«Ein schmerz­li­cher Ver­lust an Men­schen­rech­ten»

Volks­in­itia­ti­ve «Schwei­zer Recht statt frem­de Rich­ter» Eidg. Ab­stim­mung vom 25.11.

Tages Anzeiger - - Debatte - Hans Jor­di, Brau­nau Ma­thi­as Oechs­lin, Schwyz

Nie­mand soll uns drein­re­den Die Er­fah­rung lehrt: Völ­ker­recht und Men­schen­rech­te wer­den von den Mäch­ti­gen die­ser Welt nach Be­darf miss­ach­tet. Zu­dem wer­den die­se Rech­te lei­der im­mer wie­der da­zu be­nützt, klei­ne­re Völ­ker zu dis­zi­pli­nie­ren. Wol­len wir nicht lie­ber selbst dar­über be­fin­den, wie wir die­se gu­ten Grund­sät­ze im ei­ge­nen Land an­wen­den? We­der die UNO noch die USA oder die EU sol­len uns da­bei drein­re­den. Aus­wir­kun­gen auf das Ro­te Kreuz Ein Aspekt (un­ter an­de­ren) wird lei­der kaum be­ach­tet: Wenn bei ei­nem all­fäl­li­gen Ja die Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ge­kün­digt wer­den müss­te, hät­te dies fa­ta­le Fol­gen für das Ro­te Kreuz. Wie könn­te es in den Kriegs­ge­bie­ten noch glaub­wür­dig agie­ren, wenn aus­ge­rech­net in der Wie­ge der hu­ma­ni­tä­ren Tra­di­ti­on der Ver­trag über die Men­schen­rech­te ge­kün­digt wür­de? Die ste­te Be­stär­kung der Men­schen­rech­te ist doch das A und O des Ro­ten Kreu­zes. Soll die Schweiz ih­ren gu­ten Ruf auf die­sem Ge­biet aufs Spiel set­zen? Die fa­ta­len Fol­gen wä­ren wohl welt­weit über das rein hu­ma­ni­tä­re Wir­ken hin­aus spür­bar. Ur­su­la Dät­wy­ler, Zol­li­ker­berg Un­schätz­ba­re Er­run­gen­schaf­ten Selbst­be­stim­mung ist ein ho­hes Gut und für ein wür­di­ges Le­ben un­ab­ding­bar. Ab­so­lu­te Selbst­be­stim­mung ist je­doch we­der für Pri­vat­per­so­nen noch für Fir­men oder Staa­ten mög­lich. Wir sind al­le ein­ge­bun­den in kom­ple­xe viel­fäl­ti­ge Be­zie­hun­gen. Das Völ­ker­recht und die Eu­ro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) sind un­schätz­ba­re Er­run­gen­schaf­ten nach Jahr­hun­der­ten schreck­li­cher Krie­ge, die gros­se Zer­stö­run­gen und un­er­mess­li­ches Leid ver­ur­sacht ha­ben. Die Svp-initia­ti­ve «Schwei­zer Recht statt frem­de Rich­ter» zielt dar­auf ab, dass un­ser Land in ei­nem nächs­ten Schritt aus der EMRK aus­steigt. Dies wä­re für un­ser Volk ein schmerz­li­cher Ver­lust an Men­schen­rech­ten und ein ver­hee­ren­des Si­gnal an die an­de­ren eu­ro­päi­schen Staa­ten. Schüt­zen wir un­se­re Men­schen­rech­te und leh­nen den Eti­ket­ten­schwin­del der SVP ab. Apro­pos: An den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te (EGMR) ent­sen­det je­der Mit­glieds­staat ei­nen Rich­ter; zur­zeit ist die Schweiz dort mit ei­ner Rich­te­rin ver­tre­ten und als ein­zi­ges Land mit ei­nem zwei­ten Schwei­zer Rich­ter, der Liech­ten­stein ver­tritt. Ur­su­la Lüthy, Os­ter­mun­di­gen Klar und ein­leuch­tend for­mu­liert Die SBI will nichts an­de­res, als dass die aus­füh­ren­den Be­hör­den und Ge­rich­te der Schweiz sich strikt an die Bun­des­ver­fas­sung und an die von Volk und Stän­den be­schlos­se­nen Ge­set­ze und Mass­nah­men hal­ten und die­se auch ent­spre­chend durch­set­zen. Mit dem Vor­rang der Ver­fas­sung vor nicht zwin­gen­dem Völ­ker­recht wä­re auch un­ser höchs­tes Bun­des­ge­richt wie­der in der La­ge, ei­nen Lan­des­ver­weis ge­gen ei­nen Straf­tä­ter we­gen häus­li­cher Ge­walt aus­zu­spre­chen, oh­ne be­fürch­ten zu müs­sen, dass vom Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te zu Strass­burg der Lan­des­ver­weis auf­ge­ho­ben wür­de mit der Rü­ge, dass das Recht auf Fa­mi­li­en­zu­sam­men­füh­rung hö­her zu ge­wich­ten sei als das Recht auf Schutz vor häus­li­cher Ge­walt. Rech­te von Min­der­hei­ten schüt­zen Bei der Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve geht es kei­nes­wegs nur um kri­mi­nel­le Aus­län­der, wie uns die SVP sug­ge­riert, son­dern auch um den Schutz der Rech­te von Min­der­hei­ten, die bei Ab­schaf­fung der Men­schen­rech­te be­droht wä­ren. Ein Ur­teil nach Strass­burg wei­ter­zu­zie­hen, soll ein Bür­ger­recht blei­ben. Die Fall­zah­len sind höchst be­schei­den, nur ge­ra­de bei ein bis zwei Ge­richts­ent­schei­den pro Jahr muss­te das Bun­des­ge­richt zu­rück- buch­sta­bie­ren. Die Nach­tei­le im Fall ei­ner An­nah­me sind auch für die Wirt­schaft we­gen Rechts­un­si­cher­hei­ten rie­sig. Vor­tei­le für die Schweiz als Gan­zes gibt es kei­ne. Mar­tin A. Liech­ti, Maur Ehe­ma­li­gen Zu­stand wie­der­her­stel­len Ver­trau­en wir un­se­ren ei­ge­nen Schwei­zer Rich­tern nicht mehr? Mit die­ser Initia­ti­ve stel­len wir ein­fach nur ei­nen Zu­stand wie­der her, der bis vor ein paar Jah­ren in der Schweiz noch Rechts­gül­tig­keit hat­te. Bis das Bun­des­ge­richt aus un­er­klär­li­chen Grün­den die­se Rechts­pra­xis oh­ne Be­dräng­nis ge­än­dert hat und nun aus­län­di­schen Rich­tern bei Ur­tei­len den Vor­rang gibt. War­um wol­len vie­le Bür­ger un­se­re Recht­spre­chung frem­den Rich­tern über­ge­ben? Wol­len wir nicht mehr ei­gen­stän­dig sein? Kon­rad Rüegg, Eb­nat-kap­pel Swit­z­er­land first? Ob man es wahr­ha­ben will oder nicht: Die Mensch­heit bil­det heu­te ei­ne zi­vi­li­sa­to­ri­sche Ein­heit. Na­tio­na­lis­ten und re­li­giö­se Ei­fe­rer igno­rie­ren das und wol­len die­ses – zu­ge­ge­ben feh­ler­haf­te – Gan­ze schwä­chen und spal­ten, statt es nach Kräf­ten zu ver­bes­sern. Die «Swit­z­er­land first»-po­li­tik der SVP, wel­che die Schweiz als Got­tes klei­nes Pa­ra­dies ver­ab­so­lu­tie­ren will, geht die­sen Weg. Sie ver­kennt, dass die For­de­run­gen ih­rer Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve zu Rechts­ver­wil­de­rung und Cha­os füh­ren, wenn sie von an­de­ren Län­dern um uns her­um im glei­chen Sinn ad­ap­tiert und um­ge­setzt wür­den. Mit ei­ner An­nah­me der Initia­ti­ve könn­te die Schweiz zur Brand­stif­te­rin wer­den in ei­ner Welt, die so schon un­ge­müt­lich ge­nug ist. Ue­li An­nen, Ill­nau

Fo­to: Keysto­ne

Auf­takt vor dem Bun­des­haus: Die Eco­no­mie­su­is­se er­öff­ne­te den Kampf ge­gen die Initia­ti­ve mit Fracht­con­tai­nern.

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