem neu­en Al­bum «Kar­ma OK» wen­det sich der Ber­ner ge­mein­sam mit dem Schlag­zeu­ger und Pro­du­zen­ten Ri­co Bau­mann al­ten elek­tro­ni­schen Be­at­ma­schi­nen zu. Vor­bei sind da­mit die Zei­ten, in de­nen sei­ne Mun­dart­songs nach Ba­s­tel­kel­ler-rock klan­gen oder wie auf sei­nem letz­ten Al­bum in Jazz-ar­ran­ge­ments ge­klei­det wur­den. King Pe­pe will bloss tan­zen, vor­ab im Par­ty­track «Macht­nüt­mir­si­high», der in der la­ko­ni­schen Zei­le «D Nacht bricht i – u mir brä­che uf und er­brä­che ufe Tre­se» ei­nen be­rufs­ju­gend­li­chen Abend im Aus­gang zu­sam­men­fasst. Er fährt dann auch los mit sei­nem Opel As­tra, der Traum der Frei­heit fährt mit. «Mir fah­re dür die gan­zi Wäut u bis a Rand u drü­ber­us – oder ine Wand», be­rich­tet King Pe­pe in sei­ner un­er­schüt­ter­li­chen Art, die das Gros­se ganz schnell wie­der zu­recht­stutzt, mit drei klei­nen Wor­ten.

Über­haupt sind die klei­nen Wor­te und exis­ten­zi­el­len Ein­zei­ler wie «Mönsch si isch pas­sé» die Spe­zi­al­dis­zi­plin die­ses so raf­fi­nier­ten Song­schrei­bers: Er weckt gan­ze Er­in­ne­run­gen an die Ju­gend­zeit in den 90ern mit ei­nem Ti­tel wie «Lam­brus­co». Ju­belt Feel-good­tracks un­ter, die «Öp­pis schöns ka­putt ma­che» heis­sen, um in ei­nem spä­te­ren Song wie «En­de der Ge­duld» al­ler un­ter­drück­ten Wut frei­en Lauf zu las­sen.

Bei al­ler lus­ti­gen Träf­heit die­ses elek­tro­nisch pul­sie­ren­den Al­bums: King Pe­pe ist ei­ner, der die Me­lan­cho­lie der di­gi­ta­len Ge­gen­wart nie ver­gisst – und ge­nau des­halb längst zu den gros­sen Mun­d­art-pop-au­to­ren zu zäh­len ist.

Pop:

Es ist nicht al­les okay im Da­sein von King Pe­pe: Si­mon Ha­ri (r.) mit Schlag­zeu­ger und Pro­du­zent Ri­co Bau­mann

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