Au­to­ma­tisch at­trak­tiv werden

Tages Anzeiger - - Bellevue - Da­ni­el Schnee­be­li

Die Stadt Zü­rich hat ein Lu­xus­pro­blem: Sie wird im­mer jün­ger. Das Durch­schnitts­al­ter ih­rer Be­völ­ke­rung sinkt und sinkt. Un­ter­des­sen liegt es bei 37,6 Jah­ren. Die Al­ters­grup­pe der gut ver­die­nen­den 30- bis 39-Jäh­ri­gen hat sich in den letz­ten 25 Jah­ren ver­dop­pelt.

Da könn­te man in der Agglo glatt nei­disch werden, denn hier wächst nur der An­teil der aus­ge­power­ten Grau­haa­ri­gen, die mit ih­ren Moun­tain­bikes durch die Wäl­der keu­chen. Manch ein bür­ger­li­cher Agglo-ge­mein­de­rat fragt sich, was er von den Lin­ken in Zü­rich ler­nen könn­te. Ein Blick in die Web­sites der Vo­r­orts­ge­mein­den zeigt, dass ih­nen hier­zu bloss we­nig ein­fällt.

Op­fi­kon ver­sucht es mit Kul­tur und ver­an­stal­tet ei­ne Aus­stel­lung, wo Künst­ler aus al­ler Welt ih­re Wer­ke zei­gen. Da­zu gibt es den Op­fi­trail, ei­ne Art Schnit­zel­jagd durch die Stadt, bei der man Smart­pho­ne und Goog­le Maps ein­set­zen kann. Re­gens­dorf setzt auf bau­li­che Ent­wick­lung im Ge­biet Bahn­hof-nord und auf ei­nen Was­ser­park. Die­ti­kon, knapp vor der Aar­gau­er Gren­ze, schmückt sich mit den Ad­jek­ti­ven «ur­ban und na­tur­nah» und setzt auf das The­ma Un­ter­kunft. In Die­ti­kon kann man hoch oben woh­nen (Lim­mat To­wer) oder aus­ge­fal­len (Erd­haus) oder rich­tig städ­tisch (Ge­nos­sen­schaft). Könn­te at­trak­tiv sein, für je­ne, die in Zü­rich nichts ge­fun­den ha­ben. Klo­ten, das mit dem Air­port als ein­zi­ge Agglo-ge­mein­de ein USP (Uni­que Sel­ling Pro­po­si­ti­on) hät­te, mit dem es punk­ten könn­te, will mehr sein als nur Flug­ha­fen und preist Ju­gend­för­de­rung und Block­zei­ten in den Schu­len. Die Gret­chen­fra­ge lau­tet al­so, wie könn­te die Agglo die Rol­le als Trend­set­te­rin von der Stadt über­neh­men? Viel­leicht mit Ein­kau­fen, Aus­gang, Par­ty? Eher nicht, das kann man in der Stadt bes­ser. Selbst beim Fuss­ball hat Zü­rich die Na­se vorn, ob­wohl es noch nicht ein­mal ein rich­ti­ges Sta­di­on hat.

Es bleibt der Agglo nichts an­de­res, als Trends aus Zü­rich zu ko­pie­ren und sich auf die Ü-40-ge­ne­ra­ti­on zu kon­zen­trie­ren. Die­se ist zwar nicht mehr tau­frisch, zahlt da­für mehr Steu­ern und macht we­ni­ger Lärm. Zu­dem sei den Agglo-ge­mein­de­rä­ten ein Blick in die Ver­gan­gen­heit emp­foh­len. Denn dort, wo die Stadt heu­te am meis­ten wächst, war frü­her Agglo: Af­fol­tern, Alt­stet­ten, Al­bis­rie­den und Seebach wur­den erst 1934 in Zü­rich ein­ge­mein­det. Es bleibt al­so die Hoff­nung, dass Op­fi­kon, Re­gens­dorf, Die­ti­kon und Klo­ten der­einst ganz au­to­ma­tisch zu Trend­set­tern werden.

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