Pfle­ge­hei­me: Ner­vo­si­tät we­gen schwar­zer Lis­te

30 Pfle­ge­hei­me ver­rech­nen zu ho­he Ta­ri­fe. Das schreckt Be­woh­ner und Be­hör­den auf.

Tages Anzeiger - - Zürich - Da­ni­el Schnee­be­li

Es war un­er­freu­li­che Post, welche die Ge­mein­de­be­hör­den und die Be­zirks­rä­te am Don­ners­tag er­hal­ten ha­ben. Nach­for­schun­gen der kan­to­na­len Ge­sund­heits­di­rek­ti­on (GD) ha­ben er­ge­ben, dass 30 Pfle­ge­hei­me im Kan­ton zu ho­he Ho­tel­le­rie­prei­se ver­rech­nen. In dem Brief macht die GD die Ge­mein­den auf den Miss­stand auf­merk­sam und for­dert sie auf, in ih­ren Hei­men zum Rech­ten zu se­hen. Zu­dem lag dem Brief teil­wei­se ei­ne schwar­ze Lis­te der ver­däch­tig­ten Hei­me bei.

Der Gos­sau­er Ge­mein­de­prä­si­dent Jörg Kün­dig (FDP), der auch Prä­si­dent des Ge­mein­de­prä­si­den­ten­ver­ban­des ist, zeigt sich er­leich­tert, dass er die Watch-list nicht be­kom­men hat. Das heisst, die In­sti­tu­tio­nen in Gos­sau, mit de­nen die Ge­mein­de zu­sam­men­ar­bei­tet, ver­rech­nen Ta­ri­fe in der ak­zep­ta­blen Band­brei­te. Gleich­zei­tig ist Kün­dig be­sorgt über das Aus­mass des Pro­blems. Bö­ser Wil­le sei wohl in kei­nem Heim im Spiel: «Man ver­stösst ja nicht wil­lent­lich ge­gen das Pfle­ge­ge­setz.» Er räumt aber ein, dass so­wohl Hei­me wie Ge­mein­den von un­recht­mäs­si­gen Qu­er­sub­ven­tio­nie­run­gen der Pfle­ge aus der Ho­tel­le­rie pro­fi­tie­ren kön­nen. Die Hei­me, weil sie ei­ne bes­se­re Bi­lanz vor­wei­sen kön­nen, und die Ge­mein­den, weil ih­re De­fi­zit­bei­trä­ge klei­ner werden.

Meh­re­re Fäl­le in Zü­rich

Wes­halb die Ta­ri­fe so hoch sei­en, müs­se in je­dem Ver­dachts­fall ein­zeln ge­prüft werden, sagt Kün­dig. Er wür­de sich wün­schen, dass die schwar­ze Lis­te nicht nur für Stand­ort­ge­mein­den, son­dern für al­le Be­hör­den ein­seh­bar wä­re. Grund: Es gibt Gos­sau­er, die in aus­wär­ti­gen Hei­men woh­nen und für de­ren Pfle­ge­kos­ten Gos­sau auf­kom­men muss. «Da wüss­te ich gern, ob die­se Hei­me auf der Lis­te ste­hen.» Wei­ter kri­ti­siert Kün­dig die man­gel­haf­te Kos­ten­trans­pa­renz bei aus­wär­ti­gen Hei­men: «Wenn wir Rech­nun­gen be­kom­men, die weit über der Norm lie­gen, kön­nen wir kei­ne Kon­trol­len durch­füh­ren, son­dern höchs­tens nach­fra­gen und zah­len.»

Im Brief für die Stadt Zü­rich war die schwar­ze Lis­te bei­ge­legt, wie Ve­ra Schäd­ler, Me­dien­spre­che­rin des Ge­sund­heits­de­par­te­men­tes be­stä­tigt. Zwar steht kei­nes der zehn städ­ti­schen Pfle­ge­zen­tren im Ver­dacht. Doch von den neun Hei­men, mit de­nen die Stadt Zü­rich Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen ge­schlos­sen hat, sind drei be­trof­fen. Welche, woll­te Schäd­ler aber nicht be­kannt ge­ben: «Wir prü­fen zu­erst, ob das Kos­ten­de­ckungs­prin­zip in die­sen Hei­men wirk­lich nicht ein­ge­hal­ten wird.»

Ge­schätz­te Auf­klä­rung

Nicht be­trof­fen sind die städ­ti­schen Pfle­ge­hei­me in Us­ter, wie Anita Bern­hard, Lei­te­rin der Ab­tei­lung Ge­sund­heit, be­kannt gibt. Da Us­ter kei­ne Leis­tungs­ver­trä­ge mit an­de­ren Hei­men hat, lag die schwar­ze Lis­te nicht bei. Den­noch wä­re sie dar­an in­ter­es­siert, auch we­gen der Er­gän­zungs­leis­tun­gen, die Be­woh­ner

Jörg Kün­dig

Der Gos­sau­er Ge­mein­de­prä­si­dent ist er­leich­tert, dass er die Watch-list nicht be­kom­men hat.

von aus­wär­ti­gen Hei­men in Us­ter be­zie­hen. Grund­sätz­lich schätzt Bern­hard, dass die Ge­sund­heits­di­rek­ti­on «in die­sem The­ma ak­tiv ge­wor­den ist».

Der Be­zirks­rats­prä­si­dent von Us­ter, Mar­cel Tan­ner, be­kam die schwar­ze Lis­te. Zwei Hei­me dar­auf lie­gen in sei­nem Zu­stän­dig­keits­be­reich. Bei ei­nem über­steigt der Er­trag den Auf­wand um 39 Pro­zent – zum Ver­dachts­fall wird ein Heim, wenn die Dif­fe­renz über 5 Pro­zent be­trägt. Ob die Ta­ri­fe in die­sem Fall wirk­lich un­ge­setz­lich hoch sind, ist für Tan­ner noch nicht be­wie­sen: «Es kön­nen auch Son­der­fak­to­ren zur Dis­kre­panz bei­ge­tra­gen ha­ben, et­wa ein Bau­pro­jekt.»

Se­nio­ren sind be­sorgt

Die Dis­kus­sio­nen über zu ho­he Ta­ri­fe hat Heim­be­woh­ner auf­ge­schreckt. Die Fach­stel­le Al­ter in Us­ter hat mehr An­fra­gen be­kom­men wie auch die Be­schwer­de­stel­le für das Al­ter. Vie­le Leu­te wol­len wis­sen, ob und wie sie zu viel be­zahl­tes Geld zu­rück­be­kom­men kön­nen. Jörg Kün­dig gibt sich zu­rück­hal­tend: «Zu­erst muss ge­klärt werden, ob die Ta­ri­fe zu hoch sind.» Soll­te dies der Fall sein, schliesst er nicht aus, dass Hei­me oder Ge­mein­den Rück­ver­gü­tun­gen ma­chen, oh­ne dass die­se von den Be­woh­nern erstrit­ten werden müs­sen.

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