Der FDP ge­hen die Kan­di­da­ten aus

Nie­mand möch­te ge­gen Ka­rin Kel­ler-sut­ter an­tre­ten. Bei der FDP macht sich ei­ne For­fait-kul­tur breit.

Tages Anzeiger - - Vorderseite - Chris­toph Lenz

Die Aus­wahl an mög­li­chen Nach­fol­gern von Jo­hann Schnei­der-am­mann ver­rin­gert sich wei­ter: Der Zürcher Stän­de­rat Rue­di No­ser nimmt sich aus dem Ren­nen, und auch der Bünd­ner Mar­tin Schmid ver­zich­tet. Bei­de wol­len Ka­rin Kel­ler-sut­ter (SG) den Vor­rang ge­ben. Der Man­gel an Kan­di­da­ten bringt die FDP in Be­dräng­nis – nicht zu­letzt, weil sie in der Ver­gan­gen­heit je­weils ei­ne Aus­wahl ver­lang­te. Kommt hin­zu, dass ei­ne Ei­n­er­kan­di­da­tur die Ge­fahr er­höht, dass Spreng­kan­di­da­ten zum Zug kom­men.

Wie ger­ne und ge­schwol­len re­den sie doch im­mer vom Wett­be­werb, die Frei­sin­ni­gen. Mög­lichst un­ein­ge­schränkt müs­se er spie­len, mög­lichst rein sei­ne Kräf­te ent­fal­ten kön­nen. Je här­ter, des­to bes­ser. Schliess­lich ga­ran­tie­re nur er da­für, dass sich am En­de die bes­te Idee, die bes­te Lö­sung, die bes­te Per­son durch­set­ze.

Es ist in­so­fern schon ein biss­chen auf­fäl­lig: Kaum hat­te Stän­de­rä­tin Ka­rin Kel­ler-sut­ter vor drei Wo­chen si­gna­li­siert, dass sie ei­ne Bun­des­rats­kan­di­da­tur prüft, wur­de so­zu­sa­gen der ge­sam­te frei­sin­ni­ge Par­tei­ap­pa­rat von ei­ner blitz­ar­ti­gen und sehr um­fas­sen­den Wett­be­werbs­un­lust be­fal­len. Die Ca­ro­nis, Bur­karts, Gös­sis und Wal­tis be­eil­ten sich förm­lich, ihr der­zei­ti­ges – nur der­zei­ti­ges! – Des­in­ter­es­se an ei­nem Bun­des­rats­sitz mit­zu­tei­len. Die Se­rie von frei­sin­ni­gen For­faits setz­te sich die­se Wo­che fort. Ges­tern sag­te mit Stän­de­rat Mar­tin Schmid der letz­te wirk­lich ernst zu neh­men­de An­wär­ter ab. Nicht oh­ne sei­nen Rück­zug auf die Ge­schlech­ter­fra­ge ab­zu­schie­ben. Er hät­te zwar ger­ne kan­di­diert, schrieb Schmid, wol­le aber dem ver­brei­te­ten Wunsch nach ei­ner frei­sin­ni­gen Frau nicht im We­ge ste­hen.

Die Aus­gangs­la­ge für die Er­satz­wahl von Jo­hann Schnei­derAm­mann prä­sen­tiert sich nun aus­ge­spro­chen un­be­frie­di­gend. Soll die FDP der Bun­des­ver­samm­lung nur Kel­ler-sut­ter zur Wahl vor­schla­gen, wie be­reits ge­for­dert wird? Es wä­re aus zwei Grün­den falsch. Ers­tens ist es his­to­risch ei­ne po­si­ti­ve Ent­wick­lung, dass Bun­des­rats­wah­len im­mer trans­pa­ren­ter ver­lau­fen und im­mer sel­te­ner durch Hin­ter­zim­mer­ma­nö­ver ent­schie­den werden. Ei­ner­ti­ckets la­den aber gera­de da­zu ein, wil­de Kan­di­da­ten ins Amt zu hie­ven. Zwei­tens schöpft ein Ma­gis­trat sei­ne Le­gi­ti­ma­ti­on auch dar­aus, dass er sein Amt in ei­ner de­mo­kra­ti­schen Wahl er­hal­ten, dass sich das Par­la­ment für ihn und ge­gen ei­nen an­de­ren ent­schie­den hat. Es wä­re ei­ne schö­ne Un­ge­rech­tig­keit, wenn Ka­rin Kel­ler-sut­ter oh­ne die­ses Macht­fun­da­ment ins Amt star­ten müss­te, nur weil sich die ge­sam­te Kon­kur­renz aus Angst vor ei­ner Schlap­pe da­von­stahl.

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