«Die Ve­rän­de­run­gen der Bi­o­di­ver­si­tät sind enorm»

Weg vom Erd­öl­land, Kli­ma­po­li­tik ge­gen Leuthards Wil­len,

Tages Anzeiger - - Debatte - Re­na­ta Schmid, Bad Ra­gaz Urs L. Trox­ler, Schlie­ren Mit­glied Ver­ein Kli­ma­schutz Schweiz Wil­li­am Mö­ritz, Zürich Ma­rie-the­re­se Lu­gin­bühl, Zürich Ste­ve Wal­ker (on­line) Richard Sie­ber, Rheineck Jé­rô­me Sa­lin­ger, Win­ter­thur Hans-ul­rich Wan­zen­ried, Zürich Rue­di B

Wir müs­sen an un­se­re Zu­kunft den­ken

SVP und FDP möch­ten kein kon­kre­tes Ziel beim Co2-aus­stoss im In­land ver­fol­gen. Haus­be­sit­zer wer­den nicht ge­zwun­gen, ih­re Ge­bäu­de zu sa­nie­ren, und den Ben­zin­preis möch­te man auch nicht we­sent­lich er­hö­hen. Der Hei­mat­schutz möch­te das Orts­bild nicht ver­än­dern, dar­um wer­den vie­le Fo­to­vol­ta­ik­pro­jek­te ver­hin­dert, und das 2000-Watt-ziel liegt in wei­ter Fer­ne. Ich wür­de es sehr be­grüs­sen, wenn das Wort «en­keltaug­lich» öf­ter auf den Ti­tel­sei­ten der Zei­tun­gen er­schei­nen wür­de und nicht nur klein­ge­druckt im Text. Vi­el­leicht wür­de es so für vie­le Men­schen kla­rer, dass die Kli­ma­po­li­tik, die wir heu­te ma­chen, am meis­ten Aus­wir­kun­gen auf un­se­re En­kel ha­ben wird.

Die Zeit drängt

Die an­ge­schla­ge­ne FDP er­kennt ih­re Ge­mein­wohl­ver­pflich­tung zur Ret­tung des Welt­kli­mas nicht. Zur Ener­gie­wen­de schielt sie auf neue Pro­fi­te für Mul­tis und das Gross­ka­pi­tal. Was un­ser Frei­sinn zu­sam­men mit der SVP und Cvp-ab­weich­lern pro­pa­giert, ist ein un­taug­li­cher Ablass­han­del: Zur Be­ru­hi­gung des Ge­wis­sens sol­len sich Kon­zer­ne mit Co2-zer­ti­fi­ka­ten frei­kau­fen. Die­se Volks­ver­tre­ter spü­ren nicht, dass sie Men­schen­rech­te ver­let­zen, dass sie un­se­re Hei­mat mit neu­en Kli­ma­wan­de­lef­fek­ten nö­ti­gen. Die auch bei uns längst fest­stell­ba­ren Ve­rän­de­run­gen der Bi­o­di­ver­si­tät sind ge­wal­tig. Wir al­le sind so­mit ver­pflich­tet, die auf Ge­mein­de­ebe­ne ge­wähl­ten Po­li­ti­ker an­zu­hal­ten, an ih­re Ex­po­nen­ten in Bun­des­bern zu ap­pel­lie­ren. Auch je­de neue Bau­be­wil­li­gung soll­te ei­ne Al­ter­na­tiv­ener­gie zu Öl und Gas ver­lan­gen. Die an­ste­hen­de Treib­stoff­ver­teue­rung könn­te als Fi­nan­zie­rungs­hil­fe die­nen. Ver­nunft tut not, die Zeit drängt.

Sich im ei­ge­nen Land en­ga­gie­ren

SVP und FDP ver­hel­fen lie­ber dem Aus­land zu bes­se­rer Luft als der Schweiz. Das ist ku­ri­os. Al­les tun für bes­se­re Luft in der Schweiz und sich zu­sätz­lich im Aus­land en­ga­gie­ren, wä­re vor­bild­lich. Uns Schwei­zer hin­ge­gen wei­ter­hin be­las­ten­de Luft ein­at­men zu las­sen und zu ris­kie­ren, dass die letz­ten Glet­scher auch noch da­hin­schmel­zen, ist herz­los.

Ret­tung kommt wohl zu spät

Wir schau­en im­mer auf Trump, der sich aus dem Pa­ri­ser Kli­ma­ver­trag ver­ab­schie­det hat, und über­se­hen, dass auch bei uns ei­ne kli­ma­po­li­tisch stark kurz­sich­ti­ge Politik be­trie­ben wird. Un­fass­bar, da wer­den die jüngs­ten War­nun­gen der Wis­sen­schaft igno­riert, und die Mehr­heit des Na­tio­nal­rats be­schliesst, sich nicht auf die Hal­bie­rung des Co2-aus­stos­ses bis 2030 fest­zu­le­gen. Un­se­re Welt ist nicht mehr zu ret­ten, wenn auch end­lich un­se­re kon­ser­va­ti­ven Po­li­ti­ker mer­ken, dass un­ser Kar­ten­haus zu­sam­men­bricht.

Be­völ­ke­rung wächst zu stark

Man soll­te be­rück­sich­ti­gen, dass das re­la­ti­ve Be­völ­ke­rungs­wachs­tum in der Schweiz in den letz­ten 10 Jah­ren rund drei­mal so gross war wie zum Bei­spiel in Deutsch­land oder Frank­reich. Die Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne in der Schweiz wer­den mit dem enor­men Be­völ­ke­rungs­zu­wachs um­ge­hend wie­der kom­pen­siert. Ehr­li­cher wä­re ei­ne Sta­tis­tik über den Ener­gie­ver­brauch pro Kopf.

Aus­bau der Nacht­zug-an­ge­bo­te

Der zu­neh­men­de Luft­ver­kehr tor­pe­diert die an­ge­streb­ten Re­duk­ti­ons­zie­le aufs Hef­tigs­te. Flie­gen ist bil­lig und erst noch be­quem. Doch ge­ra­de die be­lieb­ten Städ­te­trips könn­ten eben­so gut und öko­lo­gi­scher mit der Bahn ge­macht wer­den. Lei­der wur­den in den letz­ten Jah­ren die meis­ten Nacht­zü­ge ein­ge­stellt. Und tags­über sechs oder mehr St­un­den im Zug zu sit­zen, über­steigt bei vie­len die Schmerz­gren­ze. Die Politik soll­te sich des­halb für ei­ne Wie­der­ein­füh­rung von Nacht­zü­gen ein­set­zen, zum Wohl un­se­rer Um­welt.

Mass­nah­men end­lich um­set­zen

Schön, dass vie­le Staa­ten in Po­len zu­sam­men­sit­zen und das Pro­blem Kli­ma­schutz klar er­ken­nen. Aber je­der schiebt dem an­de­ren die Schuld zu und will Mass­nah­men er­grei­fen, die bei ihm po­li­tisch ak­zep­tiert wer­den. We­gen der Kli­ma­ver­än­de­rung steigt auch in der Schweiz die Ge­fahr von La­wi­nen, Über­schwem­mun­gen und Berg­stür­zen stark an. Es ist toll, dass dies end­lich ana­ly­siert wird und Mass­nah­men da­ge­gen ein­ge­lei­tet wer­den, ob­wohl das Pa­ri­ser Ab­kom­men zu we­nig deut­lich um­ge­setzt wird. Im Ar­ti­kel «Bun­des­rat ver­är­gert Stän­de­rä­te» über die Hei­rats­stra­fe (Aus­ga­be vom 5.12.), wur­de ei­ne fal­sche Zahl pu­bli­ziert. Die Zahl der be­trof­fe­nen Dop­pel­ver­die­ner wur­de vom Bund nicht von 80 000 auf 45 000 kor­ri­giert, son­dern auf 450 000. Des­halb sind ja auch viel mehr Paa­re be­trof­fen als vom Bun­des­rat ur­sprüng­lich be­rech­net.

De­ka­den­tes Kon­zept für die Schweiz

In der Schweiz kön­nen die meis­ten Men­schen ei­nem gut be­zahl­ten, sinn­stif­ten­den Job nach­ge­hen. Da wun­dert es mich nicht, dass das be­din­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men kein Kon­zept für un­se­re Ge­sell­schaft ist. Auf der Welt hun­gern sehr vie­le Men­schen. Das Ar­ten­ster­ben in der Tier­welt geht ra­sant vor­an. In die­sem Zu­sam­men­hang emp­fin­de ich das be­din­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men für die Schweiz als de­ka­dent.

Den Volks­wil­len ak­zep­tie­ren

Es hät­te mich er­staunt, wenn die­ser Ver­such ge­klappt hät­te. Die eid­ge­nös­si­sche Ab­stim­mung wur­de 2016 klar ab­ge­lehnt. Sol­che Re­sul­ta­te müs­sen ak­zep­tiert wer­den. Es ist er­staun­lich, wie ge­wis­se Par­tei­en den Volks­wil­len nicht ernst neh­men und im­mer auf den glei­chen The­men be­har­ren.

Mut für ei­nen zwei­ten An­lauf

Das be­din­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men (BGE) fin­de ich ein höchst in­ter­es­san­tes Pro­jekt von gros­sem Nut­zen. Die Er­kennt­nis­se aus dem BGE sind doch un­be­zahl­bar. Of­fen­sicht­lich braucht es trotz­dem noch die gros­se Kre­dit­kar­te, um das Pro­jekt zu rea­li­sie­ren. Das öf­fent­li­che In­ter­es­se am BGE ist gross, so­mit soll­te es mög­lich sein, die Fi­nan­zie­rung zu stem­men. Ich wün­sche, dass die Initi­an­ten den Mut ha­ben für ei­nen zwei­ten An­lauf.

Die Re­dak­ti­on trifft nicht nur ei­ne Aus­wahl, sie kürzt Zu­schrif­ten auch, und zwar oh­ne Rück­spra­che mit den Au­to­ren. Über nicht ver­öf­fent­lich­te Brie­fe wird kei­ne Kor­re­spon­denz ge­führt.

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