«Über das Gan­ze ge­rech­net, re­sul­tiert ein Ver­lust»

Hy­po­the­ken – ab­zah­len oder nicht? Vie­le Wohn­ei­gen­tü­mer über­se­hen, dass sie un­ter dem Strich oft Geld ver­lie­ren. TA vom 8.10.

Tages Anzeiger - - Debatte -

Lie­gen­schaft als Ei­gen­ka­pi­tal kau­fen Na­tür­lich scha­det es ei­ner Volks­wirt­schaft, wenn auch pri­vat ge- oder miss­brauch­te Schul­den steu­er­lich gel­tend ge­macht werden kön­nen. Und wenn die Men­schen nicht zwi­schen Fremd- und Ei­gen­ka­pi­tal un­ter­schei­den kön­nen, es für sie schon zum «Üb­li­chen» ge­hört, dass ei­ne Lie­gen­schaft mit Hy­po­the­ken be­las­tet ist. Man hat fast ver­ges­sen, dass ei­ne Lie­gen­schaft auch aus 100 Pro­zent Ei­gen­ka­pi­tal ge­kauft werden kann und durch ei­ne so­ge­nann­te Amor­ti­sa­ti­ons­hy­po­thek ei­ne pri­vat ge­nutz­te Lie­gen­schaft im Ren­ten­al­ter schul­den­frei ist. Dies führt im En­d­er­geb­nis da­zu, dass die Schweiz welt­weit wohl die Spit­ze hin­sicht­lich des Aus­mas­ses hy­po­the­ka­ri­scher Be­las­tung von Lie­gen­schaf­ten über­haupt hält. Udo Adri­an Es­sers, Küs­nacht

Steu­er­er­spar­nis ist be­schei­den Die Kun­den sind bei­lei­be nicht be­ra­tungs­re­sis­tent. Herr Wen­ger ist noch nie ei­nem An­la­ge­be­ra­ter der Bank ge­gen­über­ge­ses­sen und hat ver­sucht, ihm klar­zu­ma­chen, dass er die Hy­po­thek zu­rück­zah­len will. Trotz mei­ner kla­ren Mei­nung hat der An­la­ge­be­ra­ter das The­ma bei ei­ner wei­te­ren Zu­sam­men­kunft wie­der an­ge­schnit­ten. Ich muss­te rich­tig laut werden, da­mit die Sa­che end­lich er­le­digt war. Die Steu­er­er­spar­nis gibt es schon, aber über das Gan­ze ge­rech­net, re­sul­tiert ein Ver­lust, oder man muss hö­he­re Ri­si­ken ein­ge­hen. Hans Steiner, Grei­fen­see

Mit Im­mo­bi­li­en­spa­ren gut ge­fah­ren Da ich als Laie bei An­la­ge­ent­schei­den den Trend eh zu spät er­ken­ne und die Cour­ta­gen plus De­pot­ge­büh­ren die ak­tu­ell tie­fen Er­trä­ge zu ei­nem schö­nen Teil gleich wie­der wett­ma­chen, bin ich die letz­ten dreis­sig Jah­re mit selbst be­wohn­tem Im­mo­bi­li­en­spa­ren rück­bli­ckend sehr gut ge­fah­ren. Ich er­ach­te es, wie in Ih­rem Schluss­satz er­wähnt, für fi­nan­zi­ell sinn­vol­ler, die Hy­po­the­ken ab­zu­zah­len. Viel­leicht wird der eu­ro­pa­weit un­sin­ni­ge Ei­gen- miet­wert doch ein­mal ab­ge­schafft. Ich ha­be mei­ne Fremd­be­las­tung bei mei­ner or­dent­li­chen Pen­sio­nie­rung mit Ren­ten­gel­dern auf 20 Pro­zent des Schätz­werts der Bank re­du­ziert. Der Markt­wert der Lie­gen­schaft liegt we­sent­lich hö­her. Trotz­dem gab mir mei­ne lang­jäh­ri­ge Hy­po­thekar­bank un­miss­ver­ständ­lich zu ver­ste­hen, dass die Trag­bar­keit nach mei­ner Pen­sio­nie­rung nicht mehr ge­ge­ben sei und ich die zu­rück­be­zahl­te Hy­po­thek nie mehr ak­ti­vie­ren kön­ne. Aber viel­leicht wird in 5 bis 20 Jah­ren auch in der Schweiz die Ver­zehr­hy­po­thek für Wohn­ei­gen­tü­mer im Ren­ten­al­ter üb­lich. Aus die­sen Grün­den hat die Schweiz ei­ne der welt­weit höchs­ten Wohn­ei­gen­tums­ver­schul­dun­gen. Flemming Gu­bler, Wol­lerau

Die Rea­li­tät sieht an­ders aus Im Ar­ti­kel wird mir ge­ra­ten, mein Geld in Wert­pa­pie­ren an­zu­le­gen, dies zu mei­nem Vor­teil. Die Mär von der gu­ten Fee na­mens Fi­nanz­bran­che lässt sich je­doch mit ei­ner ein­fa­chen Rech­nung wi­der­le­gen. Ich ge­be der Bank 5000 Fran­ken auf ein Spar­kon­to und er­hal­te da­für ei­nen Zins von 2,5 Pro­zent (125 Fran­ken). Die Bank legt das Geld wie im Ar­ti­kel be­schrie­ben in Wert­schrif­ten an und er­zielt ei­nen Ge­winn von 5 Pro­zent (250 Fran­ken). Die Bank macht so­mit ei­nen Ge­winn von sa­gen­haf­ten 100 Pro­zent. Doch wie wir al­le wis­sen, sieht die Rea­li­tät ganz an­ders aus. Die Ban­ken zah­len so gut wie kei­ne Zin­sen auf Spar­kon­tos. Ich fra­ge mich nun, war­um will mir die Fi­nanz­bran- che den Han­del mit Wert­schrif­ten schmack­haft ma­chen? Liegt da ir­gend­wo noch ein Fluch der bö­sen He­xe in der Luft? Chris­toph Kä­lin, Glatt­fel­den

In­fla­ti­on nicht ver­ges­sen In dem Ar­ti­kel wird et­was ganz We­sent­li­ches un­ter­schla­gen: die In­fla­ti­on. Nun ja, in letz­ter Zeit war sie ganz be­schei­den, die Le­bens­kos­ten be­tref­fend. Aber wie stehts mit den Im­mo­bi­li­en­prei­sen? Un­ser ge­erb­tes Haus ha­ben wir nach 25 Jah­ren zum zehn­fa­chen Schät­zungs­wert von da­mals ver­äus­sert. Da war denn die Rück­zah­lung der Hy­po­thek nur noch ein Klacks. Mer­ke: In der In­fla­ti­on sind die Spa­rer die Bestoh­le­nen, die Schuld­ner aber werden be­lohnt. Mei­ne De­vi­se: Mach oder be­hal­te so viel Schul­den wie mög­lich. Die In­fla­ti­on ist ge­gen­wär­tig noch tief. Aber am Ho­ri­zont zeich­net sich be­reits ei­ne Rück­kehr zu «nor­ma­len» Ver­hält­nis­sen ab. Pe­ter Mei­er (on­line)

Ei­gen­miet­wert wird da­zu­ge­rech­net Der Ar­ti­kel un­ter­schlägt den Ei­gen­miet­wert. Die­ser wird näm­lich zum Ein­kom­men da­zu­ge­rech­net und voll ver­steu­ert. Falls man kei­ne Hy­po­thek hat, kann man da­ge­gen nichts ab­zie­hen. Die be­spro­che­ne Si­tua­ti­on wä­re nur im Fall rich­tig, wenn der Ei­gen­miet­wert nicht exis­tie­ren wür­de. Auch dann gilt: Falls ich das Ka­pi­tal ha­be und die Hy­po­thek nicht ab­zah­le, kann ich da­mit auch die be­schrie­be­nen Ge­win­ne ma­chen. Mar­tin Or­do­dy (on­line)

Nicht zu viel Ka­pi­tal bin­den Ein Tipp: Ge­hen Sie nicht un­ter den amt­li­chen Wert, eher 20 Pro­zent dar­über. Den­ken Sie an Ih­ren Part­ner; nicht zu viel Ka­pi­tal bin­den. 100 000 Fran­ken cash kos­tet als zu­sätz­li­che Hy­po­thek 90 Fran­ken pro Mo­nat. Es bringt ab­so­lut nichts, das Geld im Haus zu ha­ben, aus­ser Sie ha­ben wirk­lich viel zu viel. Patrick Seel­mann (on­line)

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