«Zu viel Par­füm, das geht gar nicht»

Tages Anzeiger - - Zürich - Vr-prä­si­dent von Ken­ny’s Au­to-cen­ter mit fünf Stand­or­ten in der Schweiz Tho­mas Wyss

1976 fing Ken­ny Ei­chen­ber­ger als 22­jäh­ri­ger Jungspund an, auf ei­nem Kies­platz in Buchs Au­tos zu ver­kau­fen. Heu­te ist er VRPrä­si­dent von Ken­ny’s Au­to­Cen­ter AG, ei­ner 180­köp­fi­gen Fir­ma mit Neu­wa­gen, Oc­ca­sio­nen, Werk­statt und Wasch­stras­se, de­ren Ge­schäfts­lei­tung seit 2016 sein Sohn Marc in­ne­hat. Durch die Ges­te, je­dem Be­su­cher «es feins Kä­fe­li» an­zu­bie­ten, wur­de Ei­chen­ber­ger zum wohl be­kann­tes­ten Au­to­ver­käu­fer der Deutsch­schweiz. Dar­um konn­te es nur ei­nen ge­ben, der uns an­läss­lich der Au­to Zü­rich in Kniffs und No­gos sei­nes Be­rufs ein­weiht.

Wie ist die­se Kä­fe­li-sa­che über­haupt ent­stan­den? Wenn mei­ne Frau an­fangs mit un­se­ren Kin­dern auf ei­nen Be­ such vor­bei­kam, frag­te ich of­fen­bar au­to­ma­tisch, ob sie noch «es Kä­fe­li» wol­le – was mir gar nie auf­fiel. Bis sie ir­gend­wann sag­te: «Ach, du im­mer mit dim Kä­fe­li.» Da wuss­te ich: Ich bin der Ken­ny mit em Kä­fe­li.

Der Spruch hat Sie be­rühmt ge­macht, Sie wur­den oft­mals ko­piert und par­odiert. Wir ha­ben das im­mer als Kom­pli­ment ge­nom­men. Es hat uns aber auch ge­hol­fen, weil sich die Leu­te ja auch un­ser Ori­gi­nal wie­der an­schau­en woll­ten. Aber wä­re es ge­ra­de für Sie als Mer­ce­des-benz-händ­ler nicht längst über­fäl­lig, das Kä­fe­li durch ein Cü­pli zu er­set­zen? (en­er­gisch) Ou nei, Sie! Das Kä­fe­li ist ei­ne Auf­merk­sam­keit, ja. Aber, das ist uns wich­tig, ei­ne der be­schei­de­nen Art. Das Cü­pli wä­re Cool­ness, Prot­ze­rei, Show­time, das wol­len wir nicht, das passt nicht zu un­se­rer Hal­tung. Es gibt auch kei­nen Cap­puc­ci­no oder Lat­te mac­chia­to, nur den un­auf­ge­reg­ten Kaf­fee aus fei­nen Cos­ta­ri­ca­boh­nen, bas­ta.

Be­schei­den, un­auf­ge­regt? Das passt so gar nicht zum Kli­schee, das be­sagt: Als Au­to­ver­käu­fer muss man vor al­lem «en gue­te Schnur­ri» sein. Das mit dem Schnur­re gilt vi­el­leicht noch für den klas­si­schen Oc­ca­si­ons­händ­ler. Aber ein gu­ ter Ver­käu­fer muss heu­te vor al­lem zu­hö­ren und die Wün­sche des Kun­den le­sen kön­nen.

Be­stimmt gibts auch strik­te No-gos – wie den Ver­käu­fer als wan­deln­den Duft­fla­con. Rich­tig, zu viel Par­füm, das geht gar nicht. Die Klei­dung soll an­stän­dig, aber nicht über­kan­di­delt sein: An­zug ja, aber le­ger, oh­ne Po­schett­li und Kra­wat­te, er muss ja kei­ne Show lie­fern. Zu­dem, das be­to­ne ich in der Ver­kaufs­schu­lung be­son­ders, pfle­gen wir bei uns die Sie­ und nicht die Du­ge­sprächs­kul­tur.

Ein Flirt in Zei­ten von #Metoo ist si­cher auch eher hei­kel. Durch ein an­stän­di­ges, auf­rich­ti­ges Kom­pli­ment im pas­sen­den Mo­ment fühlt sich kei­ne Frau be­läs­tigt ... Wo­bei man ge­nau­so gut ei­nem Mann sa­gen kann, er tra­ge schö­ne Schu­he. De­fi­ni­tiv über­schrit­ten ist die Li­nie, wenn ein Ver­käu­fer die Frau ei­nes Kun­den heim­lich zum Es­sen ein­lädt.

Das ist tat­säch­lich pas­siert? Ein­mal in 40 Jah­ren.

Wie ist es mit dem Kund­tun der po­li­ti­schen Mei­nung? Das hat im Ver­kaufs­raum nichts ver­lo­ren. Ob­wohl ich als Ge­werb­ler eher bür­ger­lich ori­en­tiert bin, ha­be ich vie­le Freun­de und Kun­den aus dem lin­ken po­li­ti­schen Spek­trum, das ist über­haupt kein Pro­blem. Wir dis­ku­tie­ren leb­haft und gern, ein­fach im frei­zeit­li­chen oder pri­va­ten Rah­men.

Ken­ny Ei­chen­ber­ger

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.