Ge­richt ver­hängt har­te Stra­fe ge­gen ju­gend­li­che Ge­walt­ver­bre­che­rin

Ei­ne heu­te 19-jäh­ri­ge jun­ge Frau ist un­ter an­de­rem we­gen ver­such­ten Mor­des zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von zehn Jah­ren ver­ur­teilt wor­den. An­schlies­send muss sie die Schweiz ver­las­sen.

Tages Anzeiger - - Zürich - Tho­mas Has­ler

Die Ko­so­va­rin war im Al­ter von 17 Jah­ren in ei­ner psych­ia­tri­schen Kli­nik in Ba­sel un­ter­ge­bracht. Dort ver­such­te sie, ei­nen 12­jäh­ri­gen Mit­pa­ti­en­ten mit ei­nem Schal zu stran­gu­lie­ren. Der Flucht­ver­such des Op­fers und das ra­sche Ein­grei­fen des Per­so­nals ver­hin­der­ten den Tod des Kn­a­ben. Die jun­ge Frau hat­te ge­hofft, da­mit ei­ne Ver­le­gung aus der Kli­nik zu er­zwin­gen. Nicht ein­mal ein Jahr spä­ter würg­te die Ko­so­va­rin – in­zwi­schen voll­jäh­rig – in ei­ner Zürcher Kli­nik er­neut ei­nen Mit­pa­ti­en­ten. Auch in die­sem Fall konn­te das Per­so­nal durch ra­sches Ein­grei­fen Schlim­me­res ver­hin­dern. Den Tö­tungs­ver­such in Ba­sel wer­te­te das Ge­richt als ver­such­ten Mord, die Atta­cke in Zürich als ver­such­te vor­sätz­li­che Tö­tung. We­gen wei­te­rer De­lik­te wur­de die jun­ge Frau zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von zehn Jah­ren ver­ur­teilt. Da die Be­schul­dig­te un­ter an­de­rem an ei­ner schwe­ren Bor­der­li­ne­stö­rung lei­det, ord­ne­te das Ge­richt an­stel­le der Ge­fäng­nis­stra­fe ei­ne sta­tio­nä­re the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­me an.

Zehn Jah­re Lan­des­ver­weis

Nach Ab­schluss der sta­tio­nä­ren Mass­nah­men oder nach Ver­büs­sung der Frei­heits­stra­fe muss die Ko­so­va­rin die Schweiz ver­las­sen. Ob­wohl sie in der Schweiz ge­bo­ren und hier auf­ge­wach­sen ist und ob­wohl die Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen eben­falls in der Schweiz le­ben und zu Ko­so­vo kaum Be­zie­hun­gen be­ste­hen, ord­ne­te das Ge­richt ei­ne zehn­jäh­ri­ge Lan­des­ver­wei­sung an.

«Trotz per­sön­li­chen Här­te­falls», so das Ge­richt, sei die Lan­des­ver­wei­sung «aus Grün­den der öf­fent­li­chen Si­cher­heit, ins­be­son­de­re auf­grund der evi­den­ten Ge­fähr­lich­keit und der dro­hen­den Rück­fäl­lig­keit der Be­schul­dig­ten», nö­tig. Das Ur­teil, das die­se Wo­che ge­fällt wur­de, ist noch nicht rechts­kräf­tig. Ob es vor Ober­ge­richt an­ge­foch­ten wird, ist nicht be­kannt.

Für die Beur­tei­lung die­ses Falls war das Ju­gend­ge­richt des Be­zirks­ge­richts Bülach zu­stän­ dig. Dies, weil die Haupt­tat, der ver­such­te Mord, von der Ju­gend­li­chen vor Voll­en­dung ih­res 18. Le­bens­jahrs be­gan­gen wur­de. War­um die ho­he Stra­fe? Sieht denn das Ju­gend­straf­recht (JSTG) im Be­reich der Frei­heits­stra­fen nicht ei­ne Höchst­stra­fe von nur vier Jah­ren vor? Das ist so.

Voll­jäh­rig­keit zählt

In Ar­ti­kel 3 des JSTG heisst es aber auch: «Sind gleich­zei­tig ei­ne vor und ei­ne nach Voll­en­dung des 18. Al­ters­jah­res be­gan­ge­ne Tat zu be­ur­tei­len, so ist hin­sicht­lich der Stra­fen nur das Straf­ge­setz­buch für Er­wach­se­ne an­wend­bar.» Bloss im Zu­sam­men­hang mit der Mass­nah­me hät­te das Ju­gend­ge­richt zwi­ schen Mass­nah­men nach Er­wach­se­nen­ oder nach Ju­gend­straf­recht wäh­len kön­nen. Ge­wählt wer­den muss laut Ge­setz je­ne Mass­nah­me, «die nach den Um­stän­den er­for­der­lich ist».

Ob­wohl in Be­zug auf die Stra­fe das Er­wach­se­nen­straf­recht an­wend­bar war, wur­de das ei­gent­li­che Ge­richts­ver­fah­ren nach den Re­geln der Ju­gend­straf­pro­zess­ord­nung durch­ge­führt. Es fand des­halb – wie in sol­chen Fäl­len in al­ler Re­gel üb­lich – un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit und der Me­di­en statt. Auf An­fra­ge des «Ta­ges­an­zei­gers» hat der Prä­si­dent des Ju­gend­ge­richts die die­sem Ar­ti­kel zu­grun­de lie­gen­den In­for­ma­tio­nen über­mit­telt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.