Zwei Bör­sen­neu­lin­ge auf Tal­fahrt

Bei VAT und Lan­dis + Gyr läuft es we­ni­ger gut. Bei­de ha­ben den­sel­ben Gross­ak­tio­när.

Tages Anzeiger - - Wirtschaft - Ernst Mei­er

Der Her­stel­ler von Va­ku­um­ven­ti­len VAT aus Haag im St. Gal­ler Rhein­tal ist in der Öf­fent­lich­keit we­nig be­kannt. Seit dem Bör­sen­gang vom April 2016 sorg­te das Un­ter­neh­men vor al­lem für Schlag­zei­len, weil es mit stark wach­sen­den Ver­kaufs­zah­len und ei­nem steil nach oben zei­gen­den Bör­sen­kurs die An­le­ger er­freu­te. Zeit­wei­se war das gröss­te Pro­blem von VAT, die vie­len Be­stel­lun­gen zeit­ge­recht ab­ar­bei­ten zu kön­nen. Doch nun ist der Boom ge­stoppt wor­den.

Die­se Wo­che ver­kün­de­te VAT, dass für rund 400 Mit­ar­bei­ter in der Pro­duk­ti­on in Haag ab Mon­tag Kurz­ar­beit gel­te. Die Mass­nah­me ist vo­r­erst bis En­de Jahr be­grenzt und hat zur Fol­ge, dass je nach Ab­tei­lung Pen­sen zwi­schen 20 und 60 Pro­zent re­du­ziert werden. Die Ak­tie ver­lor die­se Wo­che 12 Pro­zent, nach­dem sie schon seit Wo­chen nach­ge­ge­ben hat­te; in der Jah­res­bi­lanz steht sie mit 33 Pro­zent im Mi­nus. Schon län­ger mehr­ten sich die An­zei­chen, dass das Ge­schäft von VAT nicht mehr so gut läuft wie im letz­ten Jahr. Da­mals in­ves­tier­ten die Kun­den noch kräf­tig in neue Pro­duk­ti­ons­an­la­gen, die es für die Her­stel­lung von Spei­cher­chips und OLED-BILD­schir­men – wie bei­spiels­wei­se im ipho­ne X – braucht.

Laut ei­nem Fir­men­spre­cher sieht man bei VAT kei­nen Grund zur Be­un­ru­hi­gung. Das Un­ter­neh­men wuchs 2016 um ein Vier­tel, im letz­ten Jahr so­gar um 36 Pro­zent. Die Zahl der Mit­ar­bei­ter er­höh­te sich von 1200 auf über 2000. «Nun ist im zwei­ten Halb­jahr ei­ne er­war­te­te Ab­schwä­chung des Mark­tes ein­ge­trof­fen», heisst es bei VAT. Ei­ne gu­te Na­se ha­ben aus heu­ti­ger Sicht die bei­den Zu­ger Fi­nanz­in­sti­tu­te Part­ners Group und Cap­vis ge­habt. Die­se über­nah­men die In­dus­trie­fir­ma 2014 von der Grün­der­fa­mi­lie. Nach nur zwei Jah­ren brach­ten sie VAT an die Bör­se. Vor knapp ei­nem Jahr stie­gen sie dann aus. Neu­er Gross­ak­tio­när mit 10,3 Pro­zent wur­de der Ba­sel­bie­ter In­ves­tor Ru­dolf Maag. Laut Cash.ch soll Maag 400 Mil­lio­nen Fran­ken für sei­ne Be­tei­li­gung be­zahlt ha­ben, der­zeit liegt der Wert des Ak­ti­en­pa­kets un­ter 300 Mil­lio­nen.

Maag kauf­te zu teu­er

Der öf­fent­lich­keits­scheue Maag hält grös­se­re Ak­ti­en­pa­ke­te an meh­re­ren Schwei­zer Fir­men, dar­un­ter auch an Lan­dis + Gyr. Die­ses In­vest­ment be­rei­tet ihm noch we­ni­ger Freu­de. Der Zu­ger Strom­zäh­ler­her­stel­ler ging im Ju­li 2017 an die Bör­se. Die da­ma­li­ge Be­sit­ze­rin, die ja­pa­ni­sche To­shi­ba, brauch­te Geld und muss­te Lan­dis + Gyr los­wer­den. Doch nie­mand woll­te den Ja­pa­nern den ge­wünsch­ten Preis zah­len. So kam der Zu­ger Tra­di­ti­ons­kon­zern für 2,3 Mil­li­ar­den Fran­ken an die Bör­se – zu teu­er aus heu­ti­ger Sicht.

Da­bei sind die Pro­ble­me bei Lan­dis + Gyr ganz an­de­rer Na­tur als bei VAT. Die Ge­schäf­te des Strom­zäh­ler­her­stel­lers har­zen schon Län­ge­rem. Lan­dis + Gyr­schreibt der­zeit nur in der Re­gi­on Ame­ri­ka/ Ja­pan Ge­winn. Im Ma­nage­ment kam es zu­dem jüngst zu meh­re­ren plötz­li­chen Ab­gän­gen. Mehr Auf­schluss werden die Quar­tals­zah­len En­de Mo­nat ge­ben.

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