Vio­la Am­herd, ein Me­di­en­op­fer?

Der «Wal­li­ser Bo­te» be­rich­tet über ein Ge­richts­ur­teil ge­gen die CVP-FRAU – und wird da­für an­ge­pran­gert.

Tages Anzeiger - - Meinungen - Fa­bi­an Renz

Hat ein Ge­richt Sie ver­ur­teilt, je­man­dem 250 000 Fran­ken zu­rück­zu­zah­len? Ist das Ge­richt zum Schluss ge­kom­men, dass Sie sich die Vier­tel­mil­li­on un­recht­mäs­sig an­ge­eig­net ha­ben? Fän­den Sie es nor­mal, all­täg­lich und kei­nes Auf­he­bens wert, wenn ge­gen Sie ein sol­ches Ur­teil vor­lä­ge?

Die Un­ter­stüt­zer von Vio­la Am­herd, mög­li­cher Cvp-bun­des­rats­kan­di­da­tin, fin­den: Ja, so ist es. Dar­auf las­sen die Re­ak­tio­nen schlies­sen, nach­dem der «Wal­li­ser Bo­te» am Mitt­woch ein Ver­dikt des Bri­ger Be­zirks­ge­richts pu­blik ge­macht hat. Laut dem Ge­richt hat Am­herd von ei­ner Fir­ma 250 000 Fran­ken zu viel Ge­bäu­de­mie­te ein­ge­sackt. Die Wal­li­ser Cvp-na­tio­nal­rä­tin ficht das Ur­teil vor Kan­tons­ge­richt an. Doch statt dass über die Af­fä­re und ih­re Fol­gen für die Bundesratswahl dis­ku­tiert wird, ge­rät die Zei­tung ins Vi­sier, die als ers­te dar­über schrieb.

So et­wa beim «Echo der Zeit» von Radio SRF, das am Mitt­woch­abend über den Fall be­rich­te­te. Das Ur­teil ge­gen Am­herd war der Sen­dung kaum drei Sät­ze wert. Da­für be­klag­te der Be­richt­er­stat­ter aus­führ­lich die Ver­schwö­rung durch Geg­ner, der die «her­vor­ra­gen­de» Po­li­ti­ke­rin nun zum Op­fer fal­le. An­de­re Me­di­en nah­men das Nar­ra­tiv auf. Die «Aar­gau­er Zei­tung» et­wa kon­sta­tier­te ein «Kes­sel­trei­ben» durch den «Wal­li­ser Bo­ten» und ver­wies auf ein kri­ti­sches Por­trät, das dort kurz zu­vor er­schie­nen war. Dass auch die CVP Ober­wal­lis und wei­te­re Ver­bün­de­te von «ten­den­ziö­ser Verun­glimp­fung» Am­herds spra­chen, über­rascht da kaum noch.

Viel­leicht drängt sich ei­ne sim­ple­re Be­trachungs­wei­se auf. Der «Wal­li­ser Bo­te» hat im Fall Am­herd schlicht sei­nen Job ge­macht. Gu­te Re­gio­nal­jour­na­lis­ten sind nicht Cla­queu­re ih­rer Ob­rig­kei­ten. Sie de­cken auf, was die (Lo­kal-)mäch­ti­gen ver­ste­cken wol­len. Wer ei­ner Zei­tung ei­ne In­for­ma­ti­on zu­trägt, das kann na­tür­lich eben­falls von Be­deu­tung sein – im Fall Am­herd al­ler­dings von nach­ge­la­ger­ter. Bun­des­rat ist das höchs­te po­li­ti­sche Amt der Schweiz. Wenn ei­ne po­ten­zi­el­le Kan­di­da­tin in Rechts­hän­del ver­strickt ist, muss das the­ma­ti­siert werden. Der «Wal­li­ser Bo­te» hat es sau­ber und fair ge­tan.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.