Der ge­hei­me Sta­di­on-de­al

Um beim Sta­di­on­pro­jekt ein Drit­tel güns­ti­ge Woh­nun­gen zu er­rei­chen, kann die Stadt der Cre­dit Suis­se 125 zu­sätz­li­che Woh­nun­gen ab­kau­fen – für 90 Mil­lio­nen Fran­ken. Dar­an ha­ben we­der Lin­ke noch Rech­te Freu­de.

Tages Anzeiger - - Vorderseite - Beat Metz­ler

Für das neue Sta­di­on wirbt die Stadt Zü­rich auch da­mit, dass 299 ge­mein­nüt­zi­ge Woh­nun­gen er­stellt wür­den. Neue Ge­nos­sen­schafts­woh­nun­gen ent­ste­hen aber le­dig­lich 174. Die rest­li­chen 125 könn­te die Stadt der Cre­dit Suis­se ab­kau­fen und da­nach zu ge­mein­nüt­zi­gen Be­din­gun­gen ver­mie­ten. Das ist das Re­sul­tat von Ver­hand­lun­gen, in de­nen links-grü­ne Po­li­ti­ker Druck mach­ten auf die Gross­bank. Die CS ist am Sta­di­on­pro­jekt mit zwei 137 Me­ter ho­hen Wohn­tür­men be­tei­ligt. Die De- tails des De­als sind bis­her weit­ge­hend un­be­kannt ge­blie­ben. Ge­mäss Ta-in­for­ma­tio­nen ver­tei­len sich die 125 Woh­nun­gen auf fünf Häu­ser. Die­se kos­ten rund 90 Mil­lio­nen Fran­ken, da­zu kom­men Sa­nie­rungs­aus­ga­ben von rund 8 Mil­lio­nen. Die SP, die das Pro­jekt En­sem­ble be­kämpft, hält die Häu­ser für «eher un­at­trak­tiv» und teu­er. Laut den Be­für­wor­tern eig­nen sie sich gut für ge­mein­nüt­zi­ges Woh­nen. Die durch­schnitt­li­che Mie­te lie­ge nicht viel hö­her als bei Ge­nos­sen­schaf­ten.

In der um­kämpf­tes­ten Zürcher De­bat­te des Herbs­tes gibt es ei­nen dunk­len Fleck, ein Ge­heim­nis, das nur Ein­ge­weih­te ken­nen. Und doch stüt­zen die Be­für­wor­ter der Vor­la­ge für ein neu­es Hard­turm­sta­di­on ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on teil­wei­se dar­auf ab.

Auf ih­rem Face­book-pro­fil schreibt die Stadt Zü­rich, dass das Pro­jekt En­sem­ble «die Er­stel­lung von 299 ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nun­gen um­fasst». Neu ge­baut werden aber nur 174 ge­mein­nüt­zi­ge Woh­nun­gen; auf der Ost­sei­te des Sta­di­ons, im Auf­trag der Ge­nos­sen­schaft ABZ. Die rest­li­chen 125 ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nun­gen wür­de die Stadt da­zu­kau­fen. Ir­gend­wo in Zü­rich.

Sie bil­den ei­ne Art Kom­pen­sa­ti­on für die rund 600 Woh­nun­gen, die die Cre­dit Suis­se in zwei Hoch­häu­sern auf der West­sei­te des Sta­di­ons bau­en will. Die Gross­bank wür­de die­se Apart­ments zu Markt­prei­sen ver­mie­ten. Ein Teil die­ses Pro­fits soll das Sta­di­on quer­fi­nan­zie­ren.

Auf die Woh­nung ge­nau

In die­ser ur­sprüng­li­chen Form wi­der­sprach das Pro­jekt ei­nem zen­tra­len Ziel der links-grü­nen Mehr­heit: den An­teil güns­ti­ger Woh­nun­gen in Zü­rich auf ein Drit­tel zu er­hö­hen. Bei der Be­ra­tung in der Kom­mis­si­on for­der­ten lin­ke Mit­glie­der da­her mehr Ge­nos­sen­schafts­woh­nun­gen.

Ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten wur­den an­ge­dacht, un­ter an­de­rem bot die CS Lie­gen­schaf­ten aus ih­rem Be­sitz zum Ver­kauf an. Städ­ti­sche Spe­zia­lis­ten prüf­ten meh­re­re Häu­ser, man ei­nig­te sich auf 125 kon­kre­te Woh­nun­gen in Zü­rich. Die­se wür­de die Stadt nach dem Er­werb zu ge­mein­nüt­zi­gen Mie­ten ver­ge­ben. Das Ein-drit­tel-ziel wä­re er­reicht. Fast aufs Zim­mer ge­nau.

Un­klar bleibt, um welche Woh­nun­gen es sich da­bei han­delt. Laut In­for­ma­tio­nen des «Ta­ge­sAn­zei­gers» tei­len sie sich auf fünf Lie­gen­schaf­ten auf. Die gröss­te da­von mit über 60 Woh­nun­gen wird noch ge­baut. Die an­de­ren stam­men aus den Jah­ren 1954, 1959, 1963 und 1983. Da­rin be­fin­den sich bis 24 Woh­nun­gen. Die Cre­dit Suis­se gibt den Markt­wert der vier al­ten Häu­ser ge­mein­sam auf 30 Mil­lio­nen Fran­ken an. Den Neu­bau schätzt sie auf rund 60 Mil­lio­nen Fran­ken. Bei den vier be­ste­hen­den Häu­sern ste­hen «mit­tel­fris­tig» gros­se Sa­nie­run­gen an. Zu­sam­men kos­ten die­se Ar­bei­ten min­des­tens 8 Mil­lio­nen Fran­ken. Die Stadt müss­te al­so si­cher 98 Mil­lio­nen Fran­ken aus­ge­ben.

Laut Ver­ein­ba­rung kann die Stadt die Woh­nun­gen erst er­wer­ben, wenn die zwei Wohn­tür­me ste­hen. Dies könn­te in vier Jah­ren der Fall sein oder erst in zwölf. Es hängt von den Re­kur­sen ab. Ab­ge­rech­net wird zum dann gel­ten­den Markt­preis, die­sen dür­fen Schät­zer im Auf­trag der Cre­dit Suis­se fest­le­gen. Die Gross­bank hat sich recht­lich zu ih­rem An­ge­bot ver­pflich­tet. Die Stadt hin­ge­gen kann im­mer noch aus­stei­gen. We­gen des ho­hen Be­trags müss­ten die Zürche­rin­nen und Zürcher den Kauf an der Ur­ne ge­neh­mi­gen.

SP: Nur die CS ge­winnt

Po­li­tisch kommt der Han­del fast über­all schlecht an. Die SP, die das En­sem­ble-pro­jekt be­kämpft, spricht von ei­nem «miss­lun­ge­nen Ge­heim­de­al». «Auf städ­ti­schem Grund wie dem Hard­turm müs­sen 100 Pro­zent ge­mein­nüt­zi­ge Woh­nun­gen ent­ste­hen», sagt Sp-ge­mein­de­rä­tin Ve­ra Zis­wi­ler. Das ha­be die Par­tei im­mer ge­for­dert. Zü­rich-west brau­che kei­ne wei­te­ren teu­ren Woh­nun­gen.

Auch das An­ge­bot über­zeu­ge nicht: «Die CS ver­sucht, der Stadt sa­nie­rungs­be­düf­ti­ge, eher unat­trak­ti­ve Woh­nun­gen zu ei­nem ho­hen Preis an­zu­dre­hen», sagt Zis­wi­ler. We­gen der stei­gen­den Im­mo­bi­li­en­prei­se könn­ten die fünf Häu­ser am En­de weit über 100 Mil­lio­nen Fran­ken kos­ten. Die Be­für­wor­ter wür­den die­sen Preis in der Kam­pa­gne ab­sicht­lich nicht er­wäh­nen. Beim Pro- jekt En­sem­ble ge­be es nur ei­ne Ge­win­ne­rin: die Cre­dit Suis­se.

Die Bür­ger­li­chen hal­ten die­se Kri­tik für un­red­lich. «Es war die SP, die die CS zu die­sem Han­del dräng­te. Das grenz­te an Er­pres­sung. Am En­de ist sie dann trotz­dem aus­ge­stie­gen», sagt FDPGe­mein­de­rat Urs Eg­ger. Dies sei dop­pelt un­schön. Die SP sieht das an­ders. Ver­schie­de­ne Sei­ten, auch die Sp-de­le­ga­ti­on, hät­ten Ver­schie­de­nes ver­han­delt, sagt Ve­ra Zis­wi­ler. Den vor­lie­gen­den De­al ha­be man von An­fang an skep­tisch be­ur­teilt.

Über die ge­nau­en Ab­läu­fe bei den Ver­hand­lun­gen ge­hen die An­sich­ten der Be­tei­lig­ten aus­ein­an­der. Ei­nig­keit herrscht al­ler­dings in ei­nem Punkt: Oh­ne Druck durch Links-grün hät­te die Cre­dit Suis­se die 125 Woh­nun­gen kaum ins Spiel ge­bracht.

FDP, SVP und GLP hal­ten ei­ne sol­che Kom­pen­sa­ti­on für un­nö­tig. Das Ein-drit­tel-ziel gel­te für die gan­ze Stadt und nicht für je­des ein­zel­ne Pro­jekt, sagt Urs Eg­ger. Mo­men­tan be­ur­tei­len al­so fast al­le Par­tei­en das Cs-an­ge­bot kri­tisch.

SP und Bür­ger­li­che leh­nen den De­al mit der Cre­dit Suis­se ab – aus ge­gen­tei­li­gen Grün­den.

Adres­sen blei­ben ge­heim

Ver­tei­digt wird es von Hans Klaus, des­sen Pr-agen­tur KMES Part­ner die Kam­pa­gne der Be­für­wor­ter lei­tet. «Die Vor­la­ge hält sich ans Ein-drit­tel-ziel, das po­li­tisch breit ab­ge­stützt ist», sagt Klaus. In den Ver­hand­lun­gen ha­be die Cre­dit Suis­se rasch und un­bü­ro­kra­tisch re­agiert, die an­ge­bo­te­nen Häu­ser eig­ne­ten sich gut für den ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau. Von Ge­heim­nis­tue­rei kön­ne man nicht spre­chen. Hans Klaus: «Aber wenn die Adres­sen der Häu­ser be­kannt wür­den, könn­te das den Markt be­ein­flus­sen.»

Auch der Stadt­rat be­grüs­se das Ent­ge­gen­kom­men der Cre­dit Suis­se, sagt Patrick Pons, Spre­cher von Fi­nanz­vor­stand Da­ni­el Leu­pi (Grü­ne). Die Häu­ser pass­ten grund­sätz­lich ins städ­ti­sche Port­fo­lio. Die Durch­schnitts­mie­te pro Qua­drat­me­ter be­tra­ge der­zeit et­wa 270 Fran­ken im Jahr, das sei nicht viel mehr als bei Ge­nos­sen­schaf­ten üb­lich. Auch ver­heim­li­che der Stadt­rat nichts. «An der letz­ten Pres­se­kon­fe­renz gab Da­ni­el Leu­pi Aus­kunft über den Preis.»

Fo­to: Wal­ter Bie­ri (Keysto­ne)

Der Hard­turm: Über sei­ne Zu­kunft stimmt Zü­rich En­de No­vem­ber ab.

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