We­ko kon­trol­liert Zürcher Lift­kon­trol­le

Kri­ti­ker der an­geb­li­chen Über­re­gu­lie­rung bei Lift­war­tun­gen las­sen nicht lo­cker: Sie ha­ben den Preis­über­wa­cher ein­ge­schal­tet. Mitt­ler­wei­le be­fasst sich auch die We­ko mit dem Fall.

Tages Anzeiger - - Vorderseite - Mar­tin Hu­ber

Bei der Kon­trol­le von Auf­zugs­an­la­gen be­ste­he so et­was wie ein Kar­tell: Das ist die Mei­nung des kan­to­na­len Zürcher Ge­wer­be- und des Haus­ei­gen­tü­mer­ver­bands. Sie ha­ben die­sem «Miss­stand» den Kampf an­ge­sagt und sind mit ih­rem An­lie­gen an den Preis­über­wa­cher und an die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on (We­ko) ge­langt. In ih­ren Au­gen sind just je­ne Un­ter­neh­men für die War­tungs­nor­men zu­stän­dig, die von ei­ner häu­fi­gen War­tung pro­fi­tie­ren: die Lift­her­stel­ler sel­ber. Da­durch ent­stün­den Ge­werb­lern und Haus­be­sit­zern un­nö­tig ho­he Kos­ten.

«Über­mäs­si­ge Vor­ga­ben bei Lift­war­tun­gen»: So lau­tet der Be­treff im Brief an den eid­ge­nös­si­schen Preis­über­wa­cher Ste­fan Mei­er­hans. Die Ab­sen­der aus Zürich: die Spit­zen des kan­to­na­len Ge­wer­be­ver­bands (KGV) und des kan­to­na­len Haus­ei­gen­tü­mer­ver­bands (HEV). Sie for­dern den Preis­über­wa­cher auf, sich der The­ma­tik an­zu­neh­men – mit dem Ziel von «fai­ren und sinn­vol­len Lift­war­tungs­in­ter­val­len» für Un­ter­neh­mun­gen und Haus­be­sit­zer. «Ins­be­son­de­re müs­sen un­se­res Erach­tens Fehl­an­rei­ze von Nor­mie­rungs­in­sti­tu­tio­nen künf­tig ver­mie­den wer­den», heisst es in dem Schrei­ben wei­ter. Un­ter­zeich­net ha­ben es Kgv-prä­si­dent Wer­ner Scher­rer, Kgv-ge­schäfts­lei­ter Tho­mas Hess, Hev-prä­si­dent Hans Eg­loff und Hev-di­rek­tor Al­bert Lei­ser. Die vier be­ru­fen sich auf Ab­klä­run­gen der kan­to­na­len Ko­or­di­na­ti­ons­stel­le Un­ter­neh­mens­ent­las­tung, wo­nach für die Vor­ga­ben der Lift­war­tungs­in­ter­val­le pri­va­te Nor­mie­rungs­in­sti­tu­tio­nen ver­ant­wort­lich sind.

Es be­steht Hand­lungs­be­darf

«Die meis­ten Mit­glie­der die­ser Nor­mie­rungs­in­sti­tu­tio­nen sind An­ge­stell­te von Lift­un­ter­neh­mun­gen», heisst es im Brief wei­ter. Die­se wie­der­um pro­fi­tier­ten di­rekt von mög­lichst vie­len an­ge­ord­ne­ten Lift­war­tun­gen, für die sich ih­re Mit­ar­bei­ter in den zu­stän­di­gen Nor­mie­rungs­in­sti­tu­tio­nen stark­mach­ten. Die ho­hen Lift­war­tungs­kos­ten be­deu­te­ten für Un­ter­neh­men so­wie Haus­ei­gen­tü­mer un­ver­hält­nis­mäs­si­ge Aus­la­gen, die nicht not­wen­dig und vor al­lem preis­trei­bend sei­en.

Preis­über­wa­cher Ste­fan Mei­er­hans teilt die Ein­schät­zung, «dass im Be­reich der Lift­war­tun­gen grund­sätz­lich Hand­lungs­be­darf be­steht». Dies schreibt er in sei­ner Ant­wort vom 20. No­vem­ber. Ob die Nor­mie­rung ei­nes der an­zu­ge­hen­den Pro­ble­me sei, kön­ne er aber lei­der nicht be­ur­tei­len, da ihm der da­für not­wen­di­ge tech­ni­sche Hintergrund feh­le. Zu­dem ver­fü­ge die Preis­über­wa­chung in die­sem Be­reich über kei­ne Kom­pe­tenz.

Er wer­de sich aber wei­ter­hin da­für stark­ma­chen, «dass Fehl­an­rei­ze und In­trans­pa­renz im Be­reich der Auf­zugs­war­tung bald der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren», schreibt Mei­er­hans wei­ter. Er ha­be beim Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirtschaft, dem Bü­ro für Kon­su­men­ten­fra­gen und dem Schwei­ze­ri­schen Haus­ei­gen­tü­mer­ver­band «wie­der­holt auf Hand­lungs­be­darf hin­ge­wie­sen». Und wei­ter: «Auf ei­ne Mel­dung hin ha­be ich im Sep­tem­ber 2018 denn auch ei­ne An­fra­ge zur pe­ri­odi­schen Kon­trol­le von Auf­zü­gen im Kan­ton Zürich an das Se­kre­ta­ri­at der Wett­be­werbs­kom­mis­si­on (We­ko) wei­ter­ge­lei­tet. Die­ses hat den Fall im Ok­to­ber 2018 auf­ge­nom­men.»

«Teu­res Dau­er­är­ger­nis»

We­ko-vi­ze­di­rek­tor Oli­vier Schal­ler be­stä­tigt, dass sei­ne Be­hör­de ei­nen Fall von Lift­war­tung und -kon­trol­le aus dem Kan­ton Zürich un­ter­sucht. Nä­he­re An­ga­ben zum Ver­fah­ren und mög­li­chen Sank­tio­nen kön­ne er noch nicht ma­chen.

Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on ist ei­ne un­ab­hän­gi­ge Bun­des­be­hör­de. Sie küm­mert sich nach ei­ge­nen An­ga­ben un­ter an­de­rem um «die Be­kämp­fung von schäd­li­chen Kar­tel­len» und be­auf­sich­tigt markt­be­herr­schen­de Un­ter­neh­men.

«Das sind zwar po­si­ti­ve Si­gna­le», sagt Tho­mas Hess. Sor­gen be­rei­tet dem Ge­schäfts­lei­ter des KGV al­ler­dings die Be­mer­kung des Preis­über­wa­chers, er ver­fü­ge über kei­ne Kom­pe­tenz in die­sem Be­reich. Der KGV wer­de zu­sam­men mit dem HEV wei­ter am Ball blei­ben und sei ge­spannt, «wie der Preis­über­wa­cher sich kon­kret für un­ser An­lie­gen stark­ma­chen will». Hess spricht von ei­nem «teu­ren Dau­er­är­ger­nis» für Un­ter­neh­men und Haus­ei­gen­tü­mer. Nicht nur we­gen der vie­len War­tun­gen, son­dern weil Auf­zü­ge aus «über­mäs­si­gen Si­cher­heits­grün­den» auch noch mit In­nen­tü­ren um­ge­rüs­tet wer­den müs­sen.

Neu­er Kan­tons­rats­vor­stoss

Auf po­li­ti­scher Ebe­ne sind die Lift­kri­ti­ker er­neut ak­tiv ge­wor­den. Vor we­ni­gen Ta­gen ha­ben die Kan­tons­rä­te Hans-pe­ter Am­rein (SVP, Küs­nacht), Mar­cel Leng­gen- ha­ger (BDP, Gos­sau) und Erich Von­to­bel (EDU, Bu­bi­kon) ei­ne par­la­men­ta­ri­sche Initia­ti­ve ein­ge­reicht. Die For­de­rung: Um den über­höh­ten War­tungs­kos­ten für Be­för­de­rungs­an­la­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken, soll das Pla­nungs- und Bau­ge­setz er­gänzt wer­den. Her­stel­ler von Auf­zü­gen und Roll­trep­pen sol­len ver­pflich­tet wer­den, «die für den Be­trieb und Un­ter­halt not­wen­di­gen In­for­ma­tio­nen und tech­ni­schen Hilfs­mit­tel an den Be­trei­ber her­aus­zu­ge­ben, so­dass der Be­trieb und Un­ter­halt fach­ge­mäss er­fol­gen kann».

Dies wür­de es den Ei­gen­tü­mern von Be­för­de­rungs­an­la­gen er­lau­ben, ne­ben dem Her­stel­ler auch ein un­ab­hän­gi­ges War­tungs­un­ter­neh­men zu en­ga­gie­ren. Der Markt wür­de so­mit ge­öff­net wer­den, was die Kos­ten der War­tung er­heb­lich sen­ken wür­de, sagt Kan­tons­rat Am­rein. Dass sich in­zwi­schen auch die We­ko mit dem Fall be­fasst, nennt er ei­nen «Licht­blick am Ho­ri­zont».

Be­reits im Früh­ling 2017 hat­ten Kan­tons­rä­te von SVP, BDP und EDU Vor­stös­se ein­ge­reicht, mit de­nen sie vom Re­gie­rungs­rat Aus­kunft über die aus ih­rer Sicht über­bor­den­de Bü­ro­kra­tie und die «kar­tell­ähn­li­chen Zü­ge» bei Lift­kon­trol­len ver­lang­ten. Beim Ver­band Schwei­ze­ri­scher Auf­zugs­un­ter­neh­men zeig­te man da­mals zum Teil Ver­ständ­nis. Der Re­gie­rungs­rat wies die Kri­tik hin­ge­gen zu­rück und ver­wies auf die ge­rin­ge Zahl von Lift­un­fäl­len im Kan­ton. Auf die Hö­he der War­tungs­kos­ten ha­be der Kan­ton kei­nen Ein­fluss; hier spie­le der Wett­be­werb zwi­schen den Auf­zugs­her­stel­lern.

Fo­to: Fa­bi­en­ne And­reo­li

Für die Lift­war­tung fal­len ho­he Kos­ten an – zu ho­he? Blick in ei­nen Lift­schacht.

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