Ein Kon­zert – aber auch et­was fürs Au­ge

Das Ton­hal­le-orches­ter bringt zu sei­nem 150-Jahr-ju­bi­lä­um «Die Schnee­kö­ni­gin» von Hans Chris­ti­an An­der­sen auf die Büh­ne.

Tages Anzeiger - - Bellevue - Car­men Ros­hard

«Ganz wich­tig», sagt der Kom­po­nist Da­vid Phi­lip Hef­ti gleich zu Be­ginn, «die Mu­sik ist nur ein Teil der ‹Schnee­kö­ni­gin›.» Das neue Li­bret­to des deut­schen Schrift­stel­lers Andre­as Schä­fer, nach dem Mär­chen von Hans Chris­ti­an An­der­sen, sei ge­nau­so wich­tig. «Die Schnee­kö­ni­gin», das neus­te Werk des Kom­po­nis­ten, ist ein Fa­mi­li­en­kon­zert mit dem Ton­hal­le-orches­ter Zü­rich, der So­pra­nis­tin Mo­j­ca Erd­mann als Schnee­kö­ni­gin und den Schau­spie­len­den De­lia May­er als Ger­da und Max Si­mo­ni­schek als Kay. Da­bei schlüp­fen so­wohl die So­pra­nis­tin wie auch die Schau­spie­ler in ver­schie­de­ne Rol­len. Nur ein lus­ti­ger Zu­fall sei, so Hef­ti, dass May­er und Si­mo­ni­schek im TV Kom­mis­sa­rin und Kom­mis­sar sind.

Ge­ni­al ge­schrie­ben

«Die Schnee­kö­ni­gin» ist die ein­zi­ge Urauf­füh­rung an­läss­lich des 150-Jahr-ju­bi­lä­ums des Zürcher Ton­hal­le-or­ches­ters. Von dem hat­te Hef­ti den Auf­trag, ein Ge­ne­ra­tio­nen­stück zu schrei­ben. Und wie es sich für ein sol­ches ge­hört, wird fürs gros­se und klei­ne Pu­bli­kum et­was ge­bo­ten. «Für Kin­der ist es die Mär­chen­hand­lung, die ge­sun­gen und ge­spro­chen wird», so der Kom­po­nist. Er­wach­se­ne fän­den im Li­bret­to Phi­lo­so­phi­sches so­wie Ge­sell­schafts- und So­ci­al-me­dia-kri­tik, ja so­gar An­spie­lun­gen auf die #Metoo-de­bat­te. «Schä­fer hat das ge­ni­al ge­schrie­ben.»

Beim Kom­po­nie­ren ha­be er kei­ne Rück­sicht auf Kin­de­roh­ren ge­nom­men, denn «Kin­der sind der Neu­en Mu­sik ge­gen­über sehr of­fen». Am Sonn­tag wird al­so au­then­ti­sche Hef­ti-mu­sik ge­bo­ten, «die sich durch ei­ne be­son­ders gros­se Pa­let­te an Klang­far­ben aus­zeich­net», so der 43-Jäh­ri­ge, der sich selbst als ro­man­tisch und ex­pres­siv be­zeich­net. Un­ter­malt wird die Sze­ne­rie mit­tels «gross­ar­ti­ger Licht­stim­mun­gen». «Und mit ei­nem Ster­nen­him­mel aus be­leuch­te­ten Glas­scher­ben.»

Im Li­bret­to zei­ge Schä­fer die Schnee­kö­ni­gin mensch­li­cher. Auch die Fi­gur des Mäd­chens Ger­da be­kom­me neue Fa­cet­ten, wer­de aus ih­rem süss­li­chen Prin­zes­sin­nen­da­sein her­aus­ge­holt und stär­ker und ak­ti­ver in­sze­niert. Ger­da neh­me ih­re in­ne­re Stim­me ernst und ent­de­cke da­bei die ei­ge­ne Kraft. Und mit­hil­fe von gu­ten Freun­den er­rei­che sie Din­ge, von de­nen sie nicht zu träu­men ge­wagt hät­te. Und so ha­be Schä­fer sie zur heim­li­chen Haupt­fi­gur ge­macht. Spek­ta­ku­lär und auch für Hef­ti ein No­vum ist der Sur­round-sound, der ent­steht, wenn nicht nur auf der Büh­ne, son­dern auch rechts, links und hin­ter dem Pu­bli­kum mu­si­ziert wird. Und ei­nes der we­ni­gen Re­qui­si­ten, da­für ein be­son­de­res, wird die Kro­ne aus Eis sein, die wäh­rend des Kon­zerts lang­sam schmilzt. Ein Opern­spek­ta­kel sei «Die Schnee­kö­ni­gin» aber nicht, son­dern «ein Kon­zert, wo ein biss­chen mehr fürs Au­ge ge­bo­ten wird».

Ton­hal­le Maag, ab 8 Jah­ren, Sonn­tag, 11. No­vem­ber, 11.15 und 14.15 Uhr.

Fo­to: Tom Ka­wa­ra

Noch wird ge­probt, links Mo­j­ca Erd­mann als Schnee­kö­ni­gin.

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